Team, Team, Team

SK: Immobilenmakler nennen als die drei wichtigsten Merkmale für Investitionen: “Location, Location und Location!” VCs übernehmen diesen plakativen Ausspruch gerne und bezeichnen “Team, Team und Team” als die drei Erfolgsfaktoren (weitere bekannte Sprüche dazu “A People get A People, B People get C People”, “Lieber ein A Team mit B Idee als, ein B Team mit A Idee”). Ist das der richtige Ansatz? 

KMR: Ja. Gute Ideen liegen geradezu in der Luft – entscheidend ist, solche zu erkennen und in ein Geschäftsmodell umzusetzen. Und dafür ist m.E. eine Kombination aus fachlichem Know-How und Persönlichkeit der Gründer ausschlaggebend. Die Frage ist: wie will ein VC diese Qualifikation aus einem zugeschickten Business Plan oder selbst nach einer ersten Präsentation erkennen?  

SK: Zugegebenermaßen ist ein Business Plan kein adäquates Mittel, um die Qualität eines Teams zu beurteilen. Trotzdem kann man zwei Dinge beurteilen: zum einen den Lebenslauf, zum anderen die Art der Kontaktaufnahme durch die Gründer. Zum Beispiel ist es besser, mir einen Business Plan nicht einfach so, sondern über einen gemeinsamen Kontakt zukommen zu lassen. Der VC ist einer der ersten Partner der Gründer – warum bekomme ich also so viele Business Pläne anonym zugeschickt? Das sind wahrscheinlich keine A-Teams. 

KMR: Hm. Das halte ich für zu undifferenziert. Nehmen wir ein paar Zwanzigjährige, die eine (wirklich) tolle Idee haben, aber niemanden aus dem VC-Umfeld kennen, da sie sich bisher dort nie herumgetrieben haben. Ich kenne selbst ein paar Programmierer mit extrem interessanten Projekten, die aber überhaupt nicht wissen, wie sie sich dem Thema VC nähern sollen. 

SK: Wahrscheinlich klingt das jetzt arrogant, aber dann sind es auch nicht die Richtigen. Damit will ich nicht sagen, dass man unbedingt erfahrene Gründer braucht; Bill Gates und Sergey Brin waren auch „nur“ jung und dynamisch, haben viel ausprobiert und sind offensichtlich A-Team Mitglieder. Für richtig disruptive Geschäftsmodelle sind die erfahrenen oft die Falschen. 

KMR: Also auf der einen Seite jung und wild, auf der anderen Seite aber erfahren genug, um in der VC-Szene vernetzt zu sein und eine klasse Präsentation hinzulegen? Das klingt ein bisschen wie die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau. 

SK: Das klingt viel dramatischer, als es ist. Was ist schon dabei, sich gründlich vorzubereiten, bevor man einen Investor (ersetzbar durch: Kunde, Partner) anspricht?

4 thoughts on “Team, Team, Team

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  2. Interessant zu beobachten ist ebenfalls aus meiner Sicht, wenn Gründer mit verschiedenen „Investoren“ sprechen. Ich meine ebenso die Verschiedenheit in Völkern.

    In Russland z. B. hat mir jemand gesagt, dass an erster Stelle die Persönlichkeit steht.
    Erst dann kommt die fachliche Kompetenz.
    Auf die Frage warum das so ist, bekam ich die Antwort, dass es wohl besser sei sich in allem „etwas“ auszukennen. Sowohl das fachliche als auch das menschliche ist wichtig. Es sollte im harmonischen Gleichgewicht sein.

    Denn nur ein rundes Rad rollt. Ich kann der „Guru“ auf einem Gebiet sein, jedoch in anderen Segmenten keine Ahnung haben. Dies würde bedeuten, dass ich nur eine Radspeiche habe. Umso mehr ich Radspeichen habe, desto „vollkommener“ wird das Rad. Und ich kann mich auch vorwärts bewegen. Spezialist auf einem Gebiet zu sein ist gut für einen Angestellten in einem Unternehmen vielleicht, jedoch nicht für einen Unternehmer.

    Wenn ich den Schritt in die Selbstständigkeit wage, muss ich auch denken und handeln wie ein Unternehmer. Es ist mir bewusst, dass ich nicht auf allen Gebieten TOP sein kann. Dafür kann ich jemand arrangieren der es besser kann? Ständige Weiterbildung ist wichtig. Jedoch erfordert es mehr als nur eine Radspeiche um vorwärts zu kommen.

    Wenn ich mich mit Computern und Technik auskenne und sogar Patente habe ist gut. Dann brauche ich aber jemand im A-Team (ich nenne es das Aufbauteam), der sich mit Zahlen auskennt. Wirklich Kompetent auf dem Gebiet BWL ist. Und umso mehr Kompetenz eben in Sachen wie Finanzen, Marketing, Controlling etc. der Unternehmer neben seinem „Fachbezogenem“ Know-How besitzt, desto übersichtlicher wird das Ganze.

    Bezüglich der Lebensläufe habe ich die Beobachtung gemacht, dass das was für eine Bewerbung um einen Arbeitsplatz, den Arbeitgeber eher abschreckt, den Investor vielleicht eher freut. Und umgekehrt.

    Wenn mein beruflicher Werdegang eher lang ist. Und ersichtlich ist, dass ich z. B. mit 18 die Schule aufgegeben habe um eine „bestimmte“ Führungsposition beim Militär zu bekommen, innerhalb von 2 Jahren Erfahrungen in der Menschenführung als Vorgesetzter sammle, über Fernstudium mein Hochschulabschluss nachhohle und in der gleichen Zeit noch eine Ausbildung mache (Kommunalverwaltung z. B.), mag das ja Beachtungsvoll aussehen. Doch wenn Sie beim weiteren Werdegang jedes halbe bis eine Jahr Branche und Position wechseln (Angefangen vom Lageristen über Vertrieb im Direktmarketing, Assistenten eines Restaurantleiters bis zum…. Und und und, kann die Meinung auf der einen Seite entstehen, dass Sie es nicht lange ausgehalten auf einem Arbeitsplatz haben. Und der neue Arbeitgeber eher skeptisch gegenüber Ihrer Bewerbung ist.

    Aus der Sicht eines Investors, kann es durchaus möglich sein, dass es eher positiv bewertet wird.
    Sie haben eine Geschäftsidee, haben dazu noch vor Patente anzumelden, Auf einem Gebiet sind Sie sowieso besser als jeder andere, beherrschen drei Sprachen, haben in verschiedenen bereichen Erfahrungen gesammelt und sind somit kurz um ein Allrounder.

    Und selbst das ist nur meiner Meinung nach ein Tropfen eines Unternehmers.
    Das Problem meines Erachtens liegt darin, dass viele sich in die Selbstständigkeit als Spezialist stürzen und nicht als Unternehmer. Man könnte fast sagen die Titanic hat ein Profi gebaut, die Arche dagegen …

    Freue mich Eure Meinungen zu lesen.

  3. @Tobias: VCs sind eben auch nur Menschen. Wie wir alle versuchen sie zwar, ihre Entscheidungen weitestmöglich zu rationalisieren – aber letztlich entscheidet der persönliche Eindruck. Was aber auch wiederum nicht so schlecht ist, da man als Unternehmer sinnvollerweise mit “seinem” VC zusammenarbeitet; und dazu sollte man sich – wie im Team selbst – gut verstehen.

  4. Ich bezweifle ebenfalls, dass die Qualtität eines Teams durch die Art der Kontaktaufnahme mit dem VC festgestellt werden kann. Es mag ein Indikator sein, wie professionell ein Team auf das Thema VC zugeht, nicht aber für die Qualität des Teams.

    Die Dynamik innerhalb eines Teams (darum geht es ja aus meiner Sicht) läßt sich schwer von aussen feststellen.

    Als Kriteria anders als die VC-Ansprache würden mir einfallen: interdisziplinär, risiko-freudig vs. -avers (Lebenslauf), strukturiert vs. kreativ, …

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