Wer kontrolliert das Start-up: Unternehmer oder VC?

Eine weitverbreitete Meinung bei sehr jungen Unternehmern ist, dass sie selbst dann noch die Kontrolle über ihr Unternehmen haben, wenn sie durch Venture Capitalists finanziert worden sind. Bei älteren Unternehmern herrscht die umgekehrte Sichtweise vor: als Geldgeber sitze der VC immer am längeren Hebel und damit kontrolliere er das Start-up, heisst es.

Fred Wilson hat hierzu eine passende Zusammenfassung geliefert, die ich komplett unterstütze und in eigenen Worten widergebe:
Die Wahrheit liegt – wie so oft im Leben – dazwischen: die Kontrolle und Macht im Unternehmen hat derjenige, ohne den man nicht auskommt. Hängt ein Unternehmen am Tropf des Kapitals, weil trotz bisheriger Anstrengung kein Umsatz gemacht wird und die Chancen auf eine Nachfinanzierung täglich sinken, sitzt der Geldgeber am längeren Hebel und wird seine Vorstellungen zur Unternehmensstrategie zur Geltung bringen.

Läuft es im Unternehmen dagegen rund, die Hebel zur Umsatzgenerierung greifen und alle Beteiligten können die zunehmende traction des Start-ups erkennen, ist der Unternehmer in einer starken Position: er und seine Mannschaft sind offensichtlich Herr des Verfahrens und augenscheinlich die besten Personen, um das Kapital des VC zu vermehren.

Einfach formuliert heisst das: Unternehmer haben die Kontrolle über ihr Unternehmen, wenn’s rund läuft – VCs , wenn es nicht läuft. Das ist die ganze Wahrheit.

Bin ich ein Unternehmer?

Es gibt eine Menge an wissenschaftlicher Lektüre über das, was den Unternehmer ausmacht: einige Erklärungsansätze stellen genetische Voraussetzungen in den Mittelpunkt, d.h. vereinfacht: wenn Deine Eltern bzw. Grosseltern selbständig waren, wirst Du es auch. Andere sehen Dein soziales Umfeld als entscheidendes Element für die Entscheidung pro/contra Unternehmensgründung.

Im Grunde ist es ganz einfach: Du kannst ein Unternehmen gründen, wenn Du bereit bist, mehr und härter als andere zu arbeiten – auf die Gefahr hin, weniger bis gar nichts zu verdienen. Zugegeben – das hört sich nicht gerade vielversprechend an, ist aber realistisch: die allermeisten Unternehmer verdienen vergleichsweise wenig Geld und leiden regelmäßig unter Existenzsorgen. Wenn Du Dein Studium gerade abgeschlossen hast und keine Familie ernähren musst – kümmert Dich das wenig. Daher ist das auch der ideale Zeitpunkt, um das erste Unternehmen zu gründen. Wenn es nicht funktioniert, kannst Du immer noch Deine Karriere als Manager starten. Musst Du dagegen Kinder ernähren, solltest Du sehr belastbar und stressresistent sein, wenn Du ein festes monatliches Gehalt gegen eine potentielle Gesellschafter-Entnahme eintauschen willst.

Warum ist das Unternehmerdasein dennoch für viele so reizvoll? Hauptsächlich aus zwei Gründen:
1. Du bist Dein eigener Chef. Niemand (außer Kunden und Bankern / VCs) macht Dir Vorschriften.
2. Wenn es gut läuft, kannst Du Reich werden.

Kurzum: hartgesottene, belastbare, risikofreudige und kreative Menschen können Unternehmer werden. Die anderen sollten es sein lassen.

KMR

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