Die Erfolgsstory von Testbirds

Es gibt viel mehr Success Stories erfolgreicher Unternehmensgründungen als gemeinhin angenommen wird. In die Öffentlichkeit schaffen es meist die grossen Geschichten mit hohen Investitionssummen. Gerade in Deutschland haben wir es dagegen gern einen Nummer kleiner: Startups mit überschaubarem Kapitalbedarf und einer relativ sicheren Aussicht auf baldige Umsatzerlöse – mit dem Break Even am Horizont. Diese deutsche Zurückhaltung sorgt immer wieder für Unmut unter Gründern, die auch gern ohne einen Euro Umsatz mit einem zweistelligen Millionenbetrag finanziert würden. Wer würde da “Nein” sagen? 

testbirds

Aber auch im Land der Ingenieure und Erbsenzähler gibt es Erfolgsgeschichten: Startups , die beispielsweise im Dunstkreis von Hochschul-Inkubationsprogrammen ihr Produkt zur Marktreife bringen und mit einem laufenden Geschäft unter realen Marktgegebenheiten Investoren begeistern können. Ein solches Beispiele sind die Münchner Testbirds, deren Start Co-Gründer Markus Steinhauser in diesem Gastbeitrag beschreibt:

Der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm. Bei den Testbirds aus München sind es gleich drei Vögel, die in Webanwendungen und mobilen Apps wurmige Stellen beseitigen. Mit Hilfe ihrer Crowdtesting-Plattform und effizienten Organisationsstruktur rekrutieren die drei Gründer passgenau Testergruppen für fast jeden Testfall. Sie machen große und kleine Unternehmen fit für die digitale Wirtschaft. Das Team um Philipp Benkler, Georg Hansbauer und Markus Steinhauser, alle Mitte 20, hat in den letzten zwölf Monaten eine Crowdtesting-Plattform für Webanwendungen und mobile Apps aufgebaut, auf deren Basis das realitätsgerechte Testen von Software durch die Internet-Crowd ermöglicht wird. Das Feedback der Testergruppen aus der Community ist dabei nur das Rohmaterial, das von einem erfahrenen Projektleiter analysiert und in konkrete Handlungsempfehlungen umgesetzt wird.

Neben der Theorie hat das Gründerteam immer schon die Anwendungsseite im Blick gehabt. Quasi mit dem Internet groß geworden sind sie fast schon alte Hasen in Sachen Web, App und Testing. Und nicht zuletzt auch in Sachen Unternehmertum. So war Philipp bereits zu Schulzeiten mit der Schülerfirma GGG-Helpteam, die IT-Dienstleistungen für private Haushalte anbot, nicht nur unternehmerisch tätig, sondern verdiente sich als Vorstandsvorsitzender der „Besten Schülerfirma Baden-Württembergs 2005“ sozusagen auch verbandspolitisch die ersten Sporen. Georg sammelte praktische Erfahrungen bei großen Konzernen und bei verschiedenen studentischen Unternehmensberatungen. Er verfügt über Erfahrungen im Enterprise Testing sowie über ein breites Netzwerk an Kontakten in der Wirtschaft. Markus schließlich sammelte während seines Studiums der Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Fribourg in der Schweiz Erfahrungen als Teil der Crowd. Damals kümmerte er sich um die Kundenakquise der Künstlerplattform jump-on-stage (damals Moonsticker AG).

testbirdsTestbirds Gründer: Markus Steinhauser, Georg Hansbauer und Philipp Benkler

Die Idee der Crowdtesting-Plattform entwickelte sich aus den jeweiligen Studienschwerpunkten der drei Gründer: Georg hatte in diversen Industrieprojekten Wissen über diverse Softwaretest-Methoden erworben. Philipp hatte sich schon vor seinem Studium mit Webprogrammierung beschäftigt und sich PHP und MySQL selbst beigebracht. Und Markus war als Blogger und in diversen Sozialen Netzwerken unterwegs. Aus dem „Zusammendenken“ zweier bislang unverbundener Komponenten, dem Crowdsourcing und dem Testing, entstand schließlich der Testbirds Ansatz. Durch Crowdtesting sollen altbekannte Probleme bei der Qualitätssicherung, allen voran die Verfügbarkeit diverser Geräte und Betriebssysteme sowie das Feedback bestimmter Zielgruppen gelöst werden.

Testbirds Gründer: 2012 war das Aufbaujahr für die Testbirds GmbH. Es wurden namhafte Kunden gewonnen, unter anderem DIE WELT-Gruppe, das Internet-Unternehmen United Domains, das Hotelbuchungsportal HRS, die Allianz SE und der Medizintechnikspezialist B. Braun Melsungen. Eine Anschubfinanzierung gab es durch das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie vergebene EXIST-Gründerstipendium an der Ludwig-Maximilians-Universität München im GründerRegio M Netzwerk. Ursprünglich sollte mir viel Planung die perfekte Abwicklungsplattform konzipiert werden. Als dann mehrere Monate vor dem geplanten Start der erste Kunde vor der Tür galt es zu improvisieren. Die Plattform befand sich noch im Aufbau und viele Abläufe mussten noch händisch erledigt werden, doch der Kunde war zufrieden. Seitdem gilt bei den Testbirds das Motto „Praxis statt Theorie“. Mit jedem Kundenprojekt werden wertvolle Erfahrungen und Feedback gesammelt und das Produkt ständig ausgebaut.

Schmerzhafte Erfahrungen gab es bisher noch keine großen – zum Glück. „Wir lernen aber mit jedem neuen Projekt dazu. Eine perfekte Dienstleistung gibt es nie, nicht nur deshalb legen wir sehr viel Wert auf das Feedback und den Input unserer Kunden, Tester, Mitarbeiter und Unterstützer“ erklärt Philipp. „Gelernt haben wir zum Beispiel sehr viel über das Testermanagement in der Crowd. Wenn unsere Tester nicht gewissenhaft arbeiten oder komplett ausfallen bekommen wir natürlich Probleme. Mit den richtigen Anreizen und Maßnahmen funktioniert aber auch das.“ Nach nur wenigen Monaten hat sich im Sommer 2012 die Augsburger Walter Beteiligungen und Immobilien AG mit einer Seed-Investition im siebenstelligen Euro-Bereich, die durch das Finanzierungsnetzwerk evobis in München vermittelt wurde, bei Testbirds engagiert. Dadurch haben die Testbirds erheblichen Spielraum für die Expansion gewonnen. Inzwischen sind über 20 Mitarbeiter an Bord. Rückblickend meint Philipp: „Ich würde alles genau so wieder machen: Die Strukturen am Anfang schlank halten, nicht zu lange nachdenken, Gas geben und schauen ob die Idee am Markt ankommt. Und dann die Prozesse weiterentwickeln und an die Kundenbedürfnisse anpassen.“

GASTBEITRAG von Markus Steinhauser, Testbirds

Die Motivation des Gründers

In Zeiten häufiger Exits, also üblicherweise am Ende einer guten Phase für Start-ups und VCs, werden angesteckt durch diese sichtbaren Erfolge immer noch mehr Unternehmen gegründet. Und während grundsätzlich jede Unternehmensgründung per se gut ist, weil etwas Neues entsteht und sich Menschen dem Risiko aussetzen, ohne Sicherheitsnetze zu arbeiten, scheinen einige Gründungen eher zweifelhafter Natur zu sein: die immergleichen neuen Services einer Art, die sich nur in Farbe, Name und PR-Texten unterscheiden, entsprechen eben nicht dem Gedanken, Neues zu schaffen – sondern vielmehr dem Wunsch, auf die Schnelle mit einem scheinbar akzeptierten Business Model einen Exit hinzulegen.

Wer so vorgeht, also den Markt scannt, erfolgversprechende Dienste kopiert und währenddessen schon den potentiellen Käufer nicht nur im Auge hat sondern gleich mit ins Boot holt, um nach ein paar Monaten vom erfolgreichen Exit sprechen zu können, der handelt durchaus schlau. Er geht ökonomisch klug und effizient vor und minimiert sein eigenes Risiko. Neues dagegen schafft er nicht. Er ist weder innovativ, noch ist sein Geschäft oder gar das dahinterliegende Modell nachhaltig: es funktioniert von Einzelfall zu Einzelfall – Misserfolge inbegriffen.

Vergleichbar ist diese “Start-up Maschinerie” vielleicht am ehesten mit dem Private Equity Bereich: hier handeln kluge, exzellente Analytiker, bewerten Unternehmen, kaufen im Falle von Unterbewertungen und verkaufen, wenn ein höherer Wert erzielbar ist. Hedge Funds, die sich auf minimale Bewertungsdifferenzen spezialisiert haben, sind die Könige dieser Disziplin – mit grossem Hebel werden kleinste Bewertungsunterschiede genutzt und entsprechende Handelsgewinne erzielt.

Ohne dieses Geschäft bewerten zu wollen (ich habe grossen Respekt vor dem Profis in dieser Branche), ist meiner Ansicht das Start-up Business ein anderes: alle mir bekannten Mega-Erfolge (Apple, Google, Facebook, Microsoft, Amazon, etc.) sind nicht als Me-too Projekte entstanden sondern auf Basis der Visionen ihr Gründer. Sie alle wollten etwas Neues schaffen und mussten sich in ihrer jeweiligen Zeit gegen Skepsis, Widerstand und Spott durchsetzen. Sie haben teileweise jahrelang kämpfen müssen, um der Welt ihren Erfolg demonstrieren zu können. Und was sicher keiner von ihnen bei der Unternehmensgründung im Sinn hatte, war der Verkauf ihres Unternehmens.

Der geplante Verkauf des eigenen Unternehmens ist mein Ansicht nach keine geeignete Basis für die Gründung eines Start-ups. Wer so vorgeht, kann – wie oben beschrieben – eine Kopiermaschinerie aufbauen und erfolgreich betreiben. Etwas Neues schafft er nicht, er ist nicht innovativ und er wird sicher nicht die Welt verbessern. Um wirklich etwas zu erschaffen, muss der Gründer von sich und seiner Idee überzeugt sein – so überzeugt, dass er nicht müde wird, für diese Idee zu kämpfen und sie unter Umständen jahrelang gegen Widerstände durchzusetzen. Er muss an sich und die Idee glauben.

PS: Ein sehr schönes Beispiel für eine gelungene Innovation ist der Bluetooth Shoe.

Neue Start-up Show: Deine Geschäftsidee im WebTV

In den USA seit einiger Zeit der letzte Schrei – jetzt auch in Deutschland: Gemeinsam mit den Kollegen aus der Münchner isarrunde und der Berliner spreerunde bieten wir allen Unternehmensgründern die Möglichkeit, ihre Geschäftsideen im WebTV zu präsentieren. Geplant ist ein regelmässiges Format zum Thema Start-ups, in dem Ihr Eure Ideen vor der Kamera vorstellen könnt. 

Die Start-up Shows werden in München und Berlin gedreht – mit von der Partie sind Juroren aus Venture Capital und Business Angel Szene, die eine realtime Bewertung der Geschäftsideen vornehmen werden. Das Feedback und damit die Bewertung durch die Zuschauer erfolgt im Anschluss an die Show in den Kommentaren auf isarrunde.de, spreerunde.de bzw. den entsprechenden YouTube Channels. Teilnahmeberechtigt ist jeder Gründer und jedes Start-up Team, das noch keine Erstrunden-Finanzierung durch fremde Investoren erhalten hat.

Wir werden nach den Sommerferien mit der Show starten. Bereits jetzt könnt Ihr Euch hier mit Euren Ideen bewerben. Wir freuen uns auf Eure Einsendungen! Einen kleinen Vorgeschmack bietet dieses Video von Daniel Leicher, das er im Rahmen einer Projektarbeit an der mhmk erstellt hat.

Das beste Alter für die Unternehmensgründung

Wann ist die beste Zeit zur Gründung eines Unternehmens? Ist ein Start-up für den Schüler oder Studenten ideal, weil er voller Ideen und Tatendrang und mit einem grossen Zeitreservoir ausgestattet ist? Oder macht es mehr Sinn, erst die Arbeitswelt, ihre inhaltlichen und politischen Prozesse kennenzulernen und sich dann mit einem Geldpölsterchen und einem engmaschigen Netzwerk selbständig zu machen?

Aktuell wird in US Start-up und VC Medien viel über dieses Thema geschrieben – der allgemeine Tenor ist: gründe jung, weil Du noch keine hohen Kosten hast und rund um die Uhr arbeiten kannst, ohne auf eine Familie zu achten.

Für diesen Rat spricht tatsächlich einiges: ohne finanziellen Druck kann man leichter “spleenigen” Ideen hinterhergehen als jemand, der Kinder ernähren muss. Und das wöchentliche Teammeeting lässt sich auch gut auf den Samstag legen, mit anschliessender Pizza-Party beim Bundesligakracher – die Ehefrau ist da schon anderer Meinung….

Ich glaube, es geht beides: mit 20 und mit 40 bzw. 50 Jahren gründen. Der Haupt-Unterschied wird im jeweiligen Vorgehen liegen: mit 20 kann man mit grösstmöglicher Risikobereitschaft starten. Mit 40 muss man die Lebenshaltungskosten absichern – entweder durch den arbeitenden Partner, Erspartes oder, indem man über eine begleitende Tätigkeit zumindest einen gewissen Teil der Fixkosten deckt. Diesen Nachteil kann bzw. muss man über grössere Erfahrung sowie eine höhere Effizienz kompensieren.

Kurz: dem jungen Gründer fehlt die Erfahrung – er macht Fehler, die der ältere vermeiden kann. Der jüngere hat dagegen viel Zeit und 100% Risikobereitschaft. Dem älteren fehlt Zeit und Risikobereitschaft, allerdings verfügt er über Erfahrung und Netzwerk – beides geschickt einsetzt kompensiert die Nachteile.

Möglicherweise liegt deswegen in der Kombination junger und älterer Gründer in Teams das Optimum!? Zum Gründen ist jedenfalls immer der richtige Zeitpunkt!

Einen guten Beitrag zum Thema gibts bei Om.

Der Tiefpunkt (3) – und sein grösster Vorteil

Der grösste Vorteil einer Schwächephase besteht in dem immens hohen Erfolg, der denjenigen winkt, die die Talsohle durchschritten haben. Es sind nur noch wenige. Die meisten haben aufgegeben.

Derjenige, der Schwächephasen als de facto Phasen erkennt, sollte sie geradzu aktiv suchen! Warum? Weil sie die höchsten Gewinne versprechen, die man nicht (mit vielen) anderen teilen muss, weil man der einzige ist, dervsie abschöpfen kann.

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