Wer kontrolliert das Start-up: Unternehmer oder VC?

Eine weitverbreitete Meinung bei sehr jungen Unternehmern ist, dass sie selbst dann noch die Kontrolle über ihr Unternehmen haben, wenn sie durch Venture Capitalists finanziert worden sind. Bei älteren Unternehmern herrscht die umgekehrte Sichtweise vor: als Geldgeber sitze der VC immer am längeren Hebel und damit kontrolliere er das Start-up, heisst es.

Fred Wilson hat hierzu eine passende Zusammenfassung geliefert, die ich komplett unterstütze und in eigenen Worten widergebe:
Die Wahrheit liegt – wie so oft im Leben – dazwischen: die Kontrolle und Macht im Unternehmen hat derjenige, ohne den man nicht auskommt. Hängt ein Unternehmen am Tropf des Kapitals, weil trotz bisheriger Anstrengung kein Umsatz gemacht wird und die Chancen auf eine Nachfinanzierung täglich sinken, sitzt der Geldgeber am längeren Hebel und wird seine Vorstellungen zur Unternehmensstrategie zur Geltung bringen.

Läuft es im Unternehmen dagegen rund, die Hebel zur Umsatzgenerierung greifen und alle Beteiligten können die zunehmende traction des Start-ups erkennen, ist der Unternehmer in einer starken Position: er und seine Mannschaft sind offensichtlich Herr des Verfahrens und augenscheinlich die besten Personen, um das Kapital des VC zu vermehren.

Einfach formuliert heisst das: Unternehmer haben die Kontrolle über ihr Unternehmen, wenn’s rund läuft – VCs , wenn es nicht läuft. Das ist die ganze Wahrheit.

Tue nur das, an das Du glaubst!

Anlässlich einiger vor kurzem geführter Gespräche über Erfolg und Moral bzw. Ethik des Unternehmers diese kurze Notiz: Die meisten mir bekannten Unternehmensgründer sind Überzeugungstäter: sie agieren – bisweilen wieder besseren theoretischen Wissens – allein aus der Kraft ihrer Überzeugungen und Einstellungen heraus. Einfacher ausgedrückt – sie richten sich nach Ihrem Bauchgefühl.

Wer sich fragt, ob er dieses oder jenes tun sollte, weil es auf der einen Seite “nicht gut”, “unethisch”, “verwerflich” oder “unfair” ist, auf der anderen Seite aber den grösstmöglichen Erfolg verspricht, der sollte auf seinen Bauch hören. Wem der Bauch nicht weiterhilft, der fragt seinen Lebenspartner oder stellt sich vor, was seine Kinder (so vorhanden) von seiner Handlung denken würden, wenn er ihnen diese erklärte.

Egal, wie Du Dich entscheidest – tue nur das, an das Du glaubst! Selbst wenn Du eine kurzfristig mehr Erfolg versprechende Handlungsalternative wählst, von deren Richtigkeit Du allerdings nicht überzeugt bist, wird Dich das aller Erfahrung nach später einholen und Du wirst diese Entscheidung bereuen. Wenn Du jederzeit so handelst, dass Du Deine Entscheidungen gegenüber Dir selbst und Dir wichtigen Personen vertreten kannst, hast Du Deine eigene persönliche Frage nach Ethik und Moral im Business beantwortet.

Die beste Geschäftsidee

Die beste Geschäftsidee beschreibt ein Produkt bzw. eine Dienstleistung, das/die von möglichst vielen Menschen in der anvisierten Zielgruppe verlangt wird. Das kann etwas sein, was es schon gibt, das Du besser, schöner, begehrenswerter anbietest. Es kann sich aber auch um etwas handeln, von dem die Zielgruppe bisher nicht wusste, dass sie das haben will – und dennoch versessen darauf ist, es zu besitzen – siehe iPhone oder Dropbox.

Mit der besten Geschäftsidee ist es wie mit dem Erfolg: wenn Du dem Erfolg hinterherläufst, wirst Du ihn nicht haben. Erfolg erfolgt. Auf etwas, was Du tust – etwas mit starken positiven Konsequenzen. Die beste Geschäftsidee ist nicht diejenige, die gerade “in” ist, von der “alle” reden und bei der die Wahrscheinlichkeit einer Finanzierung am größten ist. Nein – die beste Geschäftsidee ist die, die bei den Nutzern auf Gegenliebe stösst. So, wie der professionelle Suchmaschinenoptimierer Inhalte nicht für Google sondern für den Leser optimiert, solltest Du Dein Geschäft für Deine Kunden optimieren.

Der Rest erfolgt (von selbst).

Aus Erfolgen lernen

Aus Fehlern lernen ist eine beliebte Weisheit, die man nicht nur von den Grosseltern und Eltern zu hören bekommt, sondern die sogar in Managementkursen gelehrt wird, mit den auffordernden Worten: “Machen Sie (aktiv) Fehler! Lernen Sie dann aus Ihren Fehlern.”

Was wollte man schon dagegen sagen? Tatsächlich spricht nichts gegen den frommen Wunsch, aus Fehlern zu lernen – nur: was lernst Du denn daraus? Du lernst, was Du nicht machen sollst. Du lernst aber nicht, was Du machen sollst. Und daher ist die Aufforderung Fehler aktiv zu begehen auch Unsinn.

Drehen wir den Spiess um: Lerne aus Deinen Erfolgen! Wenn Du einmal erfolgreich warst, weisst Du immerhin, was Dich in diesem Fall zum Erfolg geführt hat. Das muss dann bei der nächsten Gelegenheit nicht genauso wieder zutreffen, aber es ist in jedem Fall ein besseres Hilfsmittel, um erfolgreich zu arbeiten, als die Fehlervariante.

Im übrigen scheint mir das Ausmerzen von Fehlern auch eine typisch deutsche Eigenschaft zu sein: schon Kinder bekommen beigebracht, wie sie ihre Schwächen beheben können. Besser wäre es, sich auf seine Stärken zu konzentrieren und diese auszubauen. Das fördert Spitzenleistungen und macht viel mehr Spass!

Schein und Sein

Die meisten mir bekannten deutschen Unternehmer sind keine Schauspieler. Sie sind geradeheraus, authentisch und reden ungeschminkt. Diese Wesensart unterscheidet sich vom typischen Manager, der aus Karriereerwägungen auf der mikropolitischen Geige seines Unternehmens mitmusizieren muss und sich je nach Stimmung entsprechende Rollen zulegt.

Auch das Web 2.0 fördert Authentizität und Ehrlichkeit, wie an verschiedenen illustren Gegenbeispielen deutlich wurde.

Allerdings gibt es eine Wesensart des Menschen, die dem grundsätzlichen Wunsch nach Echtheit widerspricht: Menschen wollen keine Misserfolge sehen. Wir alle wollen keine Hässlichkeit sehen. Wir haben lieber Erfolg, Schönheit und verehren daher auch Menschen, die “Angelegenheiten im Griff haben”, die “wissen, wo es lang geht.”

Das bedeutet, dass wir es mit der Authentizität nicht übertreiben sollten, wenn wir – um erfolgreich zu sein – auf andere angewiesen sind: der (Möchtegern)Unternehmer, der vornehmlich Schwächen zeigt, wird nicht ernstgenommen. Der Entrepreneur, der dem VC sagt, dass er finanziell mit dem Rücken zur Wand steht, wird im Zweifel nur in der Bewertung gedrückt oder gar nicht finanziert.

Die Moral? Wenn es Dir schlecht geht, zeige das nur im privaten Umfeld. Gegenüber Geschäftspartnern solltest Du Stärke zeigen – auch wenn Du sie zumindest zeitweise vorspielen musst. Du wirst nur ernstgenommen, wenn “Du weißt, wo es lang geht.”

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