Gründer sind keine Manager?

SK: In Deutschland gibt es eine sehr erfolgreiche Mittelstandskultur. 80-jährige Gründer und Manager vererben ihre Unternehmen. Diese Kultur ist mit VCs nicht möglich. VCs wechseln das Management oft aus. Meist mit guten Gründen (manchmal auch nicht). Macht das Deiner Ansicht nach Sinn?

KMR: Klar – immer genau dann, wenn der Gründer nicht derjenige ist, der das Unternehmen groß machen kann. Aber die Frage ist: wie willst Du das erkennen?

SK: Wenn über mehrere Quartale oder Jahre Pläne, Versprechungen und Ziele nicht eingehalten werden können, ist der Fall klar. Ansonsten kann man sowieso nur im Einverständnis mit dem Gründer handeln.

KMR: Wie meinst Du das?

SK: Wenn man Zweifel an den Fähigkeiten des Gründers hat, die Firma über einen gewissen Zeitraum hinaus zu führen, aber alle Ziele erreicht werden, muss man seine persönlichen Zweifel zurückstellen. Auf der anderen Seite gibt auch den Fall, dass – wie bei Google – Gründer bereit sind, trotz Erfolgs auf den CEO-Posten zu verzichten, weil es für alle Beteiligten Sinn macht. Mein Punkt ist, in Deutschland ist es gesellschaftlich viel weniger akzeptabel als in den USA, dass ein Geldgeber den Gründer rausschmeißt (und von seinem „Baby“ trennt).

KMR: Das Beispiel Google empfinde ich als ein wenig fragwürdig, da Larry Page und Sergej Brin auch ohne CEO zu sein, die Fäden in der Hand halten – eben ohne bei Bilanzpressekonferenzen Zahlenkolonnen herbeten zu müssen. Eine Idealsituation also. Ich persönlich hätte kein Problem damit, rausgeschmissen zu werden – dann würde ich mich höchstens fragen, warum ich nicht selbst darauf gekommen bin, nicht „der Richtige“ zu sein.

SK: Gut – dann sage ich Deinen Investoren Bescheid ;)

KMR: Mach doch!

4 thoughts on “Gründer sind keine Manager?

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  2. “Rausschmeißen” ist natürlich sehr hart formuliert. Das bedeutet aber nicht, dass der Gründer und alle anderen Gesellschafter nicht weiterhein von der Wertsteigerung profitieren, sondern der Gründer nicht mehr in der operativen Führungsrolle ist.

    Die Unterscheidung zwischen Gesellschaftern und Geschäftsführern ist hier sehr wichtig. Die Gesellschafter dürfen und müssen – über den Umweg Aufsichtsrat – die Geschäftsührung be- und abbestellen.

  3. Es kann tatsächlich sein, dass der Gründer die Geschäftsleitung abgeben soll. Manchmal ist der Ideenlieferant aber nicht die geeignete Person, um die Idee wirtschaftlich sinnvoll umzusetzen.

    Als Firmengründer muss man deshalb wirklich gut aufpassen, wenn man mit VCs zusammenarbeitet, dass gute Verträge vorhanden sind, um einen Totalrausschmiss zu vermeiden. Ideal wäre, wenn man sich auf einen Endzustand einigen könnte, bei dem der Firmengründer entweder finanziell so gut vom VC-Kapital profitiert, dass ein Rauswurf nichts ausmacht, oder dass der Gründer in beratender Funktion im Unternehmen verbleibt. Da sind eben gute Anwälte gefordert.

  4. “Mein Punkt ist, in Deutschland ist es gesellschaftlich viel weniger akzeptabel als in den USA, dass ein Geldgeber den Gründer rausschmeißt”

    Warum sollte man das auch akeptieren? Ich muss doch als Gründer nicht die Rendite-Ziele meines Investors als Hauptziele übernehmen, sondern das ist eine Nebenbedingung. Und wieso rausschmeißen? Gibt`s da nicht nettere Lösungen? :)

    Die Tatsache, dass die Kapitalgeber in einem Unternehmen so stark sind, das Management-Team zu bestimmen finde ich persönlich eh nicht wirklich gut. Das Unternehmen mag zwar dann nach Zahlen gut geführt sein, aber das kann ja nicht alles sein…

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