VC vs Business Angel – wer ist als Investor geeignet?

SK: Neben dem richtigen Gründer/CEO ist für eine Unternehmen auch der richtige Investor ausschlaggebend. Heute wird oft diskutiert, ob ein Business Angel oder ein institutioneller VC der richtige Partner ist. Die Standard-Antwort lautet: Business Angel für die sehr frühe Phase und dann kommt der VC mit mehr Geld. Was ist aus Deiner Sicht der richtige Ansatz? 

KMR: Wenn ein Gründer einen VC fragt, wieviel er grundsätzlich bereit ist zu investieren, schwankt erfahrungsgemäss das Antwortintervall zwischen 1-2 Millionen Euro. Im zweiten Schritt ist es dann oft so, dass der VC einen Co-Investor mit ins Boot holen will, um sein Risiko zu minimieren. Das verringert sein Invest auf 0,5-1 Million. Im Falle von 500.000 Euro sind wir ja schon fast bei Business Angel. Die Investitionshöhe – und damit verbunden auch der Zeitpunkt – ist daher m.E. kein hinreichendes Entscheidungskriterium. 

SK: Echt? Bin überrascht von Deinem Eindruck. Aus meiner Sicht investieren die – zugegebenermassen wenigen – seriösen institutionellen VCs eher erst ab 1 Million, und am liebsten in der Range von 2-3 Millionen. Das ergibt 5 Millionen pro Runde. Zusätzlich haben diese Investoren dann Reserven für weitere Runden gebildet. Also, d.h. für die erste Phase macht ein Business Angel mit ein paar hundert k Euro Sinn, oder?

KMR: Wenn der Business Angel tatsächlich ein paar hundert k Euro bereit ist zu investieren, halte ich das für sehr sinnvoll – aus zwei Gründen: Zum einen habe ich voraussichtlich einen schlankeren Investitionsprozess, zum anderen stellt der Angel –vorausgesetzt er wurde gut ausgewählt – einen strategischen Partner da, der mit persönlichen Kontakten und auch als Sparringspartner eine wertvolle Unterstützung sein kann. Als schwierig sehe ich die momentan in Mode gekommenen Kleinstrunden (d.h. Investitionen von 20-50 k pro Investor) an, da bei niedrigster Investition dieselben Prozesse durchlaufen werden müssen und der Gründer sogar noch mehr Ansprechpartner für dieselbe Investitionshöhe hat, die er befriedigen muss. 

SK: Ja, sehr guter Punkt! Ich verstehe diese Mode aus Gründersicht auch nicht – 2 oder 3 Investoren sind wahrscheinlich besser als einer, 8 oder 9 aber sicher ein Nachteil. Interessant zu beobachten ist derzeit in Deutschland, dass Business Angels sich in beide Richtungen bewegen, a) investieren sie sehr früh kleine Summen und b) gibt es auch sehr potente, die durchaus Millionenbeträge stemmen können. Also Gründer würde ich versuchen, einen derartigen potenten Business Angel zu finden. 

KMR: Das sehe ich genauso: im Idealfall habe ich 1-2 Investoren, die als Seed-Investoren mein Unternehmen für die ersten 12-24 Monate finanzieren. Mehr Köpfe bedeuten mehr Komplexität. Zusätzlich habe ich den Eindruck, dass immer mehr Leute sich Business Angel nennen und versuchen, signifikante Unternehmensanteile für kleines Geld abzustauben.  

SK: Das ist auch ein interessantes Phänomen – ich sehe aber kein Problem darin. Die guten Gründer werden schon das richtige machen… Übrigens, ich glaube diese Verwirrungen in der Investorenstruktur in Deutschland liegen noch immer darin begründet, dass der Markt nicht reif ist und auch zuwenig Venture Capital da ist. 

KMR: Du meinst also, der VC-Markt ist nicht mit genügend professionellen Teilnehmern gesegnet? 

SK: Der Markt hat noch Potential.

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