Startup Superstars

Jeder VC sucht Startup Superstars, also diejenigen Teams, die nach zwei bis fünf Jahren die magische Grenze von 100 Millionen Euro Umsatz knacken. Und ab und an findet sich so eine Perle im Portfolio. Nur – was macht den Startup Superstar aus?

startup superstar

Wie alles in der Welt, gibt es auch auf diese Frage eine leicht vereinfachte Antwort: zu Startup Superstars können Unternehmen werden,

  • deren Kunden einen hohen Lifetime Value LTV aufweisen, oder
  • deren Nutzer- und Umsatzwachstum zu minimalen Kosten viral vonstatten geht.

Der Lifetime Value eines Geschäfts kann in Abhängigkeit ders jeweiligen Produkts bzw. der Branche errechnet werden. Wenn der LTV eines Kunden etwa viermal so hoch ist wie die zur Akquisition dieses Kunden aufzuwendenden Kosten, ist das Geschäftsmodell erfahrungsgemäss interessant und qualifiziert sich für ein Investment. Die höchsten LTVs finden sich in Transaktions- und Abo-Modellen.

Die Herausforderung für Gründer und VC liegt in der Kalkulation des LTV im Zeitablauf: während der erste Schwung Kunden meist zu den Early Adopters zählt und durch vergleichsweise günstige Massnahmen akquiriert werden kann, erhöhen sich die Akquisitionskosten pro Nutzer dramatisch, wenn der Mainstream angesprochen wird. Diese sprungfixen Kosten haben schon so manchem vielversprechenden Startup das Genick gebrochen.

Der virale Effekt (auch: Netzwerk Effekt) als Strategie zum Aufbau des Geschäfts wird seit der Einführung des Social Web so ziemlich von jedem Startup von sich in Anspruch genommen. Die Gründer selbst sind logischerweise von ihrem Produkt völlig überzeugt – und übersehen gerne, dass andere Menschen ihr Produkt zum einen noch nicht kennen, zum zweiten vielleicht gar nicht brauchen oder zu guter Letzt gar das Produkt eines Wettbewerbers vorziehen. Aus Sicht eines Gründers ist dieses Verhalten irrational – “die Nutzer” jedoch haben die Macht: sie entscheiden, ob ein Produkt gekauft wird oder zum Ladenhüter verkommt. Das Geschäftsmodell der viralen Strategie beruht hauptsächlich auf Werbung: die jedoch ist – gerade bezogen auf Apps – kein leichtes Unterfangen und das Startup benötigt immense Nutzerzahlen, um auf einen grünen Zweig zu kommen.

Selbst die grössten und bekanntesten Technologie-Marken müssen regelmässig feststellen, dass der virale Effekt nicht immer eintritt: Apples Musik-Empfehlungsdienst Ping war von Beginn an eine Totgeburt, Google Plus is so frequentiert wie der Offenbacher Hauptbahnhof und einchecken über Facebook wird auch nur von Angestellten des Social Network selbst genutzt. Kurzum: ein viraler Aufbau der Nutzer- und Käuferschaft ist weder eine systemimmanente Social Media Eigenschaft, noch generalstabsmässig planbar.

Am schlimmsten ist es um diejenigen Startups bestellt, die die jeweils negativen Varianten beider Strategien vereinen: hohe Kunden-Akquisitionskosten bei niedrigen LTVs und schwach ausgeprägter Viralität. Diese Startups werden nicht finanziert – und wenn doch, werden sie nicht lange überleben.

Daher unser Appell an alle Startups: entscheidet Euch für eine der oben aufgeführten Strategien, wenn Ihr richtig gross werden wollt! Kommuniziert Eure Entscheidung transparent gegenüber Euren potentiellen Investoren!

Added Value: Welche Vorteile bringt der VC Investor dem Start-up?

Value Add – der Mehrwert, der durch den Einstieg eines VC Investors geschaffen wird – ist ein oft kommunizierter Aspekt bei Start-up Finanzierungen: neben dem reinen Investitionskapital verspricht der VC, Expertise seiner Partner und sein Netzwerk einzubringen. In der Praxis muss der Gründer aufpassen, dass dies keine Lippenbekenntnisse bleiben.

Value Add

Als Gründer braucht man vor allem eines: Geld. Alles andere, so meint man, ist vorhanden: Geschäftsidee, Team, Spirit – lediglich an Kapital mangelt es. Auf den zweiten Blick erkennt der selbstkritische Gründer weitere Mangelerscheinungen: in vielen Fällen fehlt im Team eine bestimmte Expertise – beispielsweise ein Vertriebsprofi. In den meisten Fällen – zumindest bei Start-ups mit jungen Gründerteams – ist auch noch kein Netzwerk vorhanden. Die Gründer starten vielmehr mit viel Esprit und einem starken Produkt in einen Markt, in dem sie bisher nur bedingt Erfahrungen gewonnen haben und dessen Player sie nicht persönlich kennen.

Will man beispielsweise eine App im Reisemarkt launchen, empfiehlt es sich, die eingesetzte Reservierungs-Software und die relevanten Marktteilnehmer zu kennen bzw. einen Draht zu ihnen aufbauen zu können. An dieser Stelle kann der Investor auf den Plan treten. Kennt er sich im Markt aus, kennt er auch die Player. Da er als Kapitalgeber von der Seitenlinie aus agiert, kann er zu Marktteilnehmern einfach und unvorbelastet Kontakt aufnehmen und beispielsweise Kooperationsmöglichkeiten eruieren. Auf diesen qualitativen Aspekt einer Investition in ein Start-up sollte vom Gründer Wert gelegt werden.

Vereinfacht lässt sich mit der obigen Graphik von Patrick Vlaskovits sagen: entweder Du nimmst sogenanntes “dumb money” auf; d.h. Geld von Personen, die sich mit dem Markt überhaupt nicht auskennen und die aller Voraussicht nach auch kein ausgereiftes Reporting verlangen (bestes Beispiel: die eigenen Eltern) oder Du suchst Dir Investoren, die Deinen Markt bzw. Deine Produktkategorie kennen und Dir neben dem Geld auch sehr konkrete operative Hilfestellungen geben können: sie unterstützen Dich im Vertrieb, besorgen Dir Kontakte und Gespräche mit möglichen Partnern, etc. das sog. Smart Money. Vermeide jedoch, Dich mit Investoren aus dem mittleren Bereich der Kurve ins Bett zu legen: denen musst Du in jedem Gespräch den Markt neu erklären oder ihre eher gewöhnungsbedürftigen Vorschläge zur Geschäftsentwicklung entkräften. Mit anderen Worten: nicht nur der VC sucht sich das Start-up aus, auch Du suchst Dir den VC aus. Und da es um viel Geld geht, wähle sorgfältig!

Start-up School – Wie gründe ich ein Unternehmen?

In den USA ist bekanntermassen alles anders. Unter anderem kann man dort in einem Dreitagesseminar zum Unternehmer werden: Lernen Sie Unternehmensgründung – mit Seth Godin.
Der von mir hochgeschätzte Seth begibt sich drei Tage lang in den Urschlamm allen Gründens – wer Lust, Zeit und genügend Kleingeld hat, kann sich hier in der Start-up School einschreiben. Vorteilhaft: Ihr müsst nicht die 10 Stunden bis San Francisco durchhalten, sonden könnt nach lässig abgeflogenen 6 Stunden in New York direkt zur ersten Unterrichtseinheit anrauschen.

App entrepreneurs, let the show begin!

Von hoher Warte bekommen wir Unterstützung für unsere Ansicht, dass aktuell wieder einer DER Momente zur Gründung von Unternehmen gekommen ist. Auf der Fortune Magazine’s Brainstorm Tech Conference verglich Marc Andreessen, der Top Venture Capitalist dieser Tage – Partner bei AndreessenHorowitz – 2012 mit dem Jahr 1999, als er und andere die Bonanza des Internet losgetreten haben.

Während man damals 50 Millionen Internet Nutzern Services verkaufte, stehen wir in der App Economy heute 5 Milliarden potentiellen Nutzern gegenüber. Wir können uns nicht glücklich genug schätzen, mit Apps soviele Menschen so leicht und schnell erreichen zu können.

Leute, macht Euch auf die Socken und gründet App Start-ups! Jetzt ist die Zeit! Wenn Ihr gut seid und eine überzeugende Idee habt, meldet Euch bei AppInvest – und wir reden über Finanzierung. Let the show begin!

Die Motivation des Gründers

In Zeiten häufiger Exits, also üblicherweise am Ende einer guten Phase für Start-ups und VCs, werden angesteckt durch diese sichtbaren Erfolge immer noch mehr Unternehmen gegründet. Und während grundsätzlich jede Unternehmensgründung per se gut ist, weil etwas Neues entsteht und sich Menschen dem Risiko aussetzen, ohne Sicherheitsnetze zu arbeiten, scheinen einige Gründungen eher zweifelhafter Natur zu sein: die immergleichen neuen Services einer Art, die sich nur in Farbe, Name und PR-Texten unterscheiden, entsprechen eben nicht dem Gedanken, Neues zu schaffen – sondern vielmehr dem Wunsch, auf die Schnelle mit einem scheinbar akzeptierten Business Model einen Exit hinzulegen.

Wer so vorgeht, also den Markt scannt, erfolgversprechende Dienste kopiert und währenddessen schon den potentiellen Käufer nicht nur im Auge hat sondern gleich mit ins Boot holt, um nach ein paar Monaten vom erfolgreichen Exit sprechen zu können, der handelt durchaus schlau. Er geht ökonomisch klug und effizient vor und minimiert sein eigenes Risiko. Neues dagegen schafft er nicht. Er ist weder innovativ, noch ist sein Geschäft oder gar das dahinterliegende Modell nachhaltig: es funktioniert von Einzelfall zu Einzelfall – Misserfolge inbegriffen.

Vergleichbar ist diese “Start-up Maschinerie” vielleicht am ehesten mit dem Private Equity Bereich: hier handeln kluge, exzellente Analytiker, bewerten Unternehmen, kaufen im Falle von Unterbewertungen und verkaufen, wenn ein höherer Wert erzielbar ist. Hedge Funds, die sich auf minimale Bewertungsdifferenzen spezialisiert haben, sind die Könige dieser Disziplin – mit grossem Hebel werden kleinste Bewertungsunterschiede genutzt und entsprechende Handelsgewinne erzielt.

Ohne dieses Geschäft bewerten zu wollen (ich habe grossen Respekt vor dem Profis in dieser Branche), ist meiner Ansicht das Start-up Business ein anderes: alle mir bekannten Mega-Erfolge (Apple, Google, Facebook, Microsoft, Amazon, etc.) sind nicht als Me-too Projekte entstanden sondern auf Basis der Visionen ihr Gründer. Sie alle wollten etwas Neues schaffen und mussten sich in ihrer jeweiligen Zeit gegen Skepsis, Widerstand und Spott durchsetzen. Sie haben teileweise jahrelang kämpfen müssen, um der Welt ihren Erfolg demonstrieren zu können. Und was sicher keiner von ihnen bei der Unternehmensgründung im Sinn hatte, war der Verkauf ihres Unternehmens.

Der geplante Verkauf des eigenen Unternehmens ist mein Ansicht nach keine geeignete Basis für die Gründung eines Start-ups. Wer so vorgeht, kann – wie oben beschrieben – eine Kopiermaschinerie aufbauen und erfolgreich betreiben. Etwas Neues schafft er nicht, er ist nicht innovativ und er wird sicher nicht die Welt verbessern. Um wirklich etwas zu erschaffen, muss der Gründer von sich und seiner Idee überzeugt sein – so überzeugt, dass er nicht müde wird, für diese Idee zu kämpfen und sie unter Umständen jahrelang gegen Widerstände durchzusetzen. Er muss an sich und die Idee glauben.

PS: Ein sehr schönes Beispiel für eine gelungene Innovation ist der Bluetooth Shoe.

Start-ups? Apps!

1999-2000: der dotcom-Boom. Die Älteren unter Euch werden sich erinnern. Gefühlt wurde jeden Tag ein neues Start-up gegründet; zunächst natürlich im Silicon Valley, dann auch in London und irgendwann sogar in Deutschland.  Man brauchte nicht viel: ein paar HTML-Kenntnisse, ein bisschen CSS – und schon war das nächste grosse Ding am Start.

Im Jahr 2012 sieht es anders und gleichzeitig genauso aus: heute sind nicht Websites die Basis für Gründer, sondern Apps. Irgendwelche Apps zu bauen ist ungefähr genauso einfach, wie vor 10-15 Jahren irgendwelche Websites zu launchen. Analog zur Entwicklung im Web gibt es kurze Zeit nach der “Erfindung” von Apps schon Services, die auch ganz ohne Kenntnisse mobiler Betriebssysteme wie iOS, Android oder Windows Phone die Erstellung von Apps erlauben.

Auf die ersten Fortschritten in der technischen Entwicklung folgt dann das Marketing. So, wie in der Anfangszeit des eCommerce beispielsweise Amazon einen Grossteil seines Umsatzes über SEO-Massnahmen generieren konnte, beginnen App Publisher zu verstehen, dass SEO auch im Bereich Apps eine wichtige Marketingmassnahme darstellt: konzeptionell anders als im “offenen” Web, aber inhaltlich durchaus vergleichbar.

Ebenfalls wie in der dotcom-Ära werden jetzt in der heissen ersten Phase der Apps Traumpreise für App-Unternehmen realisiert – exemplarisch mit dem Verkauf von Instagram an Facebook belegt. Und benfalls wie in der dotcom-Ära sagt etwa die Hälfte der Experten eine Blase und das Platzen derselben voraus – die andere Hälfte gründet und finanziert unverdrossen weiter, weil sie entweder nicht an eine Blase glaubt oder meint, dass gute Geschäftsmodelle und Produkte immer eine Existenzberechtigung haben.

Zur zweiten Gruppe gehören wir: die App Economy steht unserer Ansicht nach am Anfang. Apps sind die Produkte der Zukunft. Sie werden nahezu alle digitalisierbaren physischen Produkte substituieren. Daher raten wir Gründern: baut Apps! Mit Sinn und Verstand: lauscht nicht die 45. Foto-App, sondern überlegt Euch, mit welchen Apps reale tagtäglich auftretende Probleme gelöst werden können. Und wenn Ihr eine wirklich gute Die habt, kommt zu uns!

Der Tiefpunkt (3) – und sein grösster Vorteil

Der grösste Vorteil einer Schwächephase besteht in dem immens hohen Erfolg, der denjenigen winkt, die die Talsohle durchschritten haben. Es sind nur noch wenige. Die meisten haben aufgegeben.

Derjenige, der Schwächephasen als de facto Phasen erkennt, sollte sie geradzu aktiv suchen! Warum? Weil sie die höchsten Gewinne versprechen, die man nicht (mit vielen) anderen teilen muss, weil man der einzige ist, dervsie abschöpfen kann.

Über die Schattenseite des Unternehmertums

Als Unternehmer ist man von seinem Tun überzeugt und denkt dabei hauptsächlich an die Freiheit, die man in der tagtäglichen Arbeit geniesst. Man hat keinen Chef, man gestaltet seine Arbeit inhaltlich und zeitlich weitgehend so, wie man es selbst für richtig hält.

Das einzige Korrektiv stellen die Kunden dar – die bringen gelegentlich den eigenen Zeitplan durcheinander oder verlangen, am Einschulungstag seines Sohnes eine Präsentation zu halten. Und das führt uns auch zur Schattenseite der Selbständigkeit, die Thema eines aktuellen Papiers von Mike Wright und Shaker Zahra mit dem Titel: The Other Side of Paradise: Examining The Dark Side of Entrepreneurship.

Darin bemerken die Autoren, dass in der gesamten Literatur über Entrepreneurship den negativen Aspekten der Selbständigkeit wenig Platz eingeräumt wurde. Insbesondere die oft langen Arbeitszeiten und das Nicht-Abschalten-Können des Unternehmers fordern ihren Tribut in den Familien. Gescheiterte Ehen und Zerwürfnisse in Familienunternehmen zeugen davon.

Wright und Zahra rufen zu größeren Forschungsanstrengungen auf: insbesondere müsse untersucht werden, was den Unternehmer zum Unternehmer mache, was ihn vom Angestellten unterscheide, und wann aus unternehmerische Leidenschaft eine dysfunktionale Besessenheit wird, die zu den Problemen in sozialen Bereichen führt.

Vom Titel des Papiers habe ich mir mehr versprochen, als die Autoren letztlich liefern. In den USA ist zur Zeit eine lebhafte Diskussion darüber in Gange, ob Start-ups besser von jungen Menschen gegründet werden, die noch keine Familie und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen haben. Die einen vergleichen Unternehmensgründer mit Spitzensportlern, die mit 25-30 Jahren ihre Leistungshöhepunkte haben. Die anderen (zu denen ich selbst qua eigenen höheren Alters auch gehöre) sehen eher die Persönlichkeit des Unternehmers im Vordergrund, die mit den Herausforderungen, die sich in unterschiedlichen Lebensphasen ergeben, gleichermassen gut umgehen können.

Aber jeder Selbständige kann sich – idealerweise an einem verregneten Tag – die einzelnen Aspekte der Schattenseite des Unternehmertums auflisten. Um die Arbeit zu erleichtern, beginne ich hier:

- Wird das Geld reichen?
- Werde ich den Auftrag bekommen?
- Komme ich aus dem Rechtsstreit wieder heraus?
- Wieso bekomme ich immer Ärger, wenn ich abends geschäftlich verabredet bin?
(bitte vervollständigen)

KMR

Start-ups: USA – Deutschland 1:0

Die USA sind uns Deutschen hinsichtlich Unternehmertum und Start-up Gründungen weit voraus. Nur etwa viermal so gross wie Deutschland, bringen die Nordamerikaner etwa 20mal soviele Start-ups hervor. Im Technologiebereich ist dies besonders augenfällig. So kommt es auch dazu, dass deutsche Gründer ihre US-Vorbilder nachahmen, wobei ich noch von keinem US-Klon eines deutschen Unternehmens gehört habe.

Die Gründe für dieses Missverhältnis sind vielfältiger Natur: Basis ist vermutlich die grundsätzlich höhere Bereitschaft zum Risiko, wie sie den Amerikanern bereits von den Gründungsvätern ins Gebetbuch geschrieben wurde.

Einen anderen – oder besser gesagt, von einer höheren Risikobereitschaft abgeleiteten – Grund sehe ich in der höheren Flexibilität amerikanischer Start-ups im Vergleich zu deutschen.

In einem deutschen Business Plan ist der Break Even die wichtigste Kennziffer. Die Profitabilität geht im Plan eng einher mit einem konsistenten Geschäftsmodell, das inhaltlich wie quantitativ über bis zu 5 Jahre geplant (vorausgesagt) wird.

Deutsche Jungunternehmer halten sich demzufolge häufig eng am mit Geldgebern vereinbarten Business Model, auch wenn dieses auf keinerlei Akzeptanz im Markt stösst. Ein deutsches Start-up funktioniert oder funktioniert nicht (mit dem gegebenen Modell).

Venture Capitalists in den USA legen dagegen den grössten Wert auf die sogenannte traction – also die Akzeptanz des Business Models am Markt. Nutzen mehr und mehr Menschen das Angebot des Start-ups, so wird investiert – dabei ist die Gewinn- und Verlustsituation zunächst zweitrangig. In der Anfangszeit wird dem Start-up jede mögliche Änderung des Modells gewährt – solange sich dies positiv auf das Nutzerwachstum auswirkt.

Stars der Tech-Szene wie Google, Twitter, Facebook, Foursqare u.a. haben alle diverse Änderungen ihrer Modelle durchlaufen, bis sie zu dem monetären Erfolg wurden, der heute vorhanden ist bzw. sich abzeichnet.

Eine hohe Risikobereitschaft gepaart mit Flexibilität bezüglich des Geschäftsmodells sind die beiden tragenden Säulen der Start-up Szene in den USA. Um ein Stück dieses Erfolgs auch hierzulande zu verbuchen, bedarf es keiner Gesetzsänderung, Initiativen der Bundesregierung oder Entrepreneurship-Studiengänge. Die handelnden Personen haben es selbst in der Hand: VCs sollten unternehmerisch denken und Unternehmer müssen den Mut zu ständigem Ausprobieren und steter Veränderung aufbringen.

KMR

Die Erfolgsstory von Lingo24

Der folgende Beitrag über das schottische Übersetzungsunternehmen Lingo 24 und seinen Gründer Christian Arno wurde von Corina Marcuti verfasst.

Nachdem er in Oxford sein Studium der Fächer Französisch und Italienisch mit Erfolg abgeschlossen hatte, gründete der Unternehmer Christian Arno sein Übersetzungs- und Lokalisierungsunternehmen Lingo24 im Jahr 2001 mit nur wenig Existenzgründungskapital. Arno baute Lingo24, das seine Anfänge im Gästezimmer seines Elternhauses im schottischen Aberdeen hatte, inzwischen zum größten Übersetzungsunternehmen Schottlands auf – und zu einem der am schnellsten wachsenden weltweit. Der voraussichtliche Gewinn für 2010 liegt bei mehr als €7 Millionen. Arnos Geschichte zeigt einige wichtige Aspekte auf, wie man als Start-up in einem ungünstigen Wirtschaftsklima erfolgreich ist.

Einer der wichtigsten Aspekte ist der, dass man es sich als Start-up mit begrenztem Kapital nicht leisten kann, viel Geld für Projekte wie Werbung oder Bürofläche auszugeben, ohne zu wissen, wie hoch die Investitionsrentabilität genau sein wird. Glücklicherweise entdeckte Arno bereits früh die Leistungen des Internets im Hinblick auf sowohl Marketing- als auch Kommunikationszwecke.

Arno begann sein Unternehmen mit einem Netzwerk von Angestellten und freiberuflichen Übersetzern, die in der ganzen Welt von zu Hause aus arbeiteten und online kommunizierten. Dadurch, dass er keine Büroflächen anmieten musste, konnte Arno nicht nur die Betriebskosten und CO2-Bilanz seines Unternehmens senken, sondern zugleich rund um die Uhr arbeiten, mit Mitarbeitern in unterschiedlichen Zeitzonen, die sich untereinander jeweils bei Geschäftsschluss ablösen.

Die Entdeckung von SEO, Keywords und Google AdWords als preiswerte und höchst effiziente Online-Marketingmethoden brachte Lingo24 eine bedeutende Wende. Durch das Investieren von Nominalbeträgen für Click-through-Ergebnisse bei Google AdWords war Arno in der Lage, Lingo24 geradewegs an die Spitze der Suchmaschinenrankings zu befördern und gleichzeitig die Beliebtheit verschiedener Keywords auszutesten, indem er kontrollierte, welche unter ihnen von Monat zu Monat den höchsten Click-through-Traffic einbrachten.

Keywords anhand von Suchmaschinenergebnissen online zu recherchieren, festzustellen, was die Konkurrenz verwendete, und Keyword-Suchanwendungen, wie beispielsweise Google Keywords, zu verwenden, waren weitere effiziente Methoden, die Arno einsetzte, um die besten Bedingungen zur Suchmaschinenoptimierung (SEO) festzustellen. Durch das Herausfinden der besten Kniffe für einen Erfolg in den Google-Rankings – u.a. durch den gut sichtbaren Gebrauch von Keywords, die regelmäßige Aktualisierung der Websites durch relevante, nützliche Informationen und den Aufbau von Links zu Partner-Websites mittels Gast-Postings und Medienberichterstattung – stieg Lingo24 an die Spitze der Google-Rankings und hält sich dort.

Arno stellte fest, dass es auf dem europäischen Markt – insbesondere in Skandinavien und Deutschland – einen weit geringeren Wettbewerb in der Übersetzungsbranche gab als im Vereinigten Königreich, und nicht nur das, denn auch der Wettbewerb um Suchmaschinenrankings war schwächer, allein aufgrund der Tatsache, dass es insgesamt weniger Website in anderen Sprachen als Englisch gab.

Er entschloss sich, die Geschäfte von Lingo24 auf den europäischen Markt auszuweiten, um seinen Kundenstamm zu vergrößern und Kursschwankungen abzudämpfen. Lingo24 entwarf fünf übersetzte Test-Websites für europäische Länder, und der daraus resultierende Höchststand des Geschäftsbetriebs war hinreichend ermutigend, mittels Websites für Frankeich, Deutschland, Österreich, die Schweiz (auf Französisch, Deutsch und Italienisch), Belgien (auf Französisch und Flämisch), die Niederlande, Luxemburg (auf Französisch und Deutsch), Norwegen, Schweden und Dänemark weiter zu expandieren.

All diese Websites waren vollständig lokalisiert und suchmaschinenoptimiert, hatten regionale Domain-Namensendungen, enthielten intensiv recherchierte regionale Keywords, und ihre Inhalte waren von im Zielland lebenden Muttersprachlern übersetzt und enthielten kulturspezifische Hinweise und Redewendungen. Diese intensive Lokalisierung der Websites wurde als notwendig erachtet, da Internet-Demographien zeigen, dass Englisch zwar quasi die Muttersprache des Internets ist, die Mehrheit der Internetbenutzer jedoch keine englischen Muttersprachler sind und 85% der Verbraucher sich nur dann für den Kauf eines Produkts auf einer Website entscheiden, wenn sie Informationen darüber in ihrer eigenen Muttersprache vorfinden.

Lingo24 konnte dank seiner lokalisierten Websites diese Lücke im europäischen Online-Übersetzungsmarkt ausnützen, und das Unternehmen wuchs mit rasanter Geschwindigkeit, was die Eröffnung seiner Büros in Rumänien und zuletzt in Panama ermöglichte, um einen internationalen Komplettservice rund um die Uhr anbieten zu können.

Die derzeitige Strategie von Lingo24 liegt darin, sich von anderen Übersetzungsunternehmen abzuheben: durch den Einsatz innovativer Technologien, wie zum Beispiel das revolutionäre webbasierte System XTM zur computerunterstützten Übersetzung (CAT), das es Übersetzern und Korrekturlesern ermöglicht, sich einzuloggen und überall auf der Welt gleichzeitig an einem Projekt zu arbeiten. Außerdem erlaubt es Kunden, ihre Projekte zu aktualisieren und in Echtzeit zu überwachen.

Das XTM-System nutzt überdies statistische Maschinenübersetzungen, die ein Glossar der häufig wiederkehrenden Begriffe aufbauen, welche dann automatisch angeboten werden können, wenn sie im Kontext eines neuen Textes vorkommen. Je länger also Übersetzer an einem Projekt arbeiten, umso schneller kommen sie voran. Die Technologie ist mit sämtlichen Dateiarten kompatibel und sowohl strukturoffen, d.h. Lingo24 kann die Arbeitsprozesse unendlich vergrößern, als auch quelloffen, d.h. Kunden behalten ihr Terminologie-Glossar und die Kontrolle darüber.

im Wesentlichen lässt sich Folgendes von Christian Arnos Geschäftsstrategie lernen: die Kosten niedrig halten, indem man, wann immer möglich, von zu Hause aus arbeitet; das Internet für Marketing und zur Kommunikation nutzen und mit den aktuellsten technologischen Fortschritten mithalten. Mit einer ähnlichen Strategie und dem Engagement für eine geniale Idee können auch Sie ein zu Hause gegründetes Start-up in ein international erfolgreiches Unternehmen verwandeln.

Über Lingo24:
Das internationale Übersetzungs- und Lokalisierungsunternehmen Lingo24 wurde im Jahr 2001 gegründet und beschäftigt mittlerweile etwa 4.000 professionelle freiberufliche Übersetzer, die insgesamt einhundert verschiedene Sprachkombinationen abdecken.

Weniger ist mehr.

Ihr kennt das: die einfachsten Produkte mit den simpelsten Funktionen sind oft die besten Produkte. Sie gehen selten kaputt und können das, wofür sie hergestellt worden sind, sehr gut.

Also: Wenn Ihr ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung anbieten wollt, beschränkt Euch dabei auf das Wesentliche! Konzentriert Euch auf eine oder ein paar Funktionen, die Ihr bis ans Ende durchdenkt (Merke: wenn Du meinst, Du hast alles durchdacht, liegst Du falsch – denke nocheinmal darüber nach – und morgen wieder!) und so einfach und stabil macht, dass es jeder Nutzer versteht, gut findet und sogar Geld dafür zahlt!

KMR

Gründe ein Unternehmen, kein Start-up!

Wieso kein Start-up? Das ist doch das, was wir Gründer alle machen!? Klingt komisch, ich weiß. Aber: was verbinden die meisten von uns mit dem Begriff Start-up? Coole Teams in noch cooleren Loftbüros hangeln sich von einem Business Development Meeting ins nächste. Wenn Du Dir irgendwann ein cooles Büro und die entsprechenden Mitarbeiter leisten kannst und Dein Unternehmen so groß ist, dass sich Meetings lohnen, ist das eine tolle Sache. Damit Du dieses Stadium erreichst, solltest Du ein Unternehmen gründen; ein Geschäft mit mehr Umsatz als Kosten, weniger delegierenden als ausführenden Mitarbeitern und einem Cash Flow, aus dem Du alles bezahlen kannst. Gewinn zu machen ist nie uncool.

Vergiß fürs Erste hochfliegende Pläne, frage Dich, wie Du morgen Deine Miete, das Hosting und schlussendlich auch die Pizza bezahlen kannst. Auf alles, was Du mit Deinem selbstverdienten Geld bezahlt hast, kannst Du stolz sein.

KMR

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