idee.vc

Handreichungen für Unternehmensgründer

Erwartungen an den VC

Gepostet am | October 24, 2007 | 4 Kommentare

SK: Auf der Internetworld in München hörte ich wieder mal die Frage, welchen Hintergrund sich VCs von Unternehmern erwarten bzw. wie sieht der ideale Unternehmer aus? Die Antwort ist immer ewas anders, aber im Grunde kommen immer Dinge wie Start-up Erfahrung, Drive usw. Welchen Hintergrund erwartest Du von einem VC? Wie sieht der ideale VC aus?

KMR: Der ideale VC fasst Investititionen in Unternehmer als wirkliches Risikokapital auf. Damit meine ich insbesondere, dass man als Unternehmer nicht so tun muss, als ob man allen Ernstes den Verlauf seines Unternehmens inklusive aller Erlöskanäle für die nächsten 5 Jahre seriös planen könne. Ich sehe hier einen Wunsch des VC, sich eine Sicherheit zu verschaffen, von der er zum einen weiss, dass es sie nicht gibt, sie jedoch zum anderen vom Unternehmer verlangt, um im Zeitverlauf (negative) Abweichungen zu diskutieren (die wahrscheinlich in 100% aller Unternehmungen auftreten werden).

SK: Dagegen kann man schwer argumentieren. Klar: der VC hat eine Verantwortung gegenüber seinen Investoren und muss sich dafür teilweise absichern. Die Ausprägung hängt aber sehr stark von der Person ab. Meine Frage war aber eigentlich mehr, erwartest du einen unternehmerischen Hintergrund?

KMR: Idealerweise ja. Ich als Vater zweier Kinder muss manchmal schmunzeln, wenn sich Erwachsene zur Kindererziehung äussern, die selber keine Kinder haben. So ähnlich sehe ich das auch im VC-Bereich. Wenn ich einem Ex-Unternehmer als VC gegenübersitze, weiss ich, dass er Erfahrungen gemacht hat, die Outsider nur schlecht nachempfinden können. Das verbindet. Wenn jemand bisher lediglich Firmen analysiert bzw. bewertet hat, weiss ich nicht, ob er der ideale Venture-Partner für mich ist.

SK: Interessant. Für mich ist das keine hinreichende Bedingung. Eine Kindergärtnerin kann sich wahrscheinlich sehr kompetent zur Kindererziehung äußern, einfach weil Sie sehr viele Kinder betreut hat. Ein VC mit 10 Jahren Erfahrung hat sehr viele Unternehmen in vielen Phasen gesehen und muss nicht unbedingt selber mal auf der anderen Seite gesessen haben. Außerdem: Welche Qualitäten eines Unternehmers sind denn die, die ein VC konkret auch haben muss?

KMR: Einen VC sollte neben den üblichen für mich positiven menschlichen Eigenschaften (immerhin will ich ja mit ihm gut auskommen) Risikofreude, ein gutes Netzwerk und eine hohe Motivation auszeichnen. Und – zur Kindergärtnerin: in “unserem” Kindergarten kann man sehr wohl zwischen den sehr guten (mit Kindern) und weniger guten Kindergärtnerinnen (ohne Kinder) unterscheiden.

SK: Deinen Kindergarten kann ich jetzt nicht beurteilen. Bei den VCs allerdings bin ich ganz sicher, dass es sehr gute und sehr erfolgreiche gibt, die wenig/keine unternehmerische Erfahrung haben – siehe z.B. Michael Moritz von Seqouia. Ich gebe Dir insofern recht, dass eine Mischung bei einem Fonds ideal ist. Sowohl Partner die ein eigenes Unternehmen gegründet und hochgezogen haben als auch welche die das VC Business von der Pieke auf gelernt haben.

KMR: Na, dann sind wir uns ja einig. Aber – anders herum gefragt: gibt es Untersuchungen darüber, ob VCs mit unternehmerischem Hintergrund erfolgreicher sind als ihre Pendants ohne?

SK: Ich kenne keine, würde mich aber sehr interessieren.

Internationalisierung

Gepostet am | October 10, 2007 | 6 Kommentare

SK: Deutsche Startups sehen sich mit der Frage konfrontiert: Wohin internationalisieren? Ist sehr schwer zu beantworten, aber tendenziell sollte man doch den grösstmöglichen Markt angehen – das ist meist USA.

KMR: Eine sehr gute Frage. Bei Web 2.0 Anwendungen bzw. Communities gibt es oft eine Ausrichtung auf deutschsprachige Zielgruppen. Dann muss man sich die Frage stellen, ob eine solche Community auch in anderen Zielgruppen - sprich: Kulturen – funktionieren würde. Es gibt allerdings Beispiele – siehe XING – bei denen eine Geographie der Zielgruppe irrelevant zu sein scheint. Dann bietet sich die USA als grösster homogener Markt an – oder man geht nach Osteuropa bzw. Länder mit einem Nachholbedarf in Sachen Community.

SK: VCs denken natürlich immer über das Potential nach bzw. das Kosten/Nutzen-Verhältnis. Und nachdem die Internationalisierung nach Polen wohl ähnlich oder sogar mehr Aufwand (wegen Sprache) ist, als die nach USA – warum Osteuropa? Ich weiss, das ist heutzutage hip und in der USA ist die Konkurrenz oft sehr gross, aber reicht das als Begründung?

KMR: Das hängt vom Inhalt Deiner Anwendung ab: Wenn ich eine Studentencommunity betreibe, muss ich die nationalen Eigenarten der Studenten im jeweiligen Land berücksichtigen. Bei “Networking” (Xing) dürfte der Unterschied geringer ausfallen, da wahrscheinlich alle Gesellschaften weltweit in irgendeiner Art Netzwerke bilden.

SK: Ja, das ist schon klar. Wollte nur betonen, dass die Grösse des Marktes für VCs oft relevanter ist als für die Unternehmer – vielleicht weil VCs “grössenwahnsinniger” sind als die Unternehmer?

KMR: Noch grössenwahnsinniger? ;-) Die Grösse eines Marktes ist auch für den Unternehmer ein wichtiges Datum – eines unter vielen. Insbesondere bezüglich Communities ist die prognostizierte Aktivität der User ein mindestens ebenso wichtiges Kriterium. Betreibt man dagegen eine eCommerce Site ist das Marktvolumen sicher ausschlaggebend.

SK: Was sind denn bei der Internationalisierung die drei wichtigsten Faktoren für Dich? Ich würde sagen: Marktgröße ist ganz klar Nummer 1. Dann wird’s schwer, kulturelle Entfernung vielleicht. Gibt wohl einen besseren Begriff, ich meine der Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich ist kulturell sicher grösser als zwischen Deutschland und Österreich. Nummer drei? Wettbewerb vielleicht.

KMR: Meine drei Favoriten sind: (Vorhandensein und Beschaffenheit der) Zielgruppe, Marktvolumen und existenter Wettbewerb.

SK: Dann sind wir uns ja fast einig. Nicht ganz in der Reihenfolge – würde mich interessieren ob es da irgendwelche Untersuchungen gibt. Vielleicht sollten wir das ganze ja mal mit idee.vc ausprobieren – Expansion nach China?

KMR: Zumindest meine Chinesisch-Kenntnisse sind begrenzt.

VCs als Unternehmer, Unternehmer als VCs

Gepostet am | August 29, 2007 | 1 Kommentar

SK: Einige VCs waren früher selbst Unternehmer und sind deshalb prädestiniert dafür, jungen Unternehmern gut Ratschläge zu geben – so die Theorie. Auf der anderen Seite gibt es VCs, die immer wieder damit spekulieren selbst (wieder) Unternehmer zu werden.

KMR: Ehemalige Unternehmer als VCs kann ich mir sehr gut vorstellen: die haben Unternehmen aufgebaut und kennen sich aus. Bei VCs, die Unternehmer werden (wollen), sieht die Sache schon anders aus. Immerhin kennen sie sich mit Business Plänen, elevator pitch, etc. aus. Aber ob sie Pizza mit der Hand aus der Pappschachtel essen können, wäre zu beweisen.

SK:
Glaubst Du, die Pizza ist der Hauptunterschied? Du sprichst einen wichtigen Punkt an, als VC läuft man Gefahr, das „süsse Leben“ zu genießen aber das operative Leben nur aus der strategischen Vogelperspektive zu kennen. Ist mir schon oft aufgefallen.

KMR: An anderen oder an Dir selbst? Worin siehst Du denn die Unterschiede zwischen VC und Entrepreneur?

SK: Auch an mir selbst, aber mir ist das wenigstens bewußt. Die Unterschiede zwischen Unternehmer und VC gibt es per se nicht, es ist immer stark personenabhängig und als VC verliert man halt mal den Boden unter den Füßen.

KMR: Liegt das an schicken Büros und häufigen Geschäftsreisen oder eher daran, sich letztlich nie operativ um die (Investitions-)Themen kümmern zu müssen? Denn: ich würde gern irgendwann einmal als VC arbeiten, da ich es mir spannend vorstelle, jeden Tag mit neuen Ideen konfrontiert zu werden um die besten auszuwählen…..

SK: Aus meiner Sicht ist der Job sehr spannend, das beste daran ist, dass man mit sehr vielen richtig interessanten Menschen/Unternehmern zu tun hat. Die Idee an sich wird ja immer total überschätzt. Ich glaube die Schwierigkeit ist, dass man mindestens kurzfristig eine sehr starke Position gegenüber Unternehmern hat und einem viele Türen offen stehen, weil die Leute wohl denken: Der Typ hat Geld.

KMR:
Klar. Ideen allein sind es nicht – das haben wir ja bereits diskutiert – das Team  ist sicher wichtiger! Interessant finde ich, dass wir uns für die jeweils andere Seite interessieren (the grass is greener on the other side of the fence). Sprechen wir uns in ein paar Jahren wieder ;-).

Wo ist die Value Proposition?

Gepostet am | August 17, 2007 | 6 Kommentare

SK: Kannst Du mir in zwei Sätzen erklären, warum YiGG eine tolle Firma ist?

KMR: YiGG ist die reichweitenstärkste Nachrichten-Community mit sehr aktiven Nutzern, die jeden Tag etwa 400 neue Nachrichten einstellen, bewerten und diskutieren. Mehr?

SK: Scheint ja ganz schön schwierig zu sein, so lange wie du dafür brauchst ;) Im Ernst ich weiß, dass so eine Aufgabe nicht einfach ist, meine Frage kommt daher, dass ich heute wieder einmal 5-6 Businesspläne bekommen habe und bei den meisten nach 15-20 min noch immer nicht die Value Proposistion verstanden habe. Warum soll ein Kunde/User das Ding verwenden? Für mich DIE wichtigste Frage bei jedem Business.

KMR: Komisch. Eigentlich ist doch gerade die Value Proposition das, was man einserseits als Unternehmer am besten einschätzen kann (der Grund, ein Unternehmen zu gründen) und andererseits die wichtigste Info für Dritte. Bist Du jetzt einfach nur zu anspruchsvoll, oder sind die Pläne wirklich nicht verständlich?

SK: Wahrscheinlich bin ich schon anspruchsvoll, die Pläne sind aber auch sehr oft nicht verständlich. Wenn die erste Seite über eine irgendeine Anwendung geschrieben wird, die so toll ist weil sie dem SVG Standard entspricht…
Hab schon mal darüber nachgedacht, den Unternehmern anzubieten mir ein Mail in 3-5 Sätzen zu schreiben in dem Sie das Business erklären. Im Gegenzug vespreche ich eine Antwort innerhalb von 48 Stunden. Was hältst du davon?

KMR: Das halte ich für eine sehr gute Idee! Warum? Weil ich so viel schneller ein erstes Feedback bekomme. So könnte ich „testen“, ob ich mit meiner Argumentation beim VC ankomme. Wer bereits einige Gespräche mit VCs hinter sich gebracht hat, weiss, dass man zunehmend „besser“ wird – weil man sich besser auf die Gesprächspartner einstellt.

SK: Das würden wir dann „Fast Feedback“ nennen.

KMR: Also ich wäre der erste, der es probiert ;-) Denn im Ernst: das Feedback der VCs erfolgt des öfteren spät und ist dann nicht besonders aussagekräftigt – das bedeutet natürlich auch, dass Dein Feedback nicht nur schnell, sondern auch inhaltlich wertvoll sein sollte.

SK:
Ja, hoffentlich ist es das.

Vorbereitung auf den Exit

Gepostet am | August 8, 2007 | Keine Kommentare

KMR: Ziel eines jeden Investors ist der Exit. Inwiefern sollte der Gründer bzw. das Management Team aktiv an der Vorbereitung des Exits mitarbeiten?

SK:
Als Investor ist man natürlich von Anfang an mit dem Exit beschäftigt. Z.B. machen wir vor jeder Investition eine Exit-Analyse und entwickeln eine Hypothese, zu welchem Preis das Unternehmen verkauft werden kann – uns interessiert dann, wieviel wir potentiell verdienen (mit Excel kann man sich ganz leicht reich rechnen) und machen davon auch die Investitionsentscheidung abhängig. Aus meiner Sicht – und da sind Investoren sicher unterschiedlich gestrickt – sollten sich Gründer und Management Team vor allem auf operative Themen konzentrieren, die Firma voranbringen und erst in einer späteren Phase mit dem Thema Exit beschäftigen.

KMR:
Kann man „die Firma voranbringen“ und den Exit scharf voneinander trennen? Müssten nicht strategische Ziele des Unternehmens mit den Werten die den Exit bestimmen übereinstimmen?

SK: Du hast ja beide Fragen so gestellt, dass man nicht klar mit ja bzw. nein antworten kann. Natürlich müssen strategische Ziele des Unternehmens auf den Exit ausgerichtet sein und Firma voranbringen heißt immer auch Positives für den Exit zu tun - aber: Für mich ist Zweck jeder Firma (ich lasse jetzt mal soziale Themen außen vor) einen Gewinn zu erwirtschaften. Diesen Gewinn und damit den Firmenwert - der ja normalerweise nicht von „Eyeballs“ und Community-Members abhängt - zu maximieren sollte das Ziel des Managements sein.

KMR:
Die „living dead“ können ja auch einen Gewinn erwirtschaften. Für mich ist mit dem Eintritt eines VCs in mein Unternehmen klar, dass ich die Assets maximieren bzw. optimieren muss. Das bedeutet, dass eine Übereinstimmung zwischen Exit- und Unternehmenszielen herrschen muss und ich als Unternehmer vom Tag 1 auf den Exit hinarbeite.

SK: Richtig. Ich versuch’s noch mal anders: Was ich nicht will ist (und da sind wie gesagt Investoren unterschiedlich), dass sich das Management nur auf den Exit konzentriert, vielleicht noch jeden Abend daheim mit dem Spreadsheet herumrechnet (das mach ich schon genug ;)), anstatt eine finanziell erfolgreiche Firma aufzubauen. Die Rahmenbedingungen für einen Exit ändern sich nämlich sehr schnell, aber eine erfolgreiche Firma ist in jedem Fall irgendwann verkaufbar.

Termsheet: Ist ein Verwässerungsschutz sinnvoll?

Gepostet am | August 1, 2007 | Keine Kommentare

SK: Was ich an VC Verträgen oft für schwer argumentierbar finde, ist der sogenannte Verwässerungsschutz (Anti-Dilution) für den Investor, d.h. wenn in einer zukünftigen Runde die Bewertung runter geht, wird der VC dafür kompensiert und bekommt zusätzliche Anteile. Was hältst Du als Unternehmer davon?

KMR: Das ist eine typisch einseitige Vertragsgestaltung: Eine Regelung allein zugunsten des VC, die meiner Meinung nach (nur) aus einer Position der Stärke heraus getroffen werden kann. Anders formuliert: Ist der Unternehmer stark genug, diese Regelung nicht zu treffen, sollte er es nicht tun.

SK: Ehrlich gesagt, ich kenne keinen Fall, wo darauf verzichtet wird. Die Begründung ist, dass der Unternehmer/Gründer immer mehr Wissen über den tatsächlichen Stand der Firma als ein Investor hat und erst später klar wird, ob die verhandelte Bewertung tatsächlich gerecht war.

KMR: Die Zukunft kennt niemand, weder Gründer noch Investor. Wenn man sich in der Bewertung getäuscht hat, so trifft es alle.

SK: Alle? Wohl nur den Investor der für sein Geld weniger Anteile als bei der „richtigen“ Bewertung bekommen hat.

KMR: Da haben wir es wieder: Die typische ausschließliche VC Sicht auf das Thema. Der Gründer hat durch seine Gründereigenschaft relativ zu seinen Anteilen genauso viel (Geldwertes) wie der Investor investiert.

SK: Sehe ich ganz anders. Die Arbeit des Gründers wird a) durch ein Gehalt und b) durch den Wert des von ihm (mit)geschaffenen Unternehmens bestimmt. Wenn das Unternehmen wenig Wert ist, ist auch die Arbeit des Gründers wenig wert (in $).

KMR: Typischerweise wird das Gehalt eines Gründers in Relation zu seinen Anteilen festgelegt, d.h. je mehr Anteile er hat, desto weniger Gehalt.

SK: Das ist so nicht richtig.

KMR: Ok, es korreliert nicht unmittelbar, aber ein Gründergehalt entspricht nicht dem Gehalt, das der Gründer in einer abhängigen Beschäftigung verdienen würde. Zudem verliert bei einer zweiten und geringeren Bewertung der Gründer ebenso oder mehr (abhängig von seinen Anteilen) an Wert wie der Investor. Fazit: Investor und Gründer sitzen im selben Boot und sollten nicht unterschiedlich behandelt werden.

SK: Ja, sie sitzen im selben Boot, der Gründer ist aber der Kapitän und der Investor sollte als Passagier als erster den Rettungsring kriegen. Wie am Anfang erwähnt, ich bin persönlich nicht hundertprozentig davon überzeugt, dass voller Verwässerungsschutz (es gibt verschiedene Graduierungen) der richtige Weg ist, es wird aber von allen VCs als Bedingung gesehen und ist deswegen sehr schwer für den Gründer weg zu verhandeln.

Liquidation Preference – Risiko(loses)Kapital?

Gepostet am | July 17, 2007 | Keine Kommentare

KMR: Letztes Wochenende hatte ich zufälligerweise das Gesprächsthema Liquidation Preference, also der Vereinbarung, dass der VC beim Exit zuerst Geld bekommt, und danach erst die Gründer. Mir erzählte ein Bekannter von Gründern, die bei ihrem Exit so wenig Geld bekamen, dass sie sich gerade einmal neue Zahnbürsten kaufen konnten. Wo liegt eigentlich die Berechtigung für diese bevorzugte Auszahlung seitens des VC?

SK: Ich bin sicher das waren vergoldete Zahnbürsten – ein Unternehmen ist im Normalfall nicht verkaufbar, wenn die Gründer/Management nicht mitmachen. Um diese bei einem niedrigen Verkaufspreis zu motivieren, gibt es oft (nicht vertraglich festgelegte) sogenannte „Earn-out“ Vereinbarungen, die den Gründern trotz Liquidation Preference Geld einbringen. Zur Berechtigung: Die VCs wissen weniger über die Firma und wollen die Möglichkeit haben im Betrugsfall das Geld zurückzukriegen, z.B. könnte ja sonst bei der Liquidation der Firma zwei Tage nach dem 10M Investment der Gründer das Geld einfach mitnehmen.

KMR: Das verstehe ich nicht: geht es tatsächlich nur um Betrugs-Eventualitäten, oder wollen sich die VCs gegenüber ihren eigenen Investoren schützen, indem sie Verträge aufsetzen, die sie in jedem Falle (ausser Unverkäuflichkeit oder Insolvenz des Beteiligungsunternehmens) vor Risiko schützen? Ist die Liquidation Preference nicht einfach nur ein probates Mittel, eine Bank zu sein, sich aber Risikokapitalist zu nennen?

SK: Natürlich geht es auch darum, das Risiko zu minimieren. In keinem Fall ist es aber risikoloses Kapital, weil ja auch viele Firmen – man rechnet mit 20-30% - pleite gehen. Und von einer Bank kriegst Du als junge Firma ohne Sicherheit nie und nimmer Kapital. Überhaupt verstehe ich nicht, was dabei das Problem sein soll. Ist das für Dich nicht nachvollziehbar?

KMR: Doch. Es ist nur oft so, dass gerade durch die Details im Termsheet - wie beispielsweise der Liquidation Preference – der Unternehmer deutlich schlechter gestellt wird. Und da diese Details nicht im Vordergrund der Verhandlung stehen, werden gerade im Gespräch mit dem VC ungeübte Unternehmer oftmals davon „überrascht“, weil sie deren Auswirkungen erst im Nachhinein (beim Exit) zu spüren bekommen.

SK: Was heißt denn schlecht gestellt? Der Unternehmer wird so gestellt, wie vertraglich vereinbart und sollte sich darum kümmern, dass er alle die Details versteht. Das ist nicht so schwierig. Ich verstehe schon, dass man als Unternehmer sehr viele Dinge zu tun hat - aber man sollte sich schon noch die paar Stunden Zeit nehmen und die Verträge zu studieren. Sinnvoll sind auch gute Anwälte (leider teuer). Übrigens, gute VCs wollen die Unternehmer auch nicht über den Tisch ziehen und erklären die Vertragsbestandteile ehrlich. Wir erklären das oft und gerne.

KMR: Vielleicht ist das ein Beispiel für die unterschiedlichen Perspektiven von Gründer und VC: der VC erwartet, dass die im Vertrag festgelegten Auswirkungen vom Gründer ebenso gut verstanden werden wie von ihm selbst. Der Gründer hat jedoch in vielen Fällen noch nie ein Investment erhalten – der VC dagegen beschäftigt sich täglich mit diesen Sachverhalten. Aber ich gebe Dir Recht – ich selbst habe anfangs so lange nachgefragt, bis ich die entsprechenden Auskünfte bekommen und auch alles verstanden habe. Und trotz hoher Kosten empfehle ich Unternehmern- zumindest beim ersten Investment - tatsächlich einen guten Anwalt zu Rate zu ziehen: dieser sollte typischerweise im VC Business tätig sein. Wenn man selber solche Anwälte nicht kennt, fragt man den VC – der hilft weiter.

Ein Tag im Leben eines Entrepreneurs

Gepostet am | July 2, 2007 | Keine Kommentare

SK: Du hast letzte Woche gemeint, 5 Firmen zu betreuen sei keine Arbeit, Du bist jetzt nur bei einer, was machst du den ganzen Tag? 

KMR: Das schreibt mir ja schon der VC ins Gebetbuch, dass ich mich fokussieren soll ;-) Im Ernst: Einen typischen Tagesablauf gibt es für mich nicht. Grundsätzlich unterscheide ich zwischen drei Tätigkeiten, den dringenden, den wichtigen und den administrativen. 

SK: Dann erzähl mal von den wichtigen. 

KMR: Ich muss als Geschäftsführer meines Unternehmens – auch unabhängig vom VC - auch unabhängig vom VC - letztlich dafür sorgen, dass das Business läuft. In meinem Fall bedeutet das konkret, dass wir nicht schlechter als unser Business Plan performen. Also: mit einem gegebenen Budget muss ich einen geplanten Umsatz (über-)erzielen. Da fängt die Arbeit damit an, immer innerhalb der „richtigen“ Strategie zu arbeiten. Die gilt es festzulegen und sie immer wieder zu hinterfragen bzw. anzupassen.

SK: Denkst du wirklich so oft über Strategie nach? Viele Entrepreneurs scheinen in ihrer täglichen Arbeit unterzugehen. Konsequenz ist dann, dass der Schritt zurück und das Betrachten aus „Vogelperspektive“ nicht mehr möglich ist. 

KMR: Das ist in der Tat ein sehr guter Punkt. Ich hatte gerade heute Vormittag eine Strategiesession mit meinem Investor, der sich auch als Sparringspartner sieht. In der Tagesarbeit ist sehr schwierig, sich nicht von den „dringenden“ oder „administrativen“ Aufgaben überrollen zu lassen. Überschlägig verbringe ich bestimmt 10-15% meiner Zeit mit Admin-Kram – das liegt allerdings auch daran, dass ich bei uns alle diese Sachen mitübernehme. 

SK: 10-15% nur, finde ich gar nicht so schlimm. Hast du Tipps, wie man es schafft, sich auf die wichtigen Sachen zu konzentrieren? Und was sind denn dringenden aber unwichtigen Tätigkeiten, siehst du da Möglichkeiten die Arbeit zu reduzieren? 

KMR: Ich orientiere mich an meinen Kindern bei der Trennung von Wichtigem und Unwichtigem. Manchmal müssen meine Kinder höchste Priorität geniessen und dann arbeite ich auch nicht. Manchmal allerdings auch wollen sie zwar, dass ich mich um sie kümmere, aber in diesem Moment geht es eben nicht. Dann müssen die “dringenden” Sachen warten, da die “wichtigen” Vorrang haben ;-) Um mir diese Freiheit bei der Kinder(erziehung) leisten zu können, bin ich gezwungen, effizient zu arbeiten. „Dringende“ Arbeiten betrachte ich zwiespältig – die Dringlichkeit kommt meistens von aussen an einen heran. Wenn es aber gerade nicht reinpasst, stelle ich meine eigenen Prioritäten gegen die Dringlichkeit anderer – nur so kann ich meinen Stiefel durchziehen, oder, mit anderen Worten: meiner Strategie folgen. 

SK: Lernt man das oder ist man ein geborener Entrepreneur? 

KMR: Schwierig zu beantwortende Frage: Unternehmer werden ja nur wenige Leute, aber die Fähigkeit des effizienten Arbeitens lernt man sicher am besten, wenn man konstant unter (Zeit-)Druck arbeitet. Ich habe an mir festgestellt, dass ich sogar unter Druck kreativer bin – obwohl landläufig ein gegenteiliger Zusammenhang vermutet wird. 

SK: Viele Sachen gleichzeitig machen ist wohl als Entrepreneur genauso wichtig, wie als VC. 

KMR: Wir können ja mal eine Woche tauschen?!

Ein Tag im Leben eines VC

Gepostet am | June 27, 2007 | Keine Kommentare

KMR: Ein VC hat vielleicht 5 Investments, die er betreut. Was macht er eigentlich neben der Betreuung den ganzen Tag über? 

SK: Die Betreuung von 5 Investments ist eigentlich schon ziemlich Arbeit, wenn du es richtig machen willst. Wenn du nur ½ Tag pro Woche pro Investment rechnest, bleiben nur mehr 2,5 Tage für neue Deals, irgendwelche Konferenzen und interne Themen und Sitzungen. 

KMR: Aber so viele neue Deals werden doch gar nicht abgeschlossen…

SK: Bedeutet trotzdem Arbeit. Ich versuche auch, viel mit Gründern zu reden, weil es hoffentlich ab und zu hilft und für mich sehr interessant ist (hier muss ich nochmals für den OpenCoffeeClub werben). Außerdem: Letztes Jahr habe ich mich wahrscheinlich über 10 Wochen sehr intensiv mit Due Diligence zu einem einzigen Deal beschäftigt, ist aber leider nichts geworden. 

KMR: Warum nicht? 

SK: In dem konkreten Fall ist das Konsortium nicht zustande gekommen. 

KMR: Konsortium? Also mehrere VCs, die sich zusammenschliessen, weil sie allein zu risikoavers sind? 

SK: Weil sie alleine zuwenig Geld haben, weil die Gründer soviel ausgeben… Es gibt halt Fälle wo der Kapitalbedarf weit über 10M EUR liegt und mehrere Investoren Sinn machen. Davon abgesehen, ist es oft für die Firma auch gut, von zwei Netzwerken zu profitieren (aber komm jetzt bitte nicht wieder mit der Mehrwert Diskussion)! 

KMR: Du erwähntest auch „irgendwelche Konferenzen“ – es gibt ja eine Art Konferenztourismus – bringt es eigentlich wirklich etwas, auf all diesen Events anwesend zu sein oder ist es eher eine Art Nabelschau? 

SK: Es ist eine Art Nabelschau, die aber auch was bringt. Networking. 

KMR: Geschenkt ;-). Und dann bleiben noch die von Dir genannten internen Themen – was kann ich darunter verstehen? 

SK: Z.B. gibt es bei fast allen VCs das Montags-Dealmeeting in dem alle Beteiligten über aktuelle Investitionsmöglichkeiten und Themen bei Portfolio-Firmen diskutieren. Und dann gibt es halt auch administrative Tätigkeiten, das wird ja bei Entrepreneurs nicht anders sein? 

KMR: Leider nein – dazu dann mehr beim nächsten Mal! 

VC Investitionsprozesse dauern lang

Gepostet am | June 13, 2007 | Keine Kommentare

KMR: Warum sind eigentlich VCs so langsam? Will heissen: warum dauern die meisten Investitionsprozesse mehrere Monate, obwohl fast immer gesagt wird, dass man in ein paar Wochen mit der Finanzierung „durch“ sei?

SK: Zwei Punkte: zum einen ist es tatsächlich ein unglaublich schlechtes Verhalten, die Gründer anzulügen und vorzugeben, der Prozess sei vom ersten Meeting bis zum Abschluss innerhalb von 2-3 Wochen durchlaufbar. Zum zweiten gibt es aus meiner Sicht folgende Gründe, dass die typische Dauer grösser als zwei Monate ist:

  • Es ist viel Aufwand, ein potentielles Investment eingehend zu prüfen
  • Es gibt zu wenig Wettbewerb unter den VCs und damit kaum Investitionsdruck
  • Bei einigen institutionellen VCs gibt es bürokratische Hürden, wie beispielsweise Investment-Gremien (Ein Tip an Gründer: VCs ohne Investment Gremien haben deutliche Vorteile)

KMR: Mein Eindruck ist, dass die VCs nicht unbedingt absichtlich lügen, sondern dass sie den eigenen hohen Erwartungsanspruch in der Realität bisweilen nicht matchen können….

SK: …Lügen ist natürlich sehr drastisch formuliert. Aber 2-3 Wochen sind bei institutionellen VCs einfach nicht realistisch. Übrigens: ich glaube auch immer, dass alles schneller geht – das ist wohl menschlich.

KMR: Das Problem in der Kommunikation zwischen Gründer und VC besteht auch nicht unbedingt in längeren Investitionszeiträumen, sondern eher in unrealistischen Erwartungen, die geweckt werden. Wenn ich als Gründer gesagt bekomme: „Du kannst in ein paar Wochen mit dem Geld starten!“ und der Prozess zieht sich aber über 3-4 Monate, dann weiss ich nicht, wo ich den Aussagen des VC Glauben schenken kann.

SK: Mit welchen VCs sprichst Du denn? Ein gewisser Unterschied zwischen den Aussagen und dem tatsächlichen Zeitraum ist verständlich – vielleicht versucht sich auch jeder VC als Schnellster zu positionieren.

KMR: Ja – was der Gründer, der sich zum ersten Mal in einem VC-Gespräch befindet, lernen muss, ist eben genau das: jeder verkauft sich möglichst gut, und die Realität weicht wahrscheinlich von der Vorhersage ab.

SK: Richtig – und damit kommen wir zum zweiten Tipp des Tages: Informieren, mit anderen Gründern sprechen, und die VCs mit kritischen Fragen challengen.

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