Urlaub

Wir haben Urlaub. Daher können wir uns diese Woche nicht über Gründer und VCs unterhalten. Bis nächste Woche!

Businessplanwettbewerbe

SK: Ein Investor hat mir mal erzählt, er hätte in eine Firma investiert, obwohl sie schon mehrere Businessplanwettbewerbe gewonnen hat…  

KMR: …obwohl? 

SK: Die Logik dahinter ist, dass Firmen, die sich mit einem interessanten Produkt in einem großen Markt bewegen, sich auf den Erfolg konzentrieren (sollten) und keine Zeit haben, an diesen Wettbewerben teilzunehmen. Ehrlich gesagt, ich bin nicht sicher ob diese Logik zwingend ist, was denkst Du? Hast Du schon mal an einem dieser Wettbewerbe teilgenommen? 

KMR: Nein. Ich habe das bisher immer als eher defokussierend empfunden: Die Initiatoren und öfters auch Juroren dieser Wettbewerbe sind nicht zwingend die, von denen der Gründer das Geld bekommt. Zusätzlich will ich auch nicht in einem ‚Wettbewerb der Ideen’ gewinnen, sondern einen Investitionspartner von meiner Idee überzeugen. 

SK: Bin fast deiner Meinung. Es geht halt bei Businessplanwettbewerben nicht nur um das direkte Einwerben von Kapital, sondern auch darum, Feedback und Publicity zu bekommen. Dafür können sie sehr wertvoll sein. Also, für wen sind diese Veranstaltungen sinnvoll?

  • Sehr junge Unternehmen/Konzepte, die die ersten Schritte machen und für die das Feedback sehr wertvoll ist (normalerweise kein Investitionstarget für institutionelle Investoren)

  • Unternehmen, die auf diesem Weg Publicity und Kontakte kriegen wollen

Bei den zweiten drängt sich die Frage auf: können sie die Publicity nicht auf anderem Weg kriegen? 

KMR: In der von dir erstgenannten Zielgruppe stimme ich dir zu: Viele Gründer wissen einfach nicht, wie sie einen Businessplan aufbauen sollen, und erst Recht erhalten sie auf ihren Pläne kein professionelles Feedback. Insofern sind Businessplanwettbewerbe sehr sinnvoll. 

SK: Ja, für die richtige Zielgruppe. Übrigens kenne ich zwei Wettbewerbe etwas besser, für interessierte: München (http://www.mbpw.de/) und Nordbayern (http://www.n-b-a.de/).

Wieviel darf der Gründer verdienen?

SK: Wieviel verdienst Du? 

KMR: Soviel, dass meine Frau und ich überlegen, ob wir es uns leisten können und wollen, dass sie aufhört zu arbeiten. 

SK: Viele Gründer überlegen, ob ihre Frau genug verdient, dass sie ein Unternehmen gründen können. Ich glaube übrigens, es ist essentiell, dass Gründer ein finanzielles Risiko eingehen und nicht das gleiche wie in einem Konzern verdienen. 

KMR: Unbedingt! Bei uns ist es so: Wir haben zwei kleine Kinder, um deren Erziehung wir uns beide kümmern. Das bedeutet hohe Betreuungskosten, wenn meine Frau arbeitet. Da ist es beinahe ein Nullsummenspiel, ob sie halbtags arbeitet oder sich primär um die Kinder kümmert. Ich habe allerdings an mir selbst gemerkt, dass ein anfänglich niedriges Einkommen in Verbindung mit einem hohen potentiellen Upside dazu führt, dass man sich ständig reinhängt und sehr hart für das Unternehmen arbeitet – weil man es will, aber auch muss.

SK: Grundsätzlich wollen ja Investoren die Ziele von Gründern und Managern mit ihren eigenen abgleichen. D.h. das aktuelle Einkommen sollte hoch genug sein, dass sie überlegen können, aber niedrig genug um einen Anreiz zu setzen, das Unternehmen erfolgreich zu machen und dann gemeinsam mit den Investoren zu verdienen. Außerdem ist Cash in der frühen Phase sowieso immer knapp. Ich persönlich bin oft überrascht, wie viel Cash sich Gründer vom Tisch nehmen anstatt es in die Firma zu stecken (und die Investoren machen das mit). 

KMR: Zum einen ist Gründer nicht gleich Gründer. Als ich mich selbstständig gemacht habe, hatte ich die monatlichen Ausgaben eines Studenten. Heute habe ich eine Familie mit zwei Kindern. 

SK: Sorry, dass ich Dich unterbreche. Mir ist schon klar, dass Du nicht mehr von Bafög oder vergleichbaren leben kannst. Vielleicht muss man das ganze relativ zu Deinen Opportunitätskosten sehen. Zwischen 30 und 50% von dem was du bei Daimler bekommen würdest (btw: würden die Dich nehmen?)? 

KMR: Mir geht es dabei nicht nur um die persönlichen finanziellen Rahmenbedingungen des Gründers, sondern auch um seine Qualität. Ein Gründer mit über 10 Jahren Erfahrung sollte auch aus Sicht des VCs eine sicherere Bank sein, als ein 20-jähriger. Beim Abgleich der Interessen sollten also sinnvollerweise tatsächlich die individuellen Rahmenbedingungen von Gründer und VC betrachtet werden.  

SK: Zusätzlich spielt natürlich noch die Marktsituation eine wesentliche Rolle – es folgt also für mich: eine allgemeine Beantwortung der Frage: „Wieviel darf der Gründer verdienen?“ ist nicht sinnvoll. Insgesamt muss der Unternehmer halt für sein erhöhtes Risiko entlohnt werden (wenn auch nur später und bei Erfolg).

Zuviel Geld für das Web 2.0?

KMR: Seit einiger Zeit wird in den Medien am Beispiel der sogenannten ‘Blase Web 2.0′ von viel vorhandenem Risikokapital aber kaum vorhandenen Gründern berichtet. Wenn ich mich in der Szene umhöre, bekomme ich den gegenteiligen Eindruck: es gibt sehr viele Gründerteams mit durchaus innovativen Geschäftsideen. Wie kommen die Medien zu dieser Einschätzung?

SK: Ich habe zu diesem Thema gerade einen Artikel in der FAZ am Sonntag gelesen. Bin davon auch überrascht. Natürlich stimmen solche Aussagen wie “Gute Leute sind ein Engpass” immer, trotzdem ist es wohl ein Henne-Ei-Problem.

KMR: Manche Business Angels, wie beispielsweise Jens Kunath, scheinen sogar richtige Probleme zu haben, ihr Geld unterzubringen. Irgendwie scheint mir da der Wurm drin zu sein: entweder die Business Angels haben zu hohe Ansprüche oder die Gründer sind tatsächlich keine Unternehmer – wobei ich insbesondere letzteres bezweifle.

SK: Schwer zu sagen, ob die Business Angels zu hohe Ansprüche haben; glaube eher das ist ein Kommunikations- und Kontaktaufnahmeproblem. Es ist für Business Angels schwierig, bekannt zu werden und dann an die für sie interessanten Gründer zu kommen. Auf der anderen Seite scheinen viele Gründer zu wenig Aufwand zu treiben, um die richtigen Investoren kennenzulernen. In Deutschland gibt es halt bisher keine Barbecue Parties wie die von Michael Arrington. Übrigens, mein Kollege Johannes und ich versuchen gerade für Start-up Interessierte ein regelmaessiges informelles Zusammenkommen zu organisieren.

KMR: Guter Punkt: oft scheitert es bereits an der Erstkommunikation, weil die Gründer aus ihrer Perspektive allein auf die VCs und Business Angels zugehen und sich nicht fragen, welche Investitionskriterien auf deren Seite vorliegen. Ich kenne sogar einen Gründer, der in der Erstpräsentation bereits nach 5 Minuten gedacht hat, dass seine Geschäftsidee keinen der Anwesenden interessiert, obwohl er doch eingeladen wurde.

SK: Wahrscheinlich hat er das nicht nur gedacht! Warum verstehen so viele Unternehmer das Elevator Pitch Konzept nicht??

KMR: Yep – da haben wir es schon: Elevator Pitch – wenn der Investor nicht in den ersten 20 Sekunden versteht, was der Gründer will, verliert er das Interesse (= Definition). Kann sich ein VC nicht länger konzentrieren, oder woran liegt das?

SK: Naja, wahrscheinlich kann sich der Durchschnitts-VC schon länger konzentrieren (30 Sekunden… ;). Nein, das hat ja gar nichts mit Konzentrationsfähigkeit oder ähnlichem zu tun, sondern mit dem sehr menschlichen Phänomen, dass man sich in den ersten Sekunden eine Meinung bildet und dann wieder schwer davon wegkommt.

KMR: In dem von Dir genannten Artikel heisst es u.a., dass ein guter Gründer auch aus einer mittelmässigen Idee einen Erfolg zimmern könne – gleichzeitig beschwert man sich über Mode, US-Konzepte zu klonen und spricht von „geklauten Ideen“. Wie passt das denn zusammen?

SK: Keine Ahnung. Ich bin aber sowieso davon überzeugt, dass die “Idee” überbewertet ist. Das Problem mit dem klonen von US-Konzepten ist aber oft, dass der deutsche Markt wesentlich kleiner ist und mit diesem Ansatz keine richtige grossen Firmen entstehen können. StudiVZ ist z.B. ein sehr guter Erfolg gewesen, aber aus VC-Sicht kein Homerun, um zur Frage nach dem Geld zurück zu kommen. Würdest Du geklonte Ideen finanzieren?

KMR: Auf keinen Fall würde ich eine Investitionsentscheidung von der Frage „Klon, oder kein Klon?“ abhängig machen – immerhin gehören einige der erfolgreichsten deutschen Start-ups wie alando und studiVZ Klone…. Aber ich bin nicht der Investor – wie stehst Du zum Klon?

SK: Klon oder nicht Klon ist wohl nicht entscheidend. Eine 1:1 Kopie eines amerikanischen Marktführers muss halt in Deutschland noch gross genug werden können.

VC vs Business Angel – wer ist als Investor geeignet?

SK: Neben dem richtigen Gründer/CEO ist für eine Unternehmen auch der richtige Investor ausschlaggebend. Heute wird oft diskutiert, ob ein Business Angel oder ein institutioneller VC der richtige Partner ist. Die Standard-Antwort lautet: Business Angel für die sehr frühe Phase und dann kommt der VC mit mehr Geld. Was ist aus Deiner Sicht der richtige Ansatz? 

KMR: Wenn ein Gründer einen VC fragt, wieviel er grundsätzlich bereit ist zu investieren, schwankt erfahrungsgemäss das Antwortintervall zwischen 1-2 Millionen Euro. Im zweiten Schritt ist es dann oft so, dass der VC einen Co-Investor mit ins Boot holen will, um sein Risiko zu minimieren. Das verringert sein Invest auf 0,5-1 Million. Im Falle von 500.000 Euro sind wir ja schon fast bei Business Angel. Die Investitionshöhe – und damit verbunden auch der Zeitpunkt – ist daher m.E. kein hinreichendes Entscheidungskriterium. 

SK: Echt? Bin überrascht von Deinem Eindruck. Aus meiner Sicht investieren die – zugegebenermassen wenigen – seriösen institutionellen VCs eher erst ab 1 Million, und am liebsten in der Range von 2-3 Millionen. Das ergibt 5 Millionen pro Runde. Zusätzlich haben diese Investoren dann Reserven für weitere Runden gebildet. Also, d.h. für die erste Phase macht ein Business Angel mit ein paar hundert k Euro Sinn, oder?

KMR: Wenn der Business Angel tatsächlich ein paar hundert k Euro bereit ist zu investieren, halte ich das für sehr sinnvoll – aus zwei Gründen: Zum einen habe ich voraussichtlich einen schlankeren Investitionsprozess, zum anderen stellt der Angel –vorausgesetzt er wurde gut ausgewählt – einen strategischen Partner da, der mit persönlichen Kontakten und auch als Sparringspartner eine wertvolle Unterstützung sein kann. Als schwierig sehe ich die momentan in Mode gekommenen Kleinstrunden (d.h. Investitionen von 20-50 k pro Investor) an, da bei niedrigster Investition dieselben Prozesse durchlaufen werden müssen und der Gründer sogar noch mehr Ansprechpartner für dieselbe Investitionshöhe hat, die er befriedigen muss. 

SK: Ja, sehr guter Punkt! Ich verstehe diese Mode aus Gründersicht auch nicht – 2 oder 3 Investoren sind wahrscheinlich besser als einer, 8 oder 9 aber sicher ein Nachteil. Interessant zu beobachten ist derzeit in Deutschland, dass Business Angels sich in beide Richtungen bewegen, a) investieren sie sehr früh kleine Summen und b) gibt es auch sehr potente, die durchaus Millionenbeträge stemmen können. Also Gründer würde ich versuchen, einen derartigen potenten Business Angel zu finden. 

KMR: Das sehe ich genauso: im Idealfall habe ich 1-2 Investoren, die als Seed-Investoren mein Unternehmen für die ersten 12-24 Monate finanzieren. Mehr Köpfe bedeuten mehr Komplexität. Zusätzlich habe ich den Eindruck, dass immer mehr Leute sich Business Angel nennen und versuchen, signifikante Unternehmensanteile für kleines Geld abzustauben.  

SK: Das ist auch ein interessantes Phänomen – ich sehe aber kein Problem darin. Die guten Gründer werden schon das richtige machen… Übrigens, ich glaube diese Verwirrungen in der Investorenstruktur in Deutschland liegen noch immer darin begründet, dass der Markt nicht reif ist und auch zuwenig Venture Capital da ist. 

KMR: Du meinst also, der VC-Markt ist nicht mit genügend professionellen Teilnehmern gesegnet? 

SK: Der Markt hat noch Potential.

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