Termsheet: Ist ein Verwässerungsschutz sinnvoll?

SK: Was ich an VC Verträgen oft für schwer argumentierbar finde, ist der sogenannte Verwässerungsschutz (Anti-Dilution) für den Investor, d.h. wenn in einer zukünftigen Runde die Bewertung runter geht, wird der VC dafür kompensiert und bekommt zusätzliche Anteile. Was hältst Du als Unternehmer davon?

KMR: Das ist eine typisch einseitige Vertragsgestaltung: Eine Regelung allein zugunsten des VC, die meiner Meinung nach (nur) aus einer Position der Stärke heraus getroffen werden kann. Anders formuliert: Ist der Unternehmer stark genug, diese Regelung nicht zu treffen, sollte er es nicht tun.

SK: Ehrlich gesagt, ich kenne keinen Fall, wo darauf verzichtet wird. Die Begründung ist, dass der Unternehmer/Gründer immer mehr Wissen über den tatsächlichen Stand der Firma als ein Investor hat und erst später klar wird, ob die verhandelte Bewertung tatsächlich gerecht war.

KMR: Die Zukunft kennt niemand, weder Gründer noch Investor. Wenn man sich in der Bewertung getäuscht hat, so trifft es alle.

SK: Alle? Wohl nur den Investor der für sein Geld weniger Anteile als bei der „richtigen“ Bewertung bekommen hat.

KMR: Da haben wir es wieder: Die typische ausschließliche VC Sicht auf das Thema. Der Gründer hat durch seine Gründereigenschaft relativ zu seinen Anteilen genauso viel (Geldwertes) wie der Investor investiert.

SK: Sehe ich ganz anders. Die Arbeit des Gründers wird a) durch ein Gehalt und b) durch den Wert des von ihm (mit)geschaffenen Unternehmens bestimmt. Wenn das Unternehmen wenig Wert ist, ist auch die Arbeit des Gründers wenig wert (in $).

KMR: Typischerweise wird das Gehalt eines Gründers in Relation zu seinen Anteilen festgelegt, d.h. je mehr Anteile er hat, desto weniger Gehalt.

SK: Das ist so nicht richtig.

KMR: Ok, es korreliert nicht unmittelbar, aber ein Gründergehalt entspricht nicht dem Gehalt, das der Gründer in einer abhängigen Beschäftigung verdienen würde. Zudem verliert bei einer zweiten und geringeren Bewertung der Gründer ebenso oder mehr (abhängig von seinen Anteilen) an Wert wie der Investor. Fazit: Investor und Gründer sitzen im selben Boot und sollten nicht unterschiedlich behandelt werden.

SK: Ja, sie sitzen im selben Boot, der Gründer ist aber der Kapitän und der Investor sollte als Passagier als erster den Rettungsring kriegen. Wie am Anfang erwähnt, ich bin persönlich nicht hundertprozentig davon überzeugt, dass voller Verwässerungsschutz (es gibt verschiedene Graduierungen) der richtige Weg ist, es wird aber von allen VCs als Bedingung gesehen und ist deswegen sehr schwer für den Gründer weg zu verhandeln.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Proudly powered by WordPress
Theme: Esquire by Matthew Buchanan.