Wie gut ist meine Geschäftsidee? – oder: wenn Experten irren

Du hast eine gute Idee, bist selbst davon begeistert und Dein direktes Umfeld auch. Bei der Recherche stellst Du fest: gibt es schon, in mehrfacher Ausprägung, nicht nur von amerikanischen sondern sogar von deutschen Anbietern. Ist das bereits der Punkt, an dem Du aufgeben und Deine Idee verwerfen solltest?

Nein.

Basis-Innovationen gibt es sehr selten. Höchstwahrscheinlich wirst Du also nichts wirklich Neues erfinden, sondern “nur” ein Produkt, das entweder besser als alles bisher Vergleichbare ist, einen Service, der einen signifikant höheren Nutzen stiftet oder einen Dienst, den es zwar grundsätzlich schon gibt, der aber in Deiner Version jetzt auch von anderen Zielgruppen genutzt werden kann.

Ein konkretes Beispiel: Im Zeitalter temporärer Arbeitsplätze und verteilter Teams, die mit Hilfe virtueller Kommunikationstechniken miteinander arbeiten, ist der Bedarf an Collaboration bzw. Projektmanagement-Software gross. Daher tummeln sich seit Jahren Anbieter desktopbasierter Software wie Jira oder Basecamp und bieten ihren Nutzern durchaus umfangreiche Tools zur Zusammenarbeit. Auf der weniger komplexen Seite des Spektrums befinden sich mit anderen Teammitgliedern teilbare Tabellenkalkulationen, Textverarbeitungen und Präsentationsprogramme, die ebenso wie ihre komplexeren Schwerstern zunehmend auch als Apps auf mobilen Endgeräten nutzbar sind. Aktuell schwappt mit US-Anbietern wie Asana eine weitere neue Welle an Produkten auf den Markt: an Collaboration Tools herrscht definitiv kein Mangel.

Blickt man sich um im erweiterten Bekanntenkreis, wie dezentrale Teams zusammenarbeiten, treten erstaunliche Ergebnisse zutage: durchaus häufiger als erwartet arbeiten beispielsweise die einzelnen Teammitglieder individuell an Excel-Tabellen und mailen sich die Ergebnisse anschliessend zu. Den Effekt kennen wir seit Jahrzehnten: falsche Versionen werden bearbeitet, Änderungen gehen verloren, von einer Echtzeit-Information ist man weit entfernt. Etwas besser gestaltet sich die Situation durch den Einsatz von Cloud-Services wie Dropbox, box.net oder iCloud, die zumindest einen für alle Teilnehmer gleich aktuellen Zugriff auf das identische Dokumen erlauben.

Von einer richtigen Zusammenarbeit ist man mit dieser Lösung noch weit entfernt. Weiterhin werden Dokumente über individuelle email Clients verschickt, es gibt keinerlei Rechtemanagement, Zuordnung von Verantwortlichkeiten oder eine mit dem eigenen Kalender synchronisierte Terminierung. Dies liefern aktuell nur Services wie Jira oder Basecamp. Die allerdings sind für bestimmt 75-85% der Arbeitsgruppen der reine Overkill: zum einen bieten sie Funktionen, die nicht gebraucht werden, aber ständig im Bearbeitungsfenster erscheinen. Zum anderen muss diese Funktionsvielfalt bezahlt werden. Wer möchte schon Kosten von mehr als 100 Euro monatlich haben, nur um mit seinem Team effizient kommunizieren zu können?

Dieser eine use case ist ein schönes Beispiel für die Vielfalt an möglichen Geschäftsideen für Dich: nur, weil es Collaboration Software bereits in Hülle und Fülle gibt, heisst das nicht, dass Du nicht eine Team App an den Start bringst, die für hundertausende Anwender geeignet wäre. Suche nach der Nische, finde Deine Kategorie, und ignoriere Bedenkenträger – insbesondere die sogenannten Experten – deren Argument “gibt es schon” ist. Gerade Experten neigen zu völliger Fehleinschätzung der Situation. Überall, selbst in überfüllten Märkten gibt es Chancen. Das Video-Streaming Start-up TapIn.tv ist ein schönes Beispiel: anders als bei den existierenden Video-Apps muss der Nutzer keine Angaben zu Kanal und Beschreibung des Contents machen, sondern er startet die App und das Video wird unmittelbar mit Ortsbezug übertragen. Ergreife Deine Chance!

Neue Start-up Show: Deine Geschäftsidee im WebTV

In den USA seit einiger Zeit der letzte Schrei – jetzt auch in Deutschland: Gemeinsam mit den Kollegen aus der Münchner isarrunde und der Berliner spreerunde bieten wir allen Unternehmensgründern die Möglichkeit, ihre Geschäftsideen im WebTV zu präsentieren. Geplant ist ein regelmässiges Format zum Thema Start-ups, in dem Ihr Eure Ideen vor der Kamera vorstellen könnt. 

Die Start-up Shows werden in München und Berlin gedreht – mit von der Partie sind Juroren aus Venture Capital und Business Angel Szene, die eine realtime Bewertung der Geschäftsideen vornehmen werden. Das Feedback und damit die Bewertung durch die Zuschauer erfolgt im Anschluss an die Show in den Kommentaren auf isarrunde.de, spreerunde.de bzw. den entsprechenden YouTube Channels. Teilnahmeberechtigt ist jeder Gründer und jedes Start-up Team, das noch keine Erstrunden-Finanzierung durch fremde Investoren erhalten hat.

Wir werden nach den Sommerferien mit der Show starten. Bereits jetzt könnt Ihr Euch hier mit Euren Ideen bewerben. Wir freuen uns auf Eure Einsendungen! Einen kleinen Vorgeschmack bietet dieses Video von Daniel Leicher, das er im Rahmen einer Projektarbeit an der mhmk erstellt hat.

Über die besten Ideen stolpert man

Heute lese ich auf einem meiner Lieblingsblogs, dem BusinessInsider, eine Geschichte über 4 Start-ups, die ihre Unternehmen gerade auf dem 500 Startups Demo Day vorgestellt haben. Alle sind auf ihre Geschäftsideen eher zufällig gestoßen.

Passend dazu hatte ich gestern einen Präsentationstermin bei einem potentiellen Neukunden, in dessen Verlauf einer der Gesprächsteilnehmer davon berichtete, wie das Unternehmen “an Produkte kommt”, ohne sie selbst herzustellen. Die Lösung ist ganz einfach: man suche sich Produkte, die den eigenen Anforderungen entsprechen, und sponsore sie und empfehle sie seinen Kunden. Der Effekt: Win-Win. Der Hersteller des Produkts freut sich über die unvorhergesehene finanzielle Unterstützung, das Unternehmen kann eine “neues Produkt” vermarkten, ohne einen Penny in seine Entwicklung gesteckt zu haben.

Und genau aus dieser Idee, die wohlgemerkt eine Nebensächlichkeit im gestrigen Meeting war, werde ich eine Dienstleistung bauen. Der Erfolg wird sich weisen – bereits jetzt weiss ich jedoch, dass im Gegensatz zu so mancher Geschäftsidee das Empty Disco Problem hier nicht besteht.

Das Learning: viele Ideen basieren auf Zufällen bzw. auf der Verkettung oder Verknüpfung vieler thematisch passender Umstände. Wichtig ist, diese Gelegenheiten als Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsideen zu erkennen und sie am Schopfe zu ergreifen!

DACH Techtour und Starteurope

Wir haben bereits des öfteren über Sinn und Unsinn von Businessplan Wettbewerben und anderen VC Veranstaltungen gesprochen, heute mal 2 Empfehlungen von meiner Seite:

Für bereits etablierte Startups in DACH findet Ende Mai die “Techtour” statt, eine Veranstaltung, die fast alle europäischen VCs anzieht und sicher damit eine gute Möglichkeit zum Kennenlernen und Fundraising bietet (ich (SK) bin bei der Auswahl der Unternehmen mit dabei und deshalb natürlich interessiert an spannenden Einreichungen): http://www.techtour.com/DACH-Tech-Tour-2011/Overview.htm

Für Leute mit Ideen und junge Gründer: Starteurope Startup Live Weekends von http://www.starteurope.at/. Super Initiative um sein Konzept weiterzuentwickeln und relevante Kontakte zu knüpfen (bald überall in Europa) – (ich bin hier ebenfalls im Rahmen von i5invest/i5labs mit-involviert)

Beides für Unternehmer gratis (alles andere würde ich nicht empfehlen)

SK

Wie finde ich meine Kategorie? Und weshalb soll ich sie überhaupt suchen?

Wer eine Geschäftsidee hat, dem ist sein Produkt in aller Regel selbstverständlich. Man weiß, was man verkaufen will bzw. was die Basis des Geschäftsmodells sein soll. Zudem besteht vielfach die Annahme, “Online” sei eine Art eigenständige Kategorie, in der die Regeln der Offline-Welt außer Kraft gesetzt seien. Oder man hält das eigene Produkt für dermaßen innovativ, daß man sich die Suche nach vergleichbaren, konkurrierenden Produkten zu ersparen können glaubt. Nun ist das sog. Selbstverständliche wie das Wort “einfach” v.a. als Grabinschrift für Probleme geeignet – nirgendwo jedenfalls verbergen sich mehr Dinge, über die man sich dringends Gedanken machen sollte als bei all jenem, was als selbstverständlich angesehen wird.

Wer aus dem klassischen Marketing und Product Management kommt, dem sind die Grundprinzipien des Arbeitens innerhalb einer Kategorie vertraut. Waschmittel soll Wäsche sauber machen, das ist die Einstiegsanforderung in die Kategorie der Waschmittel. Eine Menge weiterer Kundenwünsche existieren und alle Anbieter sind rege bemüht, diese zu erfüllen und für die Marke einen guten (Positionierungs-) Platz innerhalb des kategoriebezogenen Anforderungsspektrums zu finden. Erstaunlicherweise ist das Denken mit Kategorien in der Online-Welt nur stiefmütterlich verbreitet und wird zudem mit dem hierfür völlig ungeeigneten Instrument Benchmarking im Doppelsinne erledigt.

Denn die eigentliche Kernfrage, wer sich warum wie für mein Produkt interessieren sollte, kann durch Benchmarking nicht beantwortet werden – was als Nebeneffekt zur Etablierung merkwürdiger Standards innerhalb verwandter Kategorien führt, obzwar diese für die eigentlichen Kundenbedürfnisse überhaupt keine Relevanz haben. Zudem wird man verführt, jede noch so unbedeutende technische Innovation als zwingenden Grund für den bevorstehenden Erfolg fehl zu verstehen – dem Wettbewerb überhaupt voraus zu sein, das befriedigt bereits, da wird leicht sekundär, ob das in einer kundenrelevanten Disziplin passiert.

Nicht selten erliegt man da auch der Versuchung, Erfolgreiches aus anderen Geschäftsmodellen auf das eigene Modell zu übertragen. Wodurch gute Ideen für eine andere Sache gerne zur schlechten Idee für die eigene Sache werden.

Gastbeitrag von:
Gerd Witulski, Apples&Pears

PS: Hierzu passend – Perfektion

Taugt meine Idee als Geschäftsidee und kann daraus ein Business resultieren?

Die einen haben tolle Ideen, aus denen sie globale Konzerne schmieden wollen. Die anderen haben gute Ideen, die ihrer Meinung nach nicht für ein richtiges Geschäft, die Gründung eines Unternehmens ausreichen. Woher weiß ich, dass meine Idee geeignet ist, daraus ein Business zu entwickeln und ein Unternehmen aufzubauen, das mich, meine Familie und vielleicht Mitarbeit ernährt?

Wenn ich eine einfache Antwort hätte, würde ich jetzt mit Warren Buffet und Bill Gates ein paar Milliarden spenden. Da dies (noch) nicht der Fall ist, versuchen wir uns an einer Näherungslösung:

Die meisten uns bekannten Gründer sind von ihren Ideen überzeugt und meinen, dass dies auch die Geldgeber und die Kunden sein müssten. Interessanterweise ist es oft leichter, Geldgeber davon zu überzeugen als Kunden – die Erfolgsquote im Venture Capital Bereich von 20-25% legt dies nahe. Warum also nicht einfach im allerersten Schritt Kunden generieren? Wenn 30% Deiner Zielgruppe Dein Produkt kaufen würde, dann wird es nicht schwer sein, Geldgeber für den Geschäftsaufbau zu finden, oder – noch besser – vom Umsatz bzw. dem Cash-Flow den Aufbau Deines Unternehmens zu finanzieren. Analog haben wir hier argumentiert.

Nur wenn Du von Beginn an davon ausgehen kannst, dass Du Dein Produkt oder Deine Dienstleistung verkaufen kannst, solltest Du überhaupt an ein Weitermachen denken. Diejenigen, die sich “in einem späteren Schritt über das Geschäftsmodell Gedanken machen werden” werden scheitern.

Eine Idee eignet sich als Geschäftsidee, wenn Du von Beginn an Kunden bzw. Käufer findest.

Idee und Umsetzung

Es gibt keinen Mangel an Ideen – was oft fehlt, ist der Wille zur Umsetzung. Nicht die beste Idee gewinnt, sondern diejenige, die mit der größten Tatkraft umgesetzt wird: der ehemalige Standard für Videocassetten VHS oder die Software von Microsoft sind gute Beispiele für im Markt äußerst erfolgreiche aber technisch mittelmäßige Produkte.

Also: Wenn Du meinst, genug Power zur Umsetzung Deiner Idee zu haben, fange heute damit an!

KMR

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