Zuviel Geld für das Web 2.0?

KMR: Seit einiger Zeit wird in den Medien am Beispiel der sogenannten ‘Blase Web 2.0′ von viel vorhandenem Risikokapital aber kaum vorhandenen Gründern berichtet. Wenn ich mich in der Szene umhöre, bekomme ich den gegenteiligen Eindruck: es gibt sehr viele Gründerteams mit durchaus innovativen Geschäftsideen. Wie kommen die Medien zu dieser Einschätzung?

SK: Ich habe zu diesem Thema gerade einen Artikel in der FAZ am Sonntag gelesen. Bin davon auch überrascht. Natürlich stimmen solche Aussagen wie “Gute Leute sind ein Engpass” immer, trotzdem ist es wohl ein Henne-Ei-Problem.

KMR: Manche Business Angels, wie beispielsweise Jens Kunath, scheinen sogar richtige Probleme zu haben, ihr Geld unterzubringen. Irgendwie scheint mir da der Wurm drin zu sein: entweder die Business Angels haben zu hohe Ansprüche oder die Gründer sind tatsächlich keine Unternehmer – wobei ich insbesondere letzteres bezweifle.

SK: Schwer zu sagen, ob die Business Angels zu hohe Ansprüche haben; glaube eher das ist ein Kommunikations- und Kontaktaufnahmeproblem. Es ist für Business Angels schwierig, bekannt zu werden und dann an die für sie interessanten Gründer zu kommen. Auf der anderen Seite scheinen viele Gründer zu wenig Aufwand zu treiben, um die richtigen Investoren kennenzulernen. In Deutschland gibt es halt bisher keine Barbecue Parties wie die von Michael Arrington. Übrigens, mein Kollege Johannes und ich versuchen gerade für Start-up Interessierte ein regelmaessiges informelles Zusammenkommen zu organisieren.

KMR: Guter Punkt: oft scheitert es bereits an der Erstkommunikation, weil die Gründer aus ihrer Perspektive allein auf die VCs und Business Angels zugehen und sich nicht fragen, welche Investitionskriterien auf deren Seite vorliegen. Ich kenne sogar einen Gründer, der in der Erstpräsentation bereits nach 5 Minuten gedacht hat, dass seine Geschäftsidee keinen der Anwesenden interessiert, obwohl er doch eingeladen wurde.

SK: Wahrscheinlich hat er das nicht nur gedacht! Warum verstehen so viele Unternehmer das Elevator Pitch Konzept nicht??

KMR: Yep – da haben wir es schon: Elevator Pitch – wenn der Investor nicht in den ersten 20 Sekunden versteht, was der Gründer will, verliert er das Interesse (= Definition). Kann sich ein VC nicht länger konzentrieren, oder woran liegt das?

SK: Naja, wahrscheinlich kann sich der Durchschnitts-VC schon länger konzentrieren (30 Sekunden… ;). Nein, das hat ja gar nichts mit Konzentrationsfähigkeit oder ähnlichem zu tun, sondern mit dem sehr menschlichen Phänomen, dass man sich in den ersten Sekunden eine Meinung bildet und dann wieder schwer davon wegkommt.

KMR: In dem von Dir genannten Artikel heisst es u.a., dass ein guter Gründer auch aus einer mittelmässigen Idee einen Erfolg zimmern könne – gleichzeitig beschwert man sich über Mode, US-Konzepte zu klonen und spricht von „geklauten Ideen“. Wie passt das denn zusammen?

SK: Keine Ahnung. Ich bin aber sowieso davon überzeugt, dass die “Idee” überbewertet ist. Das Problem mit dem klonen von US-Konzepten ist aber oft, dass der deutsche Markt wesentlich kleiner ist und mit diesem Ansatz keine richtige grossen Firmen entstehen können. StudiVZ ist z.B. ein sehr guter Erfolg gewesen, aber aus VC-Sicht kein Homerun, um zur Frage nach dem Geld zurück zu kommen. Würdest Du geklonte Ideen finanzieren?

KMR: Auf keinen Fall würde ich eine Investitionsentscheidung von der Frage „Klon, oder kein Klon?“ abhängig machen – immerhin gehören einige der erfolgreichsten deutschen Start-ups wie alando und studiVZ Klone…. Aber ich bin nicht der Investor – wie stehst Du zum Klon?

SK: Klon oder nicht Klon ist wohl nicht entscheidend. Eine 1:1 Kopie eines amerikanischen Marktführers muss halt in Deutschland noch gross genug werden können.

3 thoughts on “Zuviel Geld für das Web 2.0?

  1. Ich verstehe das Konzept von Y Combinator nicht richtig. Was ist der Unterschied zu den Inkubatoren in der 2000er Bubble, die alle nicht richtig funktioniert haben (weil $10k nicht mal für einen Anfang reicht und Y Combinator selbst nicht richtig operativ mitarbeiten kann)?

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