Experimentieren, nicht planen!

Einer der wichtigsten Ratschläge für den Gründer ist: experimentiere!

Eine durchdachte Planung ist deshalb wichtig, damit alle Ideen und Gedanken rund um das Start-up in eine für Dritte les- und nachvollziehbare Form gebracht werden. Aber der beste Plan kann nur eine Annäherung an die zu erwartende Realität sein. Und je komplexer und langfristiger ein Plan ist, desto unwahrscheinlicher ist sein Eintreffen – insbesondere in der grossen Unsicherheitssituation, in der Unternehmensgründungen typischerweise durchgeführt werden.

Jeder Umsatzkanal, jedes Produkt, jede Akquisitionsstrategie kann experimentell getestet werden. Mit geringem Aufwand und innerhalb kurzer Zeitrãume kann jeder Entrepreneur seine Hypothesen an realen Zielgruppen testen. Typische Ergebnisse solcher Experimente sind die Festellung, dass ein Produkt zun teuer ist, dass die Zielgruppe das unterstellte Problem gar nicht hat oder dass die gedachten USPs von den potentiellen Käufern nicht als solche wahrgenommen werden.

Wenn man diese Ergebnisse im Experimentierstadium erhält, ist vergleichsweise wenig Geld in den Sand gesetzt und Produkt, Strategie oder Taktik können noch angepasst werden. Experimentieren kann man nicht (früh) genug!

Keine Angst vor Fehlentscheidungen

Oft stehen wir vor Entscheidungen, die wir als schwierig und deren Tragweite wir als weitreichend einschätzen. Sobald wir uns dieser Relevanz bewusst werden, beginnen wir zu zögern, vorsichtig zu werden und in vielen Fällen die Entscheidung hinauszuzögern oder uns gar ganz vor ihr zu drücken.

Das Erstaunliche an getroffenen Entscheidungen ist, dass wir nur in seltenen Fällen wissen, ob es sich um richtige oder falsche Entscheidungen handelt: denn oft können wir uns nur für eine Option entscheiden und kennen die Auswirkungen der alternativen Entscheidung gar nicht.

Zudem neigen wir zur Überzeugung, mit einer ausreichenden Vorbereitung schon die “richtige” Entscheidung treffen zu können. Auch hier geben wir uns einer schönen Illusion hin.

Ein Beispiel: Wenn Du verheiratet bist, bist Du womöglich der Ansicht, die bestmögliche Partnerin fürs Leben gefunden zu haben (so, wie es seinerzeit Loriot auch gelang: “Die beste Ehefrau von allen”). Aber: kennst Du denn alle anderen Frauen und darfst Dir daher dieses Urteil anmassen? Nein.
Das heisst aber noch lange nicht, dass Ihr nicht ein Traumpaar seid – denn Eure Entscheidung füreinander kann einfach “gut genug” gewesen sein. Ihr bewertet damit Eure absolute Zufriedenheit, nicht eine relative, die sich in Partnerschaften mit Anderen ergäbe.

Zurück zum Thema: Entscheidungen kannst Du nur absolut bewerten – nur in den seltensten Fällen relativ zu ihren Alternativen. Denke daran, wenn Du das nächste Mal vor einer schwierigen Entscheidung stehst: frage Dich, ob Du mit einer der Alternativen gut leben kannst – und dann wähle diese aus.

KMR

Aus Erfolgen lernen

Aus Fehlern lernen ist eine beliebte Weisheit, die man nicht nur von den Grosseltern und Eltern zu hören bekommt, sondern die sogar in Managementkursen gelehrt wird, mit den auffordernden Worten: “Machen Sie (aktiv) Fehler! Lernen Sie dann aus Ihren Fehlern.”

Was wollte man schon dagegen sagen? Tatsächlich spricht nichts gegen den frommen Wunsch, aus Fehlern zu lernen – nur: was lernst Du denn daraus? Du lernst, was Du nicht machen sollst. Du lernst aber nicht, was Du machen sollst. Und daher ist die Aufforderung Fehler aktiv zu begehen auch Unsinn.

Drehen wir den Spiess um: Lerne aus Deinen Erfolgen! Wenn Du einmal erfolgreich warst, weisst Du immerhin, was Dich in diesem Fall zum Erfolg geführt hat. Das muss dann bei der nächsten Gelegenheit nicht genauso wieder zutreffen, aber es ist in jedem Fall ein besseres Hilfsmittel, um erfolgreich zu arbeiten, als die Fehlervariante.

Im übrigen scheint mir das Ausmerzen von Fehlern auch eine typisch deutsche Eigenschaft zu sein: schon Kinder bekommen beigebracht, wie sie ihre Schwächen beheben können. Besser wäre es, sich auf seine Stärken zu konzentrieren und diese auszubauen. Das fördert Spitzenleistungen und macht viel mehr Spass!

Fehler machen

Ihr kennt die weisen Sprüche über das Fehler machen. Ohne diese wiederholen zu wollen, sei doch eines gesagt – denn es kann nicht oft genug laut ausgesprochen werden:

Jeder macht Fehler. Niemand kennt die Zukunft. Jede Arbeit, die sich mit der Zukunft beschäftigt – insbesondere Geschäftspläne – sind nahezu immer falsch. Alle längerfristigen Prognosen liegen mindestens 20-30% neben der Realität (und das reicht locker aus, um in Geschäftsplänen über Erfolg bzw. Misserfolg zu entscheiden).

Der beste Umgang mit Fehlern aus meiner Sicht ist: bei Erkennen eines Fehlers
- diesen schnellstmöglich beheben
- ihn anderen gegenüber als solchen kommunizieren (“zugeben”) und sie gegebenenfalls um ihre Mithilfe bei der Behebung bitten sowie
- ihn genau zu beschreiben, nicht zu vergessen und nach Möglichkeit nicht zu wiederholen.

Das Geheimnis des Fehlermachens besteht darin, es nicht vermeiden zu wollen.

KMR

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