Warum drei von vier Start-ups scheitern

Laut Statistik des U.S. Bureau of Labor Statistics und einer Erhebung der Entrepreneurship Stiftung Ewing Marion Kauffman Foundation überleben 60% der Start-ups drei Jahre lang, etwa 35% aller Start-ups bleiben immerhin 10 Jahre lang am Markt. Von den zwischen 2006-2011 VC-finanzierten Start-ups wurden 11% verkauft oder an die Börse gebracht.

U.S. VC Investment

VC Investments in Silicon Valley (Quelle: bls.gov)

Survival of the fittest

Cumulative Survival (Quelle: bls.gov)

Man stelle sich vor: im Vorzimmer eines Venture Capital Unternehmens sitzen vier verschiedene Gründerteams. Der VC tritt ein und bittet drei der vier Teams zu gehen. Das verbleibende Team finanziert er.

Diese Szene ist aus Sicht des Gründers eine Horrorvorstellung – oder aber er sieht ausgerechnet sich als denjenigen, der die Kapitalspritze erhält. Aus VC Sicht wäre das allerdings ein Traum: nur noch einen Business Case anstelle von vieren studieren, Wochen an Arbeit nur noch in ein Team investieren, etc..

Leider funktioniert es in der Realität nicht so. Der typische VC sichtet sehr viele Business Cases, wählt daraus viele zur näheren Analyse aus und finanziert sehr wenige Start-ups, wie Olaf Jacobi hier eindrucksvoll schildert. Das Interessante: Die in den oben stehenden Charts beschriebenen Überlebensraten beziehen sich auf finanzierte Start-ups – d.h. auf diejenigen, die vom VC als förderungswürdig angesehen wurden.

Cumulative Survival II

Cumulative Survival II (quelle: bls.gov)

Der Start-up Trichter ist also noch viel breiter, als es die Charts vermuten lassen. Von tausenden Unternehmensgründungen werden eine Handvoll finanziert, von denen etwa eine den erhofften Erfolg erzielt: den Verkauf an ein grösseres Unternehmen oder den Gang an die Börse.

Was ist der Grund für dieses enorme Aussieben? Unserer Ansicht nach ein völlig banaler: die meisten Geschäftsideen sind im Vorhinein bereits nicht tragfähig. Von denjenigen, die als machbar angesehen werden, schätzen die meisten Markt und Wettbewerb falsch ein. Zusätzlich rufen gute Ideen immer mehrere konkurrierende Teams hervor – und nur ein oder wenige Anbieter werden aus diesem Konkurrenzkampf hervorgehen.

Letztlich wird Venture Capital seinem Namen gerecht: ein risikobereiter Kapitalgeber investiert Geld in eine Idee und kalkuliert den Totalverlust mit ein. Es ist ein Abenteuer – nicht nur für den Gründer! Wie abenteuerlich das VC-Geschäft ist, lässt sich eindrucksvoll an dieser Untersuchung der Kauffman Foundation ablesen: 3% aller Venture Capital Unternehmen in den USA generieren 95% der Returns.

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Wer das Scheitern von Start-ups etwas wissenschaftlicher betrachten möchte, lese diesen Beitrag von Noam Wasserman, Professor an der Harvard Business School. Ein hochinteressantes Ergebnis seiner quantitativen Analyse über 10.000 Unternehmensgründer in 3.500 Start-ups ist der “Rich-vs-King” Trade-off: In vielen Fällen ist der Gründer selbst nicht der am besten geeignete CEO (Yahoo, Twitter, etc.). Einige mit dieser Erkenntnis konfrontierte Gründer sehen das anders und versuchen, die Führungsposition im Unternehmen zu behalten. Andere freuen sich sogar, das Unternehmen nicht gegenüber der Aussenwelt repräsentieren zu müssen, sondern sich beispielsweise auf die Produktentwicklung konzentrieren zu können. Letztere werden – statistisch betrachtet – reich, während diejenigen, die an der Macht festhalten, König bleiben. Jeder, wie er mag.

One thought on “Warum drei von vier Start-ups scheitern

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