Die Motivation des Gründers

In Zeiten häufiger Exits, also üblicherweise am Ende einer guten Phase für Start-ups und VCs, werden angesteckt durch diese sichtbaren Erfolge immer noch mehr Unternehmen gegründet. Und während grundsätzlich jede Unternehmensgründung per se gut ist, weil etwas Neues entsteht und sich Menschen dem Risiko aussetzen, ohne Sicherheitsnetze zu arbeiten, scheinen einige Gründungen eher zweifelhafter Natur zu sein: die immergleichen neuen Services einer Art, die sich nur in Farbe, Name und PR-Texten unterscheiden, entsprechen eben nicht dem Gedanken, Neues zu schaffen – sondern vielmehr dem Wunsch, auf die Schnelle mit einem scheinbar akzeptierten Business Model einen Exit hinzulegen.

Wer so vorgeht, also den Markt scannt, erfolgversprechende Dienste kopiert und währenddessen schon den potentiellen Käufer nicht nur im Auge hat sondern gleich mit ins Boot holt, um nach ein paar Monaten vom erfolgreichen Exit sprechen zu können, der handelt durchaus schlau. Er geht ökonomisch klug und effizient vor und minimiert sein eigenes Risiko. Neues dagegen schafft er nicht. Er ist weder innovativ, noch ist sein Geschäft oder gar das dahinterliegende Modell nachhaltig: es funktioniert von Einzelfall zu Einzelfall – Misserfolge inbegriffen.

Vergleichbar ist diese “Start-up Maschinerie” vielleicht am ehesten mit dem Private Equity Bereich: hier handeln kluge, exzellente Analytiker, bewerten Unternehmen, kaufen im Falle von Unterbewertungen und verkaufen, wenn ein höherer Wert erzielbar ist. Hedge Funds, die sich auf minimale Bewertungsdifferenzen spezialisiert haben, sind die Könige dieser Disziplin – mit grossem Hebel werden kleinste Bewertungsunterschiede genutzt und entsprechende Handelsgewinne erzielt.

Ohne dieses Geschäft bewerten zu wollen (ich habe grossen Respekt vor dem Profis in dieser Branche), ist meiner Ansicht das Start-up Business ein anderes: alle mir bekannten Mega-Erfolge (Apple, Google, Facebook, Microsoft, Amazon, etc.) sind nicht als Me-too Projekte entstanden sondern auf Basis der Visionen ihr Gründer. Sie alle wollten etwas Neues schaffen und mussten sich in ihrer jeweiligen Zeit gegen Skepsis, Widerstand und Spott durchsetzen. Sie haben teileweise jahrelang kämpfen müssen, um der Welt ihren Erfolg demonstrieren zu können. Und was sicher keiner von ihnen bei der Unternehmensgründung im Sinn hatte, war der Verkauf ihres Unternehmens.

Der geplante Verkauf des eigenen Unternehmens ist mein Ansicht nach keine geeignete Basis für die Gründung eines Start-ups. Wer so vorgeht, kann – wie oben beschrieben – eine Kopiermaschinerie aufbauen und erfolgreich betreiben. Etwas Neues schafft er nicht, er ist nicht innovativ und er wird sicher nicht die Welt verbessern. Um wirklich etwas zu erschaffen, muss der Gründer von sich und seiner Idee überzeugt sein – so überzeugt, dass er nicht müde wird, für diese Idee zu kämpfen und sie unter Umständen jahrelang gegen Widerstände durchzusetzen. Er muss an sich und die Idee glauben.

PS: Ein sehr schönes Beispiel für eine gelungene Innovation ist der Bluetooth Shoe.

3 thoughts on “Die Motivation des Gründers

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  3. Sehr guter Beitrag, besonders der letzte Absatz. Ich glaube mit den Kopiermaschinen ist auch nicht so viel Geld zu machen, wie mit einer guten Idee hinter der man zu 100 % steht.

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