Warum ist Venture Capital in Deutschland unbekannt?

KMR: Nahezu jeder Unternehmengründer in den USA weiss, dass er sein Unternehmen grundsätzlich von Venture Capital Unternehmen finanzieren lassen kann. In Europa und insbesondere in Deutschland denken Unternehmensgründer nicht automatisch an fremde Investoren. Viele wissen gar nicht, dass es Venture Capital gibt bzw. was das heisst. Wie erklärst Du Dir diesen Unterschied zwischen den USA und Deutschland?

SK: Ich glaube, dass hängt sehr stark mit der Ausbildung zusammen. Wenn du siehst, wie oft über Venture Capital an amerikanischen Unis gesprochen wird und wie wenig in Deutschland, erklärt das schon einiges. Besonders interessant fand ich den Bericht über eine Facebook Klasse in Stanford, bei der die Studenten eine Facebook Anwendung bauen mussten. Ziel war, möglichst viele User zu generieren (mehr) – das ist auch genau dass, worauf ein VC schaut. In DE würde wahrscheinlich die Code-Qualität geprüft.

KMR: Interessanter Aspekt. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Thema Unternehmensgründung – und dies in Verbindung mit Venture Capital – an deutschen Universitäten eher Mangelware ist. Das ware dann eine kultur-soziologische Erklärung. Gibt es darüberhinaus nicht auch VC-spezifische Unterschiede?

SK: Klar, natürlich ist das irgendwo eine Henne-Ei Problem. Aber trotzdem würde ich hier den VCs nicht zuviel Verantwortung zumessen.

KMR: Meine Erfahrungen beschränken sich auf VCs in Deutschland und Großbritannien. Schon zwischen diesen habe ich einige Unterschiede in der Kommunikation zum Gründer festgestellt. Kurz zusammengefasst: die Engländer sind stark vom US-Markt beeinflusst, viel schneller in der Entscheidungsfindung und riskofreudiger.

SK: Weil es weniger Wettbewerb gibt. Aber ich sehe nur einen kleinen Teil der “Schuld” dafür bei den VCs selber. Warum interessiert sich Deiner Ansicht nach bei den Unis keiner für Unternehmensgründung bzw. warum erst seit 2-3 Jahren?

KMR: Ich sehe in Deutschland viel zu viel Scheu vor Risiko und damit davor, sich selbständig zu machen. Der typische Student hat die Selbständigkeit gar nicht im Relevant Set, sondern überlegt lieber von Anfang an, bei welchem Arbeitgeber er seine Karriere starten soll. Die Professoren sind ebensowenig auf das Gründungsthema eingestellt, da sie nicht im selben Masse wie ihre US-Kollegen eigene Unternehmen neben ihrer Lehrtätigkeit betreiben und weil sie schon an der Uni selbst nicht in einem Wettbewerb um Ressourcen (Drittmittel) oder Studenten
stehen wie beispielsweise ein Prof in Berkeley.

SK: Klingt alles eher negativ für Deutschland. Auf der anderen Seite: Für die deutschen Gründer gibt es damit wenig landesinterne Konkurrenz. Im Endeffekt ist es ja jedem selbst überlassen, welchen Weg er beschreitet, neben weniger Konkurrenz gibt es in Deutschland auch noch einen anderen Vorteil: Es gibt wesentlich mehr Fördergelder als in den USA.

KMR: Mein Eindruck ist, dass VCs in Deutschland damit beginnen, Eigen-PR zu betreiben. Anscheinend beginnt auch hier der Wettbewerb. Hast Du auch solche Anzeichen bemerkt?

SK: VCs machen die ganze Zeit Eigen-PR, viele werden behaupten, Sie sind die besten für Dich. Aber es stimmt auch, dass etwas mehr Bewegung in den Markt gekommen ist, seit auch sehr potente Business Angels wieder aktiv sind.

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