Liquidation Preference – Risiko(loses)Kapital?
Gepostet am | July 17, 2007 | Keine Kommentare
KMR: Letztes Wochenende hatte ich zufälligerweise das Gesprächsthema Liquidation Preference, also der Vereinbarung, dass der VC beim Exit zuerst Geld bekommt, und danach erst die Gründer. Mir erzählte ein Bekannter von Gründern, die bei ihrem Exit so wenig Geld bekamen, dass sie sich gerade einmal neue Zahnbürsten kaufen konnten. Wo liegt eigentlich die Berechtigung für diese bevorzugte Auszahlung seitens des VC?
SK: Ich bin sicher das waren vergoldete Zahnbürsten – ein Unternehmen ist im Normalfall nicht verkaufbar, wenn die Gründer/Management nicht mitmachen. Um diese bei einem niedrigen Verkaufspreis zu motivieren, gibt es oft (nicht vertraglich festgelegte) sogenannte „Earn-out“ Vereinbarungen, die den Gründern trotz Liquidation Preference Geld einbringen. Zur Berechtigung: Die VCs wissen weniger über die Firma und wollen die Möglichkeit haben im Betrugsfall das Geld zurückzukriegen, z.B. könnte ja sonst bei der Liquidation der Firma zwei Tage nach dem 10M Investment der Gründer das Geld einfach mitnehmen.
KMR: Das verstehe ich nicht: geht es tatsächlich nur um Betrugs-Eventualitäten, oder wollen sich die VCs gegenüber ihren eigenen Investoren schützen, indem sie Verträge aufsetzen, die sie in jedem Falle (ausser Unverkäuflichkeit oder Insolvenz des Beteiligungsunternehmens) vor Risiko schützen? Ist die Liquidation Preference nicht einfach nur ein probates Mittel, eine Bank zu sein, sich aber Risikokapitalist zu nennen?
SK: Natürlich geht es auch darum, das Risiko zu minimieren. In keinem Fall ist es aber risikoloses Kapital, weil ja auch viele Firmen – man rechnet mit 20-30% - pleite gehen. Und von einer Bank kriegst Du als junge Firma ohne Sicherheit nie und nimmer Kapital. Überhaupt verstehe ich nicht, was dabei das Problem sein soll. Ist das für Dich nicht nachvollziehbar?
KMR: Doch. Es ist nur oft so, dass gerade durch die Details im Termsheet - wie beispielsweise der Liquidation Preference – der Unternehmer deutlich schlechter gestellt wird. Und da diese Details nicht im Vordergrund der Verhandlung stehen, werden gerade im Gespräch mit dem VC ungeübte Unternehmer oftmals davon „überrascht“, weil sie deren Auswirkungen erst im Nachhinein (beim Exit) zu spüren bekommen.
SK: Was heißt denn schlecht gestellt? Der Unternehmer wird so gestellt, wie vertraglich vereinbart und sollte sich darum kümmern, dass er alle die Details versteht. Das ist nicht so schwierig. Ich verstehe schon, dass man als Unternehmer sehr viele Dinge zu tun hat - aber man sollte sich schon noch die paar Stunden Zeit nehmen und die Verträge zu studieren. Sinnvoll sind auch gute Anwälte (leider teuer). Übrigens, gute VCs wollen die Unternehmer auch nicht über den Tisch ziehen und erklären die Vertragsbestandteile ehrlich. Wir erklären das oft und gerne.
KMR: Vielleicht ist das ein Beispiel für die unterschiedlichen Perspektiven von Gründer und VC: der VC erwartet, dass die im Vertrag festgelegten Auswirkungen vom Gründer ebenso gut verstanden werden wie von ihm selbst. Der Gründer hat jedoch in vielen Fällen noch nie ein Investment erhalten – der VC dagegen beschäftigt sich täglich mit diesen Sachverhalten. Aber ich gebe Dir Recht – ich selbst habe anfangs so lange nachgefragt, bis ich die entsprechenden Auskünfte bekommen und auch alles verstanden habe. Und trotz hoher Kosten empfehle ich Unternehmern- zumindest beim ersten Investment - tatsächlich einen guten Anwalt zu Rate zu ziehen: dieser sollte typischerweise im VC Business tätig sein. Wenn man selber solche Anwälte nicht kennt, fragt man den VC – der hilft weiter.
Ein Tag im Leben eines Entrepreneurs
Gepostet am | July 2, 2007 | Keine Kommentare
SK: Du hast letzte Woche gemeint, 5 Firmen zu betreuen sei keine Arbeit, Du bist jetzt nur bei einer, was machst du den ganzen Tag?
KMR: Das schreibt mir ja schon der VC ins Gebetbuch, dass ich mich fokussieren soll
Im Ernst: Einen typischen Tagesablauf gibt es für mich nicht. Grundsätzlich unterscheide ich zwischen drei Tätigkeiten, den dringenden, den wichtigen und den administrativen.
SK: Dann erzähl mal von den wichtigen.
KMR: Ich muss als Geschäftsführer meines Unternehmens – auch unabhängig vom VC - auch unabhängig vom VC - letztlich dafür sorgen, dass das Business läuft. In meinem Fall bedeutet das konkret, dass wir nicht schlechter als unser Business Plan performen. Also: mit einem gegebenen Budget muss ich einen geplanten Umsatz (über-)erzielen. Da fängt die Arbeit damit an, immer innerhalb der „richtigen“ Strategie zu arbeiten. Die gilt es festzulegen und sie immer wieder zu hinterfragen bzw. anzupassen.
SK: Denkst du wirklich so oft über Strategie nach? Viele Entrepreneurs scheinen in ihrer täglichen Arbeit unterzugehen. Konsequenz ist dann, dass der Schritt zurück und das Betrachten aus „Vogelperspektive“ nicht mehr möglich ist.
KMR: Das ist in der Tat ein sehr guter Punkt. Ich hatte gerade heute Vormittag eine Strategiesession mit meinem Investor, der sich auch als Sparringspartner sieht. In der Tagesarbeit ist sehr schwierig, sich nicht von den „dringenden“ oder „administrativen“ Aufgaben überrollen zu lassen. Überschlägig verbringe ich bestimmt 10-15% meiner Zeit mit Admin-Kram – das liegt allerdings auch daran, dass ich bei uns alle diese Sachen mitübernehme.
SK: 10-15% nur, finde ich gar nicht so schlimm. Hast du Tipps, wie man es schafft, sich auf die wichtigen Sachen zu konzentrieren? Und was sind denn dringenden aber unwichtigen Tätigkeiten, siehst du da Möglichkeiten die Arbeit zu reduzieren?
KMR: Ich orientiere mich an meinen Kindern bei der Trennung von Wichtigem und Unwichtigem. Manchmal müssen meine Kinder höchste Priorität geniessen und dann arbeite ich auch nicht. Manchmal allerdings auch wollen sie zwar, dass ich mich um sie kümmere, aber in diesem Moment geht es eben nicht. Dann müssen die “dringenden” Sachen warten, da die “wichtigen” Vorrang haben
Um mir diese Freiheit bei der Kinder(erziehung) leisten zu können, bin ich gezwungen, effizient zu arbeiten. „Dringende“ Arbeiten betrachte ich zwiespältig – die Dringlichkeit kommt meistens von aussen an einen heran. Wenn es aber gerade nicht reinpasst, stelle ich meine eigenen Prioritäten gegen die Dringlichkeit anderer – nur so kann ich meinen Stiefel durchziehen, oder, mit anderen Worten: meiner Strategie folgen.
SK: Lernt man das oder ist man ein geborener Entrepreneur?
KMR: Schwierig zu beantwortende Frage: Unternehmer werden ja nur wenige Leute, aber die Fähigkeit des effizienten Arbeitens lernt man sicher am besten, wenn man konstant unter (Zeit-)Druck arbeitet. Ich habe an mir festgestellt, dass ich sogar unter Druck kreativer bin – obwohl landläufig ein gegenteiliger Zusammenhang vermutet wird.
SK: Viele Sachen gleichzeitig machen ist wohl als Entrepreneur genauso wichtig, wie als VC.
KMR: Wir können ja mal eine Woche tauschen?!
Ein Tag im Leben eines VC
Gepostet am | June 27, 2007 | Keine Kommentare
KMR: Ein VC hat vielleicht 5 Investments, die er betreut. Was macht er eigentlich neben der Betreuung den ganzen Tag über?
SK: Die Betreuung von 5 Investments ist eigentlich schon ziemlich Arbeit, wenn du es richtig machen willst. Wenn du nur ½ Tag pro Woche pro Investment rechnest, bleiben nur mehr 2,5 Tage für neue Deals, irgendwelche Konferenzen und interne Themen und Sitzungen.
KMR: Aber so viele neue Deals werden doch gar nicht abgeschlossen…
SK: Bedeutet trotzdem Arbeit. Ich versuche auch, viel mit Gründern zu reden, weil es hoffentlich ab und zu hilft und für mich sehr interessant ist (hier muss ich nochmals für den OpenCoffeeClub werben). Außerdem: Letztes Jahr habe ich mich wahrscheinlich über 10 Wochen sehr intensiv mit Due Diligence zu einem einzigen Deal beschäftigt, ist aber leider nichts geworden.
KMR: Warum nicht?
SK: In dem konkreten Fall ist das Konsortium nicht zustande gekommen.
KMR: Konsortium? Also mehrere VCs, die sich zusammenschliessen, weil sie allein zu risikoavers sind?
SK: Weil sie alleine zuwenig Geld haben, weil die Gründer soviel ausgeben… Es gibt halt Fälle wo der Kapitalbedarf weit über 10M EUR liegt und mehrere Investoren Sinn machen. Davon abgesehen, ist es oft für die Firma auch gut, von zwei Netzwerken zu profitieren (aber komm jetzt bitte nicht wieder mit der Mehrwert Diskussion)!
KMR: Du erwähntest auch „irgendwelche Konferenzen“ – es gibt ja eine Art Konferenztourismus – bringt es eigentlich wirklich etwas, auf all diesen Events anwesend zu sein oder ist es eher eine Art Nabelschau?
SK: Es ist eine Art Nabelschau, die aber auch was bringt. Networking.
KMR: Geschenkt ;-). Und dann bleiben noch die von Dir genannten internen Themen – was kann ich darunter verstehen?
SK: Z.B. gibt es bei fast allen VCs das Montags-Dealmeeting in dem alle Beteiligten über aktuelle Investitionsmöglichkeiten und Themen bei Portfolio-Firmen diskutieren. Und dann gibt es halt auch administrative Tätigkeiten, das wird ja bei Entrepreneurs nicht anders sein?
KMR: Leider nein – dazu dann mehr beim nächsten Mal!
VC Investitionsprozesse dauern lang
Gepostet am | June 13, 2007 | Keine Kommentare
KMR: Warum sind eigentlich VCs so langsam? Will heissen: warum dauern die meisten Investitionsprozesse mehrere Monate, obwohl fast immer gesagt wird, dass man in ein paar Wochen mit der Finanzierung „durch“ sei?
SK: Zwei Punkte: zum einen ist es tatsächlich ein unglaublich schlechtes Verhalten, die Gründer anzulügen und vorzugeben, der Prozess sei vom ersten Meeting bis zum Abschluss innerhalb von 2-3 Wochen durchlaufbar. Zum zweiten gibt es aus meiner Sicht folgende Gründe, dass die typische Dauer grösser als zwei Monate ist:
- Es ist viel Aufwand, ein potentielles Investment eingehend zu prüfen
- Es gibt zu wenig Wettbewerb unter den VCs und damit kaum Investitionsdruck
- Bei einigen institutionellen VCs gibt es bürokratische Hürden, wie beispielsweise Investment-Gremien (Ein Tip an Gründer: VCs ohne Investment Gremien haben deutliche Vorteile)
KMR: Mein Eindruck ist, dass die VCs nicht unbedingt absichtlich lügen, sondern dass sie den eigenen hohen Erwartungsanspruch in der Realität bisweilen nicht matchen können….
SK: …Lügen ist natürlich sehr drastisch formuliert. Aber 2-3 Wochen sind bei institutionellen VCs einfach nicht realistisch. Übrigens: ich glaube auch immer, dass alles schneller geht – das ist wohl menschlich.
KMR: Das Problem in der Kommunikation zwischen Gründer und VC besteht auch nicht unbedingt in längeren Investitionszeiträumen, sondern eher in unrealistischen Erwartungen, die geweckt werden. Wenn ich als Gründer gesagt bekomme: „Du kannst in ein paar Wochen mit dem Geld starten!“ und der Prozess zieht sich aber über 3-4 Monate, dann weiss ich nicht, wo ich den Aussagen des VC Glauben schenken kann.
SK: Mit welchen VCs sprichst Du denn? Ein gewisser Unterschied zwischen den Aussagen und dem tatsächlichen Zeitraum ist verständlich – vielleicht versucht sich auch jeder VC als Schnellster zu positionieren.
KMR: Ja – was der Gründer, der sich zum ersten Mal in einem VC-Gespräch befindet, lernen muss, ist eben genau das: jeder verkauft sich möglichst gut, und die Realität weicht wahrscheinlich von der Vorhersage ab.
SK: Richtig – und damit kommen wir zum zweiten Tipp des Tages: Informieren, mit anderen Gründern sprechen, und die VCs mit kritischen Fragen challengen.
Urlaub
Gepostet am | May 29, 2007 | 1 Kommentar
Wir haben Urlaub. Daher können wir uns diese Woche nicht über Gründer und VCs unterhalten. Bis nächste Woche!
Businessplanwettbewerbe
Gepostet am | May 21, 2007 | 1 Kommentar
SK: Ein Investor hat mir mal erzählt, er hätte in eine Firma investiert, obwohl sie schon mehrere Businessplanwettbewerbe gewonnen hat…
KMR: …obwohl?
SK: Die Logik dahinter ist, dass Firmen, die sich mit einem interessanten Produkt in einem großen Markt bewegen, sich auf den Erfolg konzentrieren (sollten) und keine Zeit haben, an diesen Wettbewerben teilzunehmen. Ehrlich gesagt, ich bin nicht sicher ob diese Logik zwingend ist, was denkst Du? Hast Du schon mal an einem dieser Wettbewerbe teilgenommen?
KMR: Nein. Ich habe das bisher immer als eher defokussierend empfunden: Die Initiatoren und öfters auch Juroren dieser Wettbewerbe sind nicht zwingend die, von denen der Gründer das Geld bekommt. Zusätzlich will ich auch nicht in einem ‚Wettbewerb der Ideen’ gewinnen, sondern einen Investitionspartner von meiner Idee überzeugen.
SK: Bin fast deiner Meinung. Es geht halt bei Businessplanwettbewerben nicht nur um das direkte Einwerben von Kapital, sondern auch darum, Feedback und Publicity zu bekommen. Dafür können sie sehr wertvoll sein. Also, für wen sind diese Veranstaltungen sinnvoll?
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Sehr junge Unternehmen/Konzepte, die die ersten Schritte machen und für die das Feedback sehr wertvoll ist (normalerweise kein Investitionstarget für institutionelle Investoren)
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Unternehmen, die auf diesem Weg Publicity und Kontakte kriegen wollen
Bei den zweiten drängt sich die Frage auf: können sie die Publicity nicht auf anderem Weg kriegen?
KMR: In der von dir erstgenannten Zielgruppe stimme ich dir zu: Viele Gründer wissen einfach nicht, wie sie einen Businessplan aufbauen sollen, und erst Recht erhalten sie auf ihren Pläne kein professionelles Feedback. Insofern sind Businessplanwettbewerbe sehr sinnvoll.
SK: Ja, für die richtige Zielgruppe. Übrigens kenne ich zwei Wettbewerbe etwas besser, für interessierte: München (http://www.mbpw.de/) und Nordbayern (http://www.n-b-a.de/).
Wieviel darf der Gründer verdienen?
Gepostet am | May 16, 2007 | 3 Kommentare
SK: Wieviel verdienst Du?
KMR: Soviel, dass meine Frau und ich überlegen, ob wir es uns leisten können und wollen, dass sie aufhört zu arbeiten.
SK: Viele Gründer überlegen, ob ihre Frau genug verdient, dass sie ein Unternehmen gründen können. Ich glaube übrigens, es ist essentiell, dass Gründer ein finanzielles Risiko eingehen und nicht das gleiche wie in einem Konzern verdienen.
KMR: Unbedingt! Bei uns ist es so: Wir haben zwei kleine Kinder, um deren Erziehung wir uns beide kümmern. Das bedeutet hohe Betreuungskosten, wenn meine Frau arbeitet. Da ist es beinahe ein Nullsummenspiel, ob sie halbtags arbeitet oder sich primär um die Kinder kümmert. Ich habe allerdings an mir selbst gemerkt, dass ein anfänglich niedriges Einkommen in Verbindung mit einem hohen potentiellen Upside dazu führt, dass man sich ständig reinhängt und sehr hart für das Unternehmen arbeitet - weil man es will, aber auch muss.
SK: Grundsätzlich wollen ja Investoren die Ziele von Gründern und Managern mit ihren eigenen abgleichen. D.h. das aktuelle Einkommen sollte hoch genug sein, dass sie überlegen können, aber niedrig genug um einen Anreiz zu setzen, das Unternehmen erfolgreich zu machen und dann gemeinsam mit den Investoren zu verdienen. Außerdem ist Cash in der frühen Phase sowieso immer knapp. Ich persönlich bin oft überrascht, wie viel Cash sich Gründer vom Tisch nehmen anstatt es in die Firma zu stecken (und die Investoren machen das mit).
KMR: Zum einen ist Gründer nicht gleich Gründer. Als ich mich selbstständig gemacht habe, hatte ich die monatlichen Ausgaben eines Studenten. Heute habe ich eine Familie mit zwei Kindern.
SK: Sorry, dass ich Dich unterbreche. Mir ist schon klar, dass Du nicht mehr von Bafög oder vergleichbaren leben kannst. Vielleicht muss man das ganze relativ zu Deinen Opportunitätskosten sehen. Zwischen 30 und 50% von dem was du bei Daimler bekommen würdest (btw: würden die Dich nehmen?)?
KMR: Mir geht es dabei nicht nur um die persönlichen finanziellen Rahmenbedingungen des Gründers, sondern auch um seine Qualität. Ein Gründer mit über 10 Jahren Erfahrung sollte auch aus Sicht des VCs eine sicherere Bank sein, als ein 20-jähriger. Beim Abgleich der Interessen sollten also sinnvollerweise tatsächlich die individuellen Rahmenbedingungen von Gründer und VC betrachtet werden.
SK: Zusätzlich spielt natürlich noch die Marktsituation eine wesentliche Rolle - es folgt also für mich: eine allgemeine Beantwortung der Frage: „Wieviel darf der Gründer verdienen?“ ist nicht sinnvoll. Insgesamt muss der Unternehmer halt für sein erhöhtes Risiko entlohnt werden (wenn auch nur später und bei Erfolg).
Zuviel Geld für das Web 2.0?
Gepostet am | May 8, 2007 | 3 Kommentare
KMR: Seit einiger Zeit wird in den Medien am Beispiel der sogenannten ‘Blase Web 2.0′ von viel vorhandenem Risikokapital aber kaum vorhandenen Gründern berichtet. Wenn ich mich in der Szene umhöre, bekomme ich den gegenteiligen Eindruck: es gibt sehr viele Gründerteams mit durchaus innovativen Geschäftsideen. Wie kommen die Medien zu dieser Einschätzung?
SK: Ich habe zu diesem Thema gerade einen Artikel in der FAZ am Sonntag gelesen. Bin davon auch überrascht. Natürlich stimmen solche Aussagen wie “Gute Leute sind ein Engpass” immer, trotzdem ist es wohl ein Henne-Ei-Problem.
KMR: Manche Business Angels, wie beispielsweise Jens Kunath, scheinen sogar richtige Probleme zu haben, ihr Geld unterzubringen. Irgendwie scheint mir da der Wurm drin zu sein: entweder die Business Angels haben zu hohe Ansprüche oder die Gründer sind tatsächlich keine Unternehmer – wobei ich insbesondere letzteres bezweifle.
SK: Schwer zu sagen, ob die Business Angels zu hohe Ansprüche haben; glaube eher das ist ein Kommunikations- und Kontaktaufnahmeproblem. Es ist für Business Angels schwierig, bekannt zu werden und dann an die für sie interessanten Gründer zu kommen. Auf der anderen Seite scheinen viele Gründer zu wenig Aufwand zu treiben, um die richtigen Investoren kennenzulernen. In Deutschland gibt es halt bisher keine Barbecue Parties wie die von Michael Arrington. Übrigens, mein Kollege Johannes und ich versuchen gerade für Start-up Interessierte ein regelmaessiges informelles Zusammenkommen zu organisieren.
KMR: Guter Punkt: oft scheitert es bereits an der Erstkommunikation, weil die Gründer aus ihrer Perspektive allein auf die VCs und Business Angels zugehen und sich nicht fragen, welche Investitionskriterien auf deren Seite vorliegen. Ich kenne sogar einen Gründer, der in der Erstpräsentation bereits nach 5 Minuten gedacht hat, dass seine Geschäftsidee keinen der Anwesenden interessiert, obwohl er doch eingeladen wurde.
SK: Wahrscheinlich hat er das nicht nur gedacht! Warum verstehen so viele Unternehmer das Elevator Pitch Konzept nicht??
SK: Naja, wahrscheinlich kann sich der Durchschnitts-VC schon länger konzentrieren (30 Sekunden… ;). Nein, das hat ja gar nichts mit Konzentrationsfähigkeit oder ähnlichem zu tun, sondern mit dem sehr menschlichen Phänomen, dass man sich in den ersten Sekunden eine Meinung bildet und dann wieder schwer davon wegkommt.
KMR: In dem von Dir genannten Artikel heisst es u.a., dass ein guter Gründer auch aus einer mittelmässigen Idee einen Erfolg zimmern könne – gleichzeitig beschwert man sich über Mode, US-Konzepte zu klonen und spricht von „geklauten Ideen“. Wie passt das denn zusammen?
SK: Keine Ahnung. Ich bin aber sowieso davon überzeugt, dass die “Idee” überbewertet ist. Das Problem mit dem klonen von US-Konzepten ist aber oft, dass der deutsche Markt wesentlich kleiner ist und mit diesem Ansatz keine richtige grossen Firmen entstehen können. StudiVZ ist z.B. ein sehr guter Erfolg gewesen, aber aus VC-Sicht kein Homerun, um zur Frage nach dem Geld zurück zu kommen. Würdest Du geklonte Ideen finanzieren?
KMR: Auf keinen Fall würde ich eine Investitionsentscheidung von der Frage „Klon, oder kein Klon?“ abhängig machen – immerhin gehören einige der erfolgreichsten deutschen Start-ups wie alando und studiVZ Klone…. Aber ich bin nicht der Investor – wie stehst Du zum Klon?
SK: Klon oder nicht Klon ist wohl nicht entscheidend. Eine 1:1 Kopie eines amerikanischen Marktführers muss halt in Deutschland noch gross genug werden können.
VC vs Business Angel – wer ist als Investor geeignet?
Gepostet am | May 3, 2007 | Keine Kommentare
SK: Neben dem richtigen Gründer/CEO ist für eine Unternehmen auch der richtige Investor ausschlaggebend. Heute wird oft diskutiert, ob ein Business Angel oder ein institutioneller VC der richtige Partner ist. Die Standard-Antwort lautet: Business Angel für die sehr frühe Phase und dann kommt der VC mit mehr Geld. Was ist aus Deiner Sicht der richtige Ansatz?
KMR: Wenn ein Gründer einen VC fragt, wieviel er grundsätzlich bereit ist zu investieren, schwankt erfahrungsgemäss das Antwortintervall zwischen 1-2 Millionen Euro. Im zweiten Schritt ist es dann oft so, dass der VC einen Co-Investor mit ins Boot holen will, um sein Risiko zu minimieren. Das verringert sein Invest auf 0,5-1 Million. Im Falle von 500.000 Euro sind wir ja schon fast bei Business Angel. Die Investitionshöhe – und damit verbunden auch der Zeitpunkt - ist daher m.E. kein hinreichendes Entscheidungskriterium.
SK: Echt? Bin überrascht von Deinem Eindruck. Aus meiner Sicht investieren die - zugegebenermassen wenigen - seriösen institutionellen VCs eher erst ab 1 Million, und am liebsten in der Range von 2-3 Millionen. Das ergibt 5 Millionen pro Runde. Zusätzlich haben diese Investoren dann Reserven für weitere Runden gebildet. Also, d.h. für die erste Phase macht ein Business Angel mit ein paar hundert k Euro Sinn, oder?
KMR: Wenn der Business Angel tatsächlich ein paar hundert k Euro bereit ist zu investieren, halte ich das für sehr sinnvoll – aus zwei Gründen: Zum einen habe ich voraussichtlich einen schlankeren Investitionsprozess, zum anderen stellt der Angel –vorausgesetzt er wurde gut ausgewählt – einen strategischen Partner da, der mit persönlichen Kontakten und auch als Sparringspartner eine wertvolle Unterstützung sein kann. Als schwierig sehe ich die momentan in Mode gekommenen Kleinstrunden (d.h. Investitionen von 20-50 k pro Investor) an, da bei niedrigster Investition dieselben Prozesse durchlaufen werden müssen und der Gründer sogar noch mehr Ansprechpartner für dieselbe Investitionshöhe hat, die er befriedigen muss.
SK: Ja, sehr guter Punkt! Ich verstehe diese Mode aus Gründersicht auch nicht - 2 oder 3 Investoren sind wahrscheinlich besser als einer, 8 oder 9 aber sicher ein Nachteil. Interessant zu beobachten ist derzeit in Deutschland, dass Business Angels sich in beide Richtungen bewegen, a) investieren sie sehr früh kleine Summen und b) gibt es auch sehr potente, die durchaus Millionenbeträge stemmen können. Also Gründer würde ich versuchen, einen derartigen potenten Business Angel zu finden.
KMR: Das sehe ich genauso: im Idealfall habe ich 1-2 Investoren, die als Seed-Investoren mein Unternehmen für die ersten 12-24 Monate finanzieren. Mehr Köpfe bedeuten mehr Komplexität. Zusätzlich habe ich den Eindruck, dass immer mehr Leute sich Business Angel nennen und versuchen, signifikante Unternehmensanteile für kleines Geld abzustauben.
SK: Das ist auch ein interessantes Phänomen - ich sehe aber kein Problem darin. Die guten Gründer werden schon das richtige machen… Übrigens, ich glaube diese Verwirrungen in der Investorenstruktur in Deutschland liegen noch immer darin begründet, dass der Markt nicht reif ist und auch zuwenig Venture Capital da ist.
KMR: Du meinst also, der VC-Markt ist nicht mit genügend professionellen Teilnehmern gesegnet?
SK: Der Markt hat noch Potential.
The Next Big Thing
Gepostet am | April 25, 2007 | Keine Kommentare
KMR: Mitten im Web 2.0 Hype fragen sich gerade alle VCs, was das nächste grosse Ding ist. In den USA wenden sie sich alle den ökologisch korrekten Themen zu – in Deutschland scheint es einen Next Big Thing Attentismus zu geben. Worauf warten die VCs?
SK: Was heisst Attentismus? Sorry – VCs sind einfach gestrickt.
KMR: Möglicherweise eines der Kommunikationsprobleme in Gesprächen zwischen Gründer und VC
Attentismus
SK: Im Cleantech-Umfeld sind die europäischen VCs den Amis zuvorgekommen. Nichtsdestotrotz schauen wir alle natürlich viel zu sehr auf die Entwicklung in den USA. Nachdem ich keine Ahnung vom Next Big Thing habe – was war denn das Last Big Thing?
KMR: Google? Oder speziell in Deutschland: Communities wie studiVZ?
SK: No way. Ich glaube schon auch an Energiethemen. Große andere Themen sind Gesundheit und vor allem: Verkehr.
KMR: Verkehr?
SK: Das Verkehrsaufkommen hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht. Wenn jemand eine innovative Lösung für die letzte Meile findet… Aber: ich bin nicht der der Themen vorgibt. Was machen denn die Gründer?
KMR: Zur Zeit wird viel geklont – also weniger „groß gedacht“. Aus diversen Gesprächen mit Gründern weiss ich auch, dass aufgrund der oft geäusserten kurzfristigen Perspektive seitens der Investoren: das Business sollte nach spätestens 2 Jahren profitabel sein – eher überlegt wird, wie man in relativ kurzer Zeit tatsächlich „erfolgreich“ ist. Basisinnovationen – mit zumindest potentiell längeren Investitionszyklen - sind da weniger gefragt.
SK: Lange Investitionszyklen > 5-7 Jahre sind tatsächlich mit der derzeitigen Investorenstruktur nicht darstellbar. Deswegen leisten auch Forschungszentren einen enorm wichtigen Beitrag. Nochmals zurück zum Next Big Thing: Kannst Du Dir eine Business Idea Community vorstellen? Eine Art Open Source Business Plan?
KMR: An die Arbeit