Start-ups: USA – Deutschland 1:0

Die USA sind uns Deutschen hinsichtlich Unternehmertum und Start-up Gründungen weit voraus. Nur etwa viermal so gross wie Deutschland, bringen die Nordamerikaner etwa 20mal soviele Start-ups hervor. Im Technologiebereich ist dies besonders augenfällig. So kommt es auch dazu, dass deutsche Gründer ihre US-Vorbilder nachahmen, wobei ich noch von keinem US-Klon eines deutschen Unternehmens gehört habe.

Die Gründe für dieses Missverhältnis sind vielfältiger Natur: Basis ist vermutlich die grundsätzlich höhere Bereitschaft zum Risiko, wie sie den Amerikanern bereits von den Gründungsvätern ins Gebetbuch geschrieben wurde.

Einen anderen – oder besser gesagt, von einer höheren Risikobereitschaft abgeleiteten – Grund sehe ich in der höheren Flexibilität amerikanischer Start-ups im Vergleich zu deutschen.

In einem deutschen Business Plan ist der Break Even die wichtigste Kennziffer. Die Profitabilität geht im Plan eng einher mit einem konsistenten Geschäftsmodell, das inhaltlich wie quantitativ über bis zu 5 Jahre geplant (vorausgesagt) wird.

Deutsche Jungunternehmer halten sich demzufolge häufig eng am mit Geldgebern vereinbarten Business Model, auch wenn dieses auf keinerlei Akzeptanz im Markt stösst. Ein deutsches Start-up funktioniert oder funktioniert nicht (mit dem gegebenen Modell).

Venture Capitalists in den USA legen dagegen den grössten Wert auf die sogenannte traction – also die Akzeptanz des Business Models am Markt. Nutzen mehr und mehr Menschen das Angebot des Start-ups, so wird investiert – dabei ist die Gewinn- und Verlustsituation zunächst zweitrangig. In der Anfangszeit wird dem Start-up jede mögliche Änderung des Modells gewährt – solange sich dies positiv auf das Nutzerwachstum auswirkt.

Stars der Tech-Szene wie Google, Twitter, Facebook, Foursqare u.a. haben alle diverse Änderungen ihrer Modelle durchlaufen, bis sie zu dem monetären Erfolg wurden, der heute vorhanden ist bzw. sich abzeichnet.

Eine hohe Risikobereitschaft gepaart mit Flexibilität bezüglich des Geschäftsmodells sind die beiden tragenden Säulen der Start-up Szene in den USA. Um ein Stück dieses Erfolgs auch hierzulande zu verbuchen, bedarf es keiner Gesetzsänderung, Initiativen der Bundesregierung oder Entrepreneurship-Studiengänge. Die handelnden Personen haben es selbst in der Hand: VCs sollten unternehmerisch denken und Unternehmer müssen den Mut zu ständigem Ausprobieren und steter Veränderung aufbringen.

KMR

2 thoughts on “Start-ups: USA – Deutschland 1:0

  1. Hallo,

    der Artikel ist sehr interessant, da ich mich aufgrund meiner Diplomarbeit sehr eng mit dem Thema befasse. Haben Sie weitere Literaturtipps zu dem Thema “Start-Up Vergleich USA – Deutschland”? Ebenfalls interessiere ich mich fuer empirische Untersuchungen, welche die Thematik wissenschaftlich untermauern.

    Ueber Tipps und Anregungen wuerde ich mich sehr freuen.

    Vielen Dank ;)

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