Urlaub
Gepostet am | May 29, 2007 | 1 Kommentar
Wir haben Urlaub. Daher können wir uns diese Woche nicht über Gründer und VCs unterhalten. Bis nächste Woche!
Businessplanwettbewerbe
Gepostet am | May 21, 2007 | 1 Kommentar
SK: Ein Investor hat mir mal erzählt, er hätte in eine Firma investiert, obwohl sie schon mehrere Businessplanwettbewerbe gewonnen hat…
KMR: …obwohl?
SK: Die Logik dahinter ist, dass Firmen, die sich mit einem interessanten Produkt in einem großen Markt bewegen, sich auf den Erfolg konzentrieren (sollten) und keine Zeit haben, an diesen Wettbewerben teilzunehmen. Ehrlich gesagt, ich bin nicht sicher ob diese Logik zwingend ist, was denkst Du? Hast Du schon mal an einem dieser Wettbewerbe teilgenommen?
KMR: Nein. Ich habe das bisher immer als eher defokussierend empfunden: Die Initiatoren und öfters auch Juroren dieser Wettbewerbe sind nicht zwingend die, von denen der Gründer das Geld bekommt. Zusätzlich will ich auch nicht in einem ‚Wettbewerb der Ideen’ gewinnen, sondern einen Investitionspartner von meiner Idee überzeugen.
SK: Bin fast deiner Meinung. Es geht halt bei Businessplanwettbewerben nicht nur um das direkte Einwerben von Kapital, sondern auch darum, Feedback und Publicity zu bekommen. Dafür können sie sehr wertvoll sein. Also, für wen sind diese Veranstaltungen sinnvoll?
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Sehr junge Unternehmen/Konzepte, die die ersten Schritte machen und für die das Feedback sehr wertvoll ist (normalerweise kein Investitionstarget für institutionelle Investoren)
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Unternehmen, die auf diesem Weg Publicity und Kontakte kriegen wollen
Bei den zweiten drängt sich die Frage auf: können sie die Publicity nicht auf anderem Weg kriegen?
KMR: In der von dir erstgenannten Zielgruppe stimme ich dir zu: Viele Gründer wissen einfach nicht, wie sie einen Businessplan aufbauen sollen, und erst Recht erhalten sie auf ihren Pläne kein professionelles Feedback. Insofern sind Businessplanwettbewerbe sehr sinnvoll.
SK: Ja, für die richtige Zielgruppe. Übrigens kenne ich zwei Wettbewerbe etwas besser, für interessierte: München (http://www.mbpw.de/) und Nordbayern (http://www.n-b-a.de/).
Wieviel darf der Gründer verdienen?
Gepostet am | May 16, 2007 | 4 Kommentare
SK: Wieviel verdienst Du?
KMR: Soviel, dass meine Frau und ich überlegen, ob wir es uns leisten können und wollen, dass sie aufhört zu arbeiten.
SK: Viele Gründer überlegen, ob ihre Frau genug verdient, dass sie ein Unternehmen gründen können. Ich glaube übrigens, es ist essentiell, dass Gründer ein finanzielles Risiko eingehen und nicht das gleiche wie in einem Konzern verdienen.
KMR: Unbedingt! Bei uns ist es so: Wir haben zwei kleine Kinder, um deren Erziehung wir uns beide kümmern. Das bedeutet hohe Betreuungskosten, wenn meine Frau arbeitet. Da ist es beinahe ein Nullsummenspiel, ob sie halbtags arbeitet oder sich primär um die Kinder kümmert. Ich habe allerdings an mir selbst gemerkt, dass ein anfänglich niedriges Einkommen in Verbindung mit einem hohen potentiellen Upside dazu führt, dass man sich ständig reinhängt und sehr hart für das Unternehmen arbeitet - weil man es will, aber auch muss.
SK: Grundsätzlich wollen ja Investoren die Ziele von Gründern und Managern mit ihren eigenen abgleichen. D.h. das aktuelle Einkommen sollte hoch genug sein, dass sie überlegen können, aber niedrig genug um einen Anreiz zu setzen, das Unternehmen erfolgreich zu machen und dann gemeinsam mit den Investoren zu verdienen. Außerdem ist Cash in der frühen Phase sowieso immer knapp. Ich persönlich bin oft überrascht, wie viel Cash sich Gründer vom Tisch nehmen anstatt es in die Firma zu stecken (und die Investoren machen das mit).
KMR: Zum einen ist Gründer nicht gleich Gründer. Als ich mich selbstständig gemacht habe, hatte ich die monatlichen Ausgaben eines Studenten. Heute habe ich eine Familie mit zwei Kindern.
SK: Sorry, dass ich Dich unterbreche. Mir ist schon klar, dass Du nicht mehr von Bafög oder vergleichbaren leben kannst. Vielleicht muss man das ganze relativ zu Deinen Opportunitätskosten sehen. Zwischen 30 und 50% von dem was du bei Daimler bekommen würdest (btw: würden die Dich nehmen?)?
KMR: Mir geht es dabei nicht nur um die persönlichen finanziellen Rahmenbedingungen des Gründers, sondern auch um seine Qualität. Ein Gründer mit über 10 Jahren Erfahrung sollte auch aus Sicht des VCs eine sicherere Bank sein, als ein 20-jähriger. Beim Abgleich der Interessen sollten also sinnvollerweise tatsächlich die individuellen Rahmenbedingungen von Gründer und VC betrachtet werden.
SK: Zusätzlich spielt natürlich noch die Marktsituation eine wesentliche Rolle - es folgt also für mich: eine allgemeine Beantwortung der Frage: „Wieviel darf der Gründer verdienen?“ ist nicht sinnvoll. Insgesamt muss der Unternehmer halt für sein erhöhtes Risiko entlohnt werden (wenn auch nur später und bei Erfolg).
Zuviel Geld für das Web 2.0?
Gepostet am | May 8, 2007 | 3 Kommentare
KMR: Seit einiger Zeit wird in den Medien am Beispiel der sogenannten ‘Blase Web 2.0′ von viel vorhandenem Risikokapital aber kaum vorhandenen Gründern berichtet. Wenn ich mich in der Szene umhöre, bekomme ich den gegenteiligen Eindruck: es gibt sehr viele Gründerteams mit durchaus innovativen Geschäftsideen. Wie kommen die Medien zu dieser Einschätzung?
SK: Ich habe zu diesem Thema gerade einen Artikel in der FAZ am Sonntag gelesen. Bin davon auch überrascht. Natürlich stimmen solche Aussagen wie “Gute Leute sind ein Engpass” immer, trotzdem ist es wohl ein Henne-Ei-Problem.
KMR: Manche Business Angels, wie beispielsweise Jens Kunath, scheinen sogar richtige Probleme zu haben, ihr Geld unterzubringen. Irgendwie scheint mir da der Wurm drin zu sein: entweder die Business Angels haben zu hohe Ansprüche oder die Gründer sind tatsächlich keine Unternehmer – wobei ich insbesondere letzteres bezweifle.
SK: Schwer zu sagen, ob die Business Angels zu hohe Ansprüche haben; glaube eher das ist ein Kommunikations- und Kontaktaufnahmeproblem. Es ist für Business Angels schwierig, bekannt zu werden und dann an die für sie interessanten Gründer zu kommen. Auf der anderen Seite scheinen viele Gründer zu wenig Aufwand zu treiben, um die richtigen Investoren kennenzulernen. In Deutschland gibt es halt bisher keine Barbecue Parties wie die von Michael Arrington. Übrigens, mein Kollege Johannes und ich versuchen gerade für Start-up Interessierte ein regelmaessiges informelles Zusammenkommen zu organisieren.
KMR: Guter Punkt: oft scheitert es bereits an der Erstkommunikation, weil die Gründer aus ihrer Perspektive allein auf die VCs und Business Angels zugehen und sich nicht fragen, welche Investitionskriterien auf deren Seite vorliegen. Ich kenne sogar einen Gründer, der in der Erstpräsentation bereits nach 5 Minuten gedacht hat, dass seine Geschäftsidee keinen der Anwesenden interessiert, obwohl er doch eingeladen wurde.
SK: Wahrscheinlich hat er das nicht nur gedacht! Warum verstehen so viele Unternehmer das Elevator Pitch Konzept nicht??
SK: Naja, wahrscheinlich kann sich der Durchschnitts-VC schon länger konzentrieren (30 Sekunden… ;). Nein, das hat ja gar nichts mit Konzentrationsfähigkeit oder ähnlichem zu tun, sondern mit dem sehr menschlichen Phänomen, dass man sich in den ersten Sekunden eine Meinung bildet und dann wieder schwer davon wegkommt.
KMR: In dem von Dir genannten Artikel heisst es u.a., dass ein guter Gründer auch aus einer mittelmässigen Idee einen Erfolg zimmern könne – gleichzeitig beschwert man sich über Mode, US-Konzepte zu klonen und spricht von „geklauten Ideen“. Wie passt das denn zusammen?
SK: Keine Ahnung. Ich bin aber sowieso davon überzeugt, dass die “Idee” überbewertet ist. Das Problem mit dem klonen von US-Konzepten ist aber oft, dass der deutsche Markt wesentlich kleiner ist und mit diesem Ansatz keine richtige grossen Firmen entstehen können. StudiVZ ist z.B. ein sehr guter Erfolg gewesen, aber aus VC-Sicht kein Homerun, um zur Frage nach dem Geld zurück zu kommen. Würdest Du geklonte Ideen finanzieren?
KMR: Auf keinen Fall würde ich eine Investitionsentscheidung von der Frage „Klon, oder kein Klon?“ abhängig machen – immerhin gehören einige der erfolgreichsten deutschen Start-ups wie alando und studiVZ Klone…. Aber ich bin nicht der Investor – wie stehst Du zum Klon?
SK: Klon oder nicht Klon ist wohl nicht entscheidend. Eine 1:1 Kopie eines amerikanischen Marktführers muss halt in Deutschland noch gross genug werden können.
VC vs Business Angel – wer ist als Investor geeignet?
Gepostet am | May 3, 2007 | Keine Kommentare
SK: Neben dem richtigen Gründer/CEO ist für eine Unternehmen auch der richtige Investor ausschlaggebend. Heute wird oft diskutiert, ob ein Business Angel oder ein institutioneller VC der richtige Partner ist. Die Standard-Antwort lautet: Business Angel für die sehr frühe Phase und dann kommt der VC mit mehr Geld. Was ist aus Deiner Sicht der richtige Ansatz?
KMR: Wenn ein Gründer einen VC fragt, wieviel er grundsätzlich bereit ist zu investieren, schwankt erfahrungsgemäss das Antwortintervall zwischen 1-2 Millionen Euro. Im zweiten Schritt ist es dann oft so, dass der VC einen Co-Investor mit ins Boot holen will, um sein Risiko zu minimieren. Das verringert sein Invest auf 0,5-1 Million. Im Falle von 500.000 Euro sind wir ja schon fast bei Business Angel. Die Investitionshöhe – und damit verbunden auch der Zeitpunkt - ist daher m.E. kein hinreichendes Entscheidungskriterium.
SK: Echt? Bin überrascht von Deinem Eindruck. Aus meiner Sicht investieren die - zugegebenermassen wenigen - seriösen institutionellen VCs eher erst ab 1 Million, und am liebsten in der Range von 2-3 Millionen. Das ergibt 5 Millionen pro Runde. Zusätzlich haben diese Investoren dann Reserven für weitere Runden gebildet. Also, d.h. für die erste Phase macht ein Business Angel mit ein paar hundert k Euro Sinn, oder?
KMR: Wenn der Business Angel tatsächlich ein paar hundert k Euro bereit ist zu investieren, halte ich das für sehr sinnvoll – aus zwei Gründen: Zum einen habe ich voraussichtlich einen schlankeren Investitionsprozess, zum anderen stellt der Angel –vorausgesetzt er wurde gut ausgewählt – einen strategischen Partner da, der mit persönlichen Kontakten und auch als Sparringspartner eine wertvolle Unterstützung sein kann. Als schwierig sehe ich die momentan in Mode gekommenen Kleinstrunden (d.h. Investitionen von 20-50 k pro Investor) an, da bei niedrigster Investition dieselben Prozesse durchlaufen werden müssen und der Gründer sogar noch mehr Ansprechpartner für dieselbe Investitionshöhe hat, die er befriedigen muss.
SK: Ja, sehr guter Punkt! Ich verstehe diese Mode aus Gründersicht auch nicht - 2 oder 3 Investoren sind wahrscheinlich besser als einer, 8 oder 9 aber sicher ein Nachteil. Interessant zu beobachten ist derzeit in Deutschland, dass Business Angels sich in beide Richtungen bewegen, a) investieren sie sehr früh kleine Summen und b) gibt es auch sehr potente, die durchaus Millionenbeträge stemmen können. Also Gründer würde ich versuchen, einen derartigen potenten Business Angel zu finden.
KMR: Das sehe ich genauso: im Idealfall habe ich 1-2 Investoren, die als Seed-Investoren mein Unternehmen für die ersten 12-24 Monate finanzieren. Mehr Köpfe bedeuten mehr Komplexität. Zusätzlich habe ich den Eindruck, dass immer mehr Leute sich Business Angel nennen und versuchen, signifikante Unternehmensanteile für kleines Geld abzustauben.
SK: Das ist auch ein interessantes Phänomen - ich sehe aber kein Problem darin. Die guten Gründer werden schon das richtige machen… Übrigens, ich glaube diese Verwirrungen in der Investorenstruktur in Deutschland liegen noch immer darin begründet, dass der Markt nicht reif ist und auch zuwenig Venture Capital da ist.
KMR: Du meinst also, der VC-Markt ist nicht mit genügend professionellen Teilnehmern gesegnet?
SK: Der Markt hat noch Potential.
The Next Big Thing
Gepostet am | April 25, 2007 | Keine Kommentare
KMR: Mitten im Web 2.0 Hype fragen sich gerade alle VCs, was das nächste grosse Ding ist. In den USA wenden sie sich alle den ökologisch korrekten Themen zu – in Deutschland scheint es einen Next Big Thing Attentismus zu geben. Worauf warten die VCs?
SK: Was heisst Attentismus? Sorry – VCs sind einfach gestrickt.
KMR: Möglicherweise eines der Kommunikationsprobleme in Gesprächen zwischen Gründer und VC
Attentismus
SK: Im Cleantech-Umfeld sind die europäischen VCs den Amis zuvorgekommen. Nichtsdestotrotz schauen wir alle natürlich viel zu sehr auf die Entwicklung in den USA. Nachdem ich keine Ahnung vom Next Big Thing habe – was war denn das Last Big Thing?
KMR: Google? Oder speziell in Deutschland: Communities wie studiVZ?
SK: No way. Ich glaube schon auch an Energiethemen. Große andere Themen sind Gesundheit und vor allem: Verkehr.
KMR: Verkehr?
SK: Das Verkehrsaufkommen hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht. Wenn jemand eine innovative Lösung für die letzte Meile findet… Aber: ich bin nicht der der Themen vorgibt. Was machen denn die Gründer?
KMR: Zur Zeit wird viel geklont – also weniger „groß gedacht“. Aus diversen Gesprächen mit Gründern weiss ich auch, dass aufgrund der oft geäusserten kurzfristigen Perspektive seitens der Investoren: das Business sollte nach spätestens 2 Jahren profitabel sein – eher überlegt wird, wie man in relativ kurzer Zeit tatsächlich „erfolgreich“ ist. Basisinnovationen – mit zumindest potentiell längeren Investitionszyklen - sind da weniger gefragt.
SK: Lange Investitionszyklen > 5-7 Jahre sind tatsächlich mit der derzeitigen Investorenstruktur nicht darstellbar. Deswegen leisten auch Forschungszentren einen enorm wichtigen Beitrag. Nochmals zurück zum Next Big Thing: Kannst Du Dir eine Business Idea Community vorstellen? Eine Art Open Source Business Plan?
KMR: An die Arbeit
Gründer sind keine Manager?
Gepostet am | April 20, 2007 | 4 Kommentare
SK: In Deutschland gibt es eine sehr erfolgreiche Mittelstandskultur. 80-jährige Gründer und Manager vererben ihre Unternehmen. Diese Kultur ist mit VCs nicht möglich. VCs wechseln das Management oft aus. Meist mit guten Gründen (manchmal auch nicht). Macht das Deiner Ansicht nach Sinn?
KMR: Klar – immer genau dann, wenn der Gründer nicht derjenige ist, der das Unternehmen groß machen kann. Aber die Frage ist: wie willst Du das erkennen?
SK: Wenn über mehrere Quartale oder Jahre Pläne, Versprechungen und Ziele nicht eingehalten werden können, ist der Fall klar. Ansonsten kann man sowieso nur im Einverständnis mit dem Gründer handeln.
KMR: Wie meinst Du das?
SK: Wenn man Zweifel an den Fähigkeiten des Gründers hat, die Firma über einen gewissen Zeitraum hinaus zu führen, aber alle Ziele erreicht werden, muss man seine persönlichen Zweifel zurückstellen. Auf der anderen Seite gibt auch den Fall, dass - wie bei Google – Gründer bereit sind, trotz Erfolgs auf den CEO-Posten zu verzichten, weil es für alle Beteiligten Sinn macht. Mein Punkt ist, in Deutschland ist es gesellschaftlich viel weniger akzeptabel als in den USA, dass ein Geldgeber den Gründer rausschmeißt (und von seinem „Baby“ trennt).
KMR: Das Beispiel Google empfinde ich als ein wenig fragwürdig, da Larry Page und Sergej Brin auch ohne CEO zu sein, die Fäden in der Hand halten – eben ohne bei Bilanzpressekonferenzen Zahlenkolonnen herbeten zu müssen. Eine Idealsituation also. Ich persönlich hätte kein Problem damit, rausgeschmissen zu werden – dann würde ich mich höchstens fragen, warum ich nicht selbst darauf gekommen bin, nicht „der Richtige“ zu sein.
SK: Gut – dann sage ich Deinen Investoren Bescheid
KMR: Mach doch!
Key Value Add - Mehrwert durch Venture Capital?
Gepostet am | April 10, 2007 | 1 Kommentar
KMR: VCs behaupten für gewöhnlich Mehrwert - über die Finanzierung hinaus - zu liefern. Ist da eigentlich etwas dran? Meine selbst durchgeführte anekdotische Marktforschung spricht nicht zwingend dafür.
SK: Touché! Ich bin nicht sicher, ob VCs tatsächlich Mehrwert über die Finanzierung hinaus liefern. Oft können die Gründer wohl froh sein, wenn der Aufwand durch zusätzliches Reporting, Abstimmungsschwierigkeiten und sonstige Befindlichkeiten der VCs überschaubar bleibt. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Situationen, wo ein richtiger Kontakt Firmen weiterbringen kann - sei es zum Geschäftsführer eines potentiellen Kunden oder ein hochkarätiges Aufsichtsratsmitglied….
KMR: Der Aspekt “Kontakte” wird immer gern angeführt. Aber meine Erfahrung sagt mir, dass ein Unternehmer, der sein Thema kennt, für gewöhnlich bessere Kontakte in seinem Bereich hat, als ein VC. Und zum Thema “Aufsichtsratsmitglied”: welchen konkreten Vorteil hat denn ein bekannter Aufsichtsrat?
SK: Wer redet denn von „bekannten“ Aufsichtsräten? Ich rede von Branchenexperten, die vielleicht eine Firma in einem ähnlichen Bereich hochgezogen haben. Mit dem kannst Du im Zweifel diskutieren, ob die Website grün oder gelb sein soll.
KMR: Bleiben wir bei dem Beispiel: ich nehme für mich in Anspruch, die für mich wichtigen Leute selbst ansprechen zu können. Ausserdem: wenn ich einen Sparringspartner suche, dann sollte der auch zur Verfügung stehen, wenn ich ihn benötige. Mein Gefühl sagt mir, dass es also auf inhaltlich versierte Menschen ankommt, nicht auf deren Reputation, und diese Menschen meine ich selbst zu kennen bzw. ansprechen zu können. Wozu brauche ich hier den VC?
SK: Interessanter- und für Dich wahrscheinlich überraschenderweise - haben die Unternehmer nicht immer dieses Netzwerk. Vor allem ist das Netzwerk des typischen Unternehmers auf seinen Bereich beschränkt. Das Unternehmen wandelt sich – insbesondere bei erfolgreichen Firmen. Diesen perfekten Unternehmer mit Netzwerk in allen möglichen Bereich gibt es nicht.
KMR: Ich behaupte nicht, dass guter Rat nicht willkommen sein sollte, aber im allgemeinen stellt sich dieser Aspekt des Mehrwerts eines VCs erst im Verlauf der Zusammenarbeit heraus. Für oder gegen einen bestimmten VC entscheiden muss sich der Gründer im vorhinein – und auf den jeweiligen Websites sagt jeder VC von sich er sei der beste. Wie soll der Gründer denn diese Qualität erkennen?
SK: Na ja, genauso wie der VC irgendwie den Gründer beurteilen muss, sollte dieser das umgekehrt auch tun. Leider ist die Verhandlungsposition von Gründern in Deutschland eher schwach und die Auswahl an VCs gering.
Team, Team, Team
Gepostet am | April 5, 2007 | 4 Kommentare
SK: Immobilenmakler nennen als die drei wichtigsten Merkmale für Investitionen: “Location, Location und Location!” VCs übernehmen diesen plakativen Ausspruch gerne und bezeichnen “Team, Team und Team” als die drei Erfolgsfaktoren (weitere bekannte Sprüche dazu “A People get A People, B People get C People”, “Lieber ein A Team mit B Idee als, ein B Team mit A Idee”). Ist das der richtige Ansatz?
KMR: Ja. Gute Ideen liegen geradezu in der Luft – entscheidend ist, solche zu erkennen und in ein Geschäftsmodell umzusetzen. Und dafür ist m.E. eine Kombination aus fachlichem Know-How und Persönlichkeit der Gründer ausschlaggebend. Die Frage ist: wie will ein VC diese Qualifikation aus einem zugeschickten Business Plan oder selbst nach einer ersten Präsentation erkennen?
SK: Zugegebenermaßen ist ein Business Plan kein adäquates Mittel, um die Qualität eines Teams zu beurteilen. Trotzdem kann man zwei Dinge beurteilen: zum einen den Lebenslauf, zum anderen die Art der Kontaktaufnahme durch die Gründer. Zum Beispiel ist es besser, mir einen Business Plan nicht einfach so, sondern über einen gemeinsamen Kontakt zukommen zu lassen. Der VC ist einer der ersten Partner der Gründer – warum bekomme ich also so viele Business Pläne anonym zugeschickt? Das sind wahrscheinlich keine A-Teams.
KMR: Hm. Das halte ich für zu undifferenziert. Nehmen wir ein paar Zwanzigjährige, die eine (wirklich) tolle Idee haben, aber niemanden aus dem VC-Umfeld kennen, da sie sich bisher dort nie herumgetrieben haben. Ich kenne selbst ein paar Programmierer mit extrem interessanten Projekten, die aber überhaupt nicht wissen, wie sie sich dem Thema VC nähern sollen.
SK: Wahrscheinlich klingt das jetzt arrogant, aber dann sind es auch nicht die Richtigen. Damit will ich nicht sagen, dass man unbedingt erfahrene Gründer braucht; Bill Gates und Sergey Brin waren auch „nur“ jung und dynamisch, haben viel ausprobiert und sind offensichtlich A-Team Mitglieder. Für richtig disruptive Geschäftsmodelle sind die erfahrenen oft die Falschen.
KMR: Also auf der einen Seite jung und wild, auf der anderen Seite aber erfahren genug, um in der VC-Szene vernetzt zu sein und eine klasse Präsentation hinzulegen? Das klingt ein bisschen wie die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau.
SK: Das klingt viel dramatischer, als es ist. Was ist schon dabei, sich gründlich vorzubereiten, bevor man einen Investor (ersetzbar durch: Kunde, Partner) anspricht?
Wer bekommt Venture Capital?
Gepostet am | March 28, 2007 | 6 Kommentare
KMR: Seit Ende der 90er Jahre spielt Venture Capital auch in Deutschland eine Rolle: Risikokapitalgeber investieren in vielversprechende (?) Geschäftskonzepte und deren Gründer. Während es in der ersten VC-Welle “einfach” war, an Geld zu kommen, präsentierten Gründer in den Jahren 2001-2005 nahezu umsonst. Seit 2006 haben VCs wieder ein offenes Ohr und für so manchen Gründer haben sich die vielen Pitches gelohnt; siehe die jüngsten Beispiele studiVZ und Sevenload. Haben wir daher einen durch VCs unterstützten Gründerboom in Deutschland oder halten wir uns lediglich an den in der Presse immer wieder genannten Vorzeige-Beispielen auf?
SK: Also, ich glaube, man muss zunächst einige Sachen klarstellen: die Anforderungen an Gründer waren in den Jahren bis 2000 viel zu niedrig: „In a hurricane even pigs can fly!“. Irgendwie scheint sich die Meinung festgesetzt zu haben, dass so der Standard sein sollte. VCs haben natürlich als Ziel, Gründern und deren Firmen zu helfen. Auf der anderen Seite besteht die primäre Verantwortung den Fonds-Investoren gegenüber. Wir müssen Geld verdienen!
KMR: Niemand bestreitet, dass auch VCs Geld verdienen müssen. Aber wir unterhalten uns ja gerade über die Art und Weise, wie das Geld verdient wird. Während in der ersten Boomphase viele VCs den Startups geradezu hinterhergelaufen sind, haben sie das umgekehrte Extrem in den Jahren darauf exerziert: sie haben sich geziert, überhaupt zu investieren! Irgendwo dazwischen muss aber doch die gesunde Mitte liegen.
SK: Grundsätzlich gebe ich Dir Recht. VCs müssen aber nicht „auch“ Geld verdienen, sondern das ist das einzige Ziel. Du musst sehen, dass Venture Capital als Asset-Klasse kein Geld verdient (siehe: Don Dodge). Übrigens, keiner verlangt, dass alle Firmen ein Erfolg werden! Man rechnet ja mit 30% Totalverlusten. Wenn die 30% dramatisch überschritten werden, wird es halt schwierig. Wenn man hört, dass es über 200 VC-finanzierte Youtube-Klone gibt, wie soll das funktionieren?
KMR: Willst Du damit sagen, Web 2.0 ist eine Blase?
SK: Ja.
KMR: Dann könnten wir an dieser Stelle das Gespräch abbrechen. Aber als Unternehmer gebe ich natürlich nicht auf ;-). Nehmen wir doch Web 2.0. Wenn wir uns darauf einigen können, darunter den Bereich des “user generated content” zu verstehen, sprechen wir doch von einer bisher nicht dagewesenen Möglichlichkeit, Internetnutzer zu aktivieren und dabei die inkrementellen Kosten einer Website minimal zu halten. Dass es einige schwarze Schafe gibt, die mit “Billig-Mashup-Konzepten” daherkommen, bedeutet ja nicht, dass der ganze Bereich als Blase zu bewerten ist!
SK: Es ist wohl eine philosophische Diskussion, was eine Blase ist. Ich finde die neuen Webmodelle geil. Nichtsdestotrotz sind viele aus ökonomischer Sicht nicht nachhaltig. Wenn mir einer ein skalierbares und profitables Geschäftsmodell bringt, finde ich das extrem attraktiv. Mir ist dann auch egal, ob eine Blase platzt - eine solche Firma wird überleben.
KMR: Ist es Deiner Meinung nach - im Vergleich mit 2000 - einfach oder schwer, an Venture Capital zu kommen?
SK: Schwer. Aber es ist auch kein Selbstzweck, an Venture Capital zu kommen, sondern damit eine erfolgreiche Firma aufzubauen.